Exclusiv: Christian Springfeld im Interview.

Christian Springfeld, er könnte am 31. Januar 2016 durch eine erforderliche Stichwahl neuer Bürgermeister von Springe werden. Glück auf! Foto: © BPA 2016
BPA: Herr Springfeld, Sie sind 38 Jahre alt. Welche Qualifikationen bringen Sie für die Position eines Bürgermeisters mit?

Springfeld: Ich arbeite seit 1997 in unterschiedlichsten Positionen in der Niedersächsischen Finanzverwaltung, also seit 18 Jahren. Nach dem Abschluss des dualen Studiums zum Diplom-Finanzwirt (FH) wechselte ich recht schnell zum Niedersächsischen Finanzministerium. Jetzt arbeite ich bei der Oberfinanzdirektion Niedersachsen. Schwerpunkt meiner Berufstätigkeit waren immer Immobilien und die entsprechende IT. An- und Verkauf, vor allem aber auch Unterbringungsmanagement. Also wie man Behördenstandorte optimiert. Berufsbegleitend habe ich Politikwissenschaften studiert – die Master-Arbeit zur kommunalen Verschuldung konnte ich mit Prof. Dr. Holtkamp wegen des Wahlkampfs jetzt erstmal verschieben. Dafür bin ich ihm sehr dankbar – Prof. Dr. Holtkamp ist einer der wenigen verwaltungswissenschaftlichen Koryphäen im deutschsprachigen Raum, da ist es nicht selbstverständlich, dass er da so flexibel ist.

Ach ja und politisch bin ich seit 2001 bei den Freien Demokraten aktiv. Auch da kommt in 14 Jahren einiges an Erfahrung zusammen. 2002 kandidierte ich für den Bundestag – mit 24 – eine unglaublich spannende Zeit. Ich habe Kommunal- und Landtags- und Bundestagswahlkämpfe bestritten, einen Kreisverband geführt, in Landesfachausschüssen mitgearbeitet. Ich kenne das politische Geschäft.

BPA: Das war jetzt die fachliche Seite und menschlich?

Springfeld: Ich kann gut zuhören. Ich bin begeisterungsfähig, packe Dinge ruhig, besonnen und systematisch an und bringe sie zu Ende. Dabei ist es mir bisher immer gelungen, Menschen zu motivieren. Es macht mir großen Spaß zwischen unterschiedlichen Positionen zu vermitteln, Leute an einen Tisch zu holen und Kompromisse zu finden. Kompromisse, mit denen alle gut leben können. Genau so sehe ich die Aufgabe eines Bürgermeisters. Natürlich schadet der fachliche Hintergrund zur Finanz- und Politikwissenschaft auch nicht.
Besonders wichtig ist mir, für alle Menschen in Springe ein offenes Ohr zu haben. Das ist nicht nur so dahingesagt. Jeder soll mit seinen Ideen oder Sorgen seinen Bürgermeister erreichen können. Ich brauche diese „Erdung“ – es gibt nichts Schlimmeres, als Politiker, die das Gespür dafür verloren haben, was die Menschen bewegt und beschäftigt. Viele haben auch den Eindruck, Politik und Verwaltung schotten sich ab. Hinterzimmerpolitik ist nicht meine Sache. Transparenz ist mir wichtig.

BPA: Ist man mit 38 Jahren zu jung, um Bürgermeister zu werden?

Springfeld: Ist das ernst gemeint? Schauen Sie sich mal in den Nachbarkommunen um. Pattensen: Ramona Schuhmann, 35. Wennigsen: Christoph Meineke, 36. Und überall läuft es besser als bei uns.

BPA: Aber vernetzt sind Sie hier nicht.

Springfeld: Zum einen habe ich die Netzwerke, die ich brauche und die wachsen ständig und zum anderen sehe ich es als großen Vorteil an, nicht seit Jahrzehnten mit allem und jedem verbandelt zu sein. So kann ich wirklich objektive Entscheidungen treffen. Für alle Menschen in Springe und nicht nur für einige wenige Netzwerker.

BPA: Sie sind Vater von vier Kindern – lässt sich das mit dem Bürgermeisteramt vereinbaren?

Springfeld: Wenn ich alleinerziehend wäre, sicher nicht. Bin ich ja aber nicht. Ich wurde von so vielen Menschen gefragt, ob ich nicht als Bürgermeister kandidieren will. Irgendwann in einer ruhigen Minute habe ich meiner Frau am Küchentisch davon erzählt und zu meiner großen Überraschung schlug sie nicht die Hände überm Kopf zusammen, sondern sagte: „Natürlich machst Du das! Das ist die Chance, auf die Du immer hingearbeitet hast!“ – Sie ist einfach die Beste. Das sind so Momente, die man nicht vergisst. Ohne die unermüdliche Unterstützung meiner Frau hätte ich nicht kandidiert. Meine Frau arbeitet ja freiberuflich als Hebamme, teilt sich Ihre Arbeit in der Vor- und Nachsorge also weitestgehend selbst ein. Sie würde dann entsprechend weniger Frauen annehmen, damit ich mich voll auf die neuen beruflichen Verpflichtungen und sie sich mehr auf die Familie konzentrieren könnte.

BPA: Trotzdem glauben viele, dass sich das schwer vereinbaren lässt.

Springfeld: Natürlich ist das eine Herausforderung, aber die haben meine Frau und ich als starkes Team mit anspruchsvollen Jobs bisher auch gut gemeistert und das werden wir auch in Zukunft tun. Den Zweiflern möchte ich gern sagen: Was für Politiker wollt Ihr denn? Welche, die mitten im Leben stehen, die Probleme der Zeit kennen, oder solche, die diese Erfahrungen nie gemacht oder schon weit hinter sich gelassen haben? Ich persönlich glaube, wir haben viel zu wenige Familienväter und vor allem auch Mütter in der Politik. Deswegen läuft aus Sicht der Familien – und damit für alle Generationen - ja so vieles schief.

BPA: Jüngst wurde der Vorwurf der „Wählermanipulation“ gegen Sie erhoben. Was sagen Sie dazu?

Springfeld: Das ist dermaßen abwegig, dazu möchte ich eigentlich gar nichts sagen. Vielleicht so viel: Wenn sich einer der Parteisoldaten, die da jetzt gegen mich schießen auch nur einmal mein Programm und meine Pressemitteilungen durchgelesen hätte, hätten sie diese Vorwürfe nicht erhoben. Witzig ist ja auch, dass niemand von denen mit mir redet. Nur über mich. Ganz schlecht. Wenn ich jemandem was zu sagen habe, dann ins Gesicht, aber nicht über die Presse.

BPA: Ärgert Sie das nicht?

Ja sicher finde ich das blöd. Was soll ich machen? Ich vertraue auf die Wählerinnen und Wähler, dass sie diese Spielchen durchschauen. Ich halte sie nicht für „unwissend“. Ich habe nie irgendwas versprochen – das war ja so ein Vorwurf – das kann ich ja auch gar nicht. Ich verspreche nur, dass ich mich für Springe und meine Ziele einsetzen werde. Ob das von Erfolg gekrönt ist hängt dann von meinem Verhandlungsgeschick und von den Mehrheiten im Rat ab. Da werden ja im September die Karten neu gemischt.
Ach ja und die Rathausfrage: Ich glaube einfach, dass wir derzeit genügend Großprojekte laufen haben. Die Kapazitäten in der Stadtverwaltung zur Begleitung solcher Großprojekte sind nicht unbegrenzt. Da will ich die Stadtverwaltung nicht als erstes mit der eigenen Unterbringungsfrage lähmen. Das weiß ich aus meiner langjährigen Erfahrung beim Landesliegenschaftsfonds: Nichts lähmt eine Verwaltung so sehr, wie wenn sie sich mit der eigenen Unterbringung selbst beschäftig. Erstmal eins nach dem anderen. Viele Bauprojekte müssen wir ohnehin schon parallel angehen, IGS, Grundschule Bennigsen, Kitas, Feuerwehrhäuser. Wenn diese Dinge laufen, dann sehen wir weiter. Und das sind ja nur die Bauprojekt! Von den kaum zu überschauenden Herausforderungen angesichts der Flüchtlingsströme will ich an der Stelle mal gar nicht anfangen...

BPA: Und zu guter Letzt haben Sie dann selbst rausposaunt, dass Ihnen die FDP egal ist.

Springfeld: Hab‘ ich doch gar nicht. Mit der Presse ist es eben auch nicht immer einfach. Ich wollte sagen, dass es mir als Bürgermeister egal sein muss, was die Parteien sagen. Auch was meine sagt. Der Bürgermeister hat sein Amt unparteiisch zu führen. Für ihn zählen die Ratsbeschlüsse und das Wohl der knapp 30.000 Menschen in allen Springer Ortsteilen. In der Pressemitteilung, aus der dann die von Ihnen zitierte Schlagzeile geworden ist habe ich gesagt: „Was die Partei in der ich Mitglied bin und die mich - dankenswerter Weise - für die Wahl zum Bürgermeisteramt aufgestellt hat, dazu [Anmerkung: Zu den IGS-Beschlüssen des Rates] sagt, ist mir ziemlich egal.“ – Natürlich sind mir die Freien Demokraten nicht egal. Ohne die Freidenker in dieser Partei wäre ich kein Bürgermeisterkandidat. Muss man mal ganz klar so sagen. Also: Danke!

BPA: Danke für das Gespräch! Viel Erfolg bei der Stichwahl am 31. Januar 2016!

Springfeld: Ich danke Ihnen!
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