Der Tennisverein Bennigsen begrüßt den ersten Flüchtling als Mitglied

Der Tennisverein Bennigsen hilft bei Integrationsbemühungen.
Jam Amirzar ist auf Geheiß seines Vaters im Spätsommer 2015 bei Nacht und Nebel zu einer unbekannten gefährlichen Reise nach Europa aufgebrochen. Sein Land Afghanistan. Sein Alter 16 Jahre. Das geplante Vorhaben musste geheim bleiben. Noch nicht einmal seine Mutter durfte eingeweiht werden. In seiner Heimat war das Leben unerträglich geworden, weil Krieg und Terror inzwischen auch seine Großfamilie zerriss und ein Familienmitglied dem anderen nicht mehr traute. Trotz zeitweiliger Hilfe durch Schleuser musste die Flucht größtenteils zu Fuß erledigt werden. Die Fluchtbilder tauchen immer wieder in seinem Träumen auf, besonders die schrecklichen 3 Wochen in Bulgarien. Die bulgarische Polizei hatte ihn aufgegriffen und ohne ersichtlichen Grund in einem Gefängnis untergebracht. Jam spricht von menschenunwürdigen Verhältnissen und ist nicht in der Lage, Details zu beschreiben. Ohne Begründung wurde er verhaftet, ohne Begründung war er aber plötzlich wieder frei und konnte seine Flucht nach Deutschland fortsetzen. Nach 4 Monaten erreicht er schließlich Frankfurt/Main und wird zunächst in einem zentralen Auffanglager untergebracht. Was für eine Erleichterung. Unter einer Dusche stehen, den Staub und Dreck von 4 Monaten abschütteln, sich endlich mal wieder richtig satt essen, ohne Angstgefühl schlafen gehen und seit langer Zeit mal wieder ausgeruht aufwachen.
Nach einigen Tagen in Frankfurt wird Jam nach Gailhof bei Bissendorf verlegt, wo die Region Hannover die Verantwortung für ihn übernimmt. Eines Tages liest die Familie Jürgens aus Bennigsen eine Pressenotiz, der sie entnimmt, dass die Region Pflegeltern für minderjährige Flüchtlinge sucht. Die Jürgens besuchen eine Informationsveranstaltung der Region und stoßen auf Jam, der mit gewissen Englischkenntnissen ausgestattet ist und unmittelbar nach seiner Ankunft in Deutschland damit beginnt, deutsch zu lernen. Die Familie Jürgens und Jam sehen sich in die Augen und finden sich nicht unsympathisch. Am 1.2.2016 endet seine kleine Weltreise in Bennigsen, dem beschaulichen Ort am Deisterrand. Seine Pflegeltern wissen natürlich, dass er schulpflichtig ist und melden ihn für das neue Schuljahr in Springe an.
Obwohl Jam schon 16 Jahre alt ist, hat er in Afghanistan nur 5 Jahre eine Grundschule besucht. Seine Englischkenntnisse hat er sich im Rahmen einer Eigeninitiative angeeignet. Die Zeit von Anfang Februar bis zur Einschulung nutzt er für einen Deutsch-Sprachkurs und ein Praktikum in einer Tischlerei in Ronnenberg. Als Jam im August einer Klasse 9 im Otto Hahn Gymnasium in Springe zugeordnet wird, merkt er sofort, dass er total überfordert ist. Umso mehr freut er sich über ein überraschendes Angebot aus Ronnenberg. Die Tischlerei bietet Jam eine Lehrstelle an und will ihn zum Tischler ausbilden.
Nachdem die Abstimmungsgespräche seiner Pflegeltern mit allen betroffenen Behörden positiv verlaufen, nimmt Jam das Angebot aus Ronnenberg freudestrahlend an. Jam erkennt, dass das Schicksal es scheinbar gut mit ihm meint und ist fest entschlossen, sich in Deutschland zu integrieren. Deshalb ist Jam auch sofort bereit, seinen Pflegevater, der zusammen mit seinem leiblichen Sohn beschlossen hat, Mitglied im Tennisverein Bennigsen zu werden, zum Tennistraining zu begleiten. Schnell merkt er, dass er Talent hat, mit Schläger und gelber Kugel umzugehen. Der Kontakt mit anderen Vereinsmitgliedern fällt ihm nicht schwer, da er merkt, dass alle vorbehaltslos auf ihn zugehen.
Die Frage, ob der Kulturunterschied für ihn ein Problem werden könnte verneint er klar und deutlich. Jam sieht zwar den Unterschied, ist aber uneingeschränkt bereit, sich anzupassen, ohne seine Wurzeln zu verleugnen. Er bedankt sich bei den Deutschen, die ihm eine Chance auf ein neues angstfreies Leben eingeräumt haben. Wenn es ihm gelingen sollte, sich voll zu integrieren, wozu er ins besonders den erfolgreichen Abschluss der Tischerlehre zählt, kann er sich vorstellen, für immer in Deutschland zu bleiben. Die wenigen Monate in Deutschland haben ihm gezeigt, dass er sich kein besseres Land vorstellen kann.
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.