Rausputz Bennigsen

Fundstück
Springe: Bennigsen | Die Frühlingssonne schien und machte Laune auf einen Spaziergang. Ich hatte mir es gerade auf der Bank am Rückhaltebecken am Ortsausgang von Bennigsen bequem gemacht, als Ludwig quasi durchs Gebüsch brach und sich schnaufend neben mich setzte.
„Traumwetter, oder“, sagte er und schob seinen Dackel beiläufig unter die Bank. „Und irgendwie merkwürdig sauber ist das hier.“ Er sah sich sorgfältig um und nickte.
Ich nickte auch und grinste. „Am Wochenende war hier in Bennigsen die große Putzaktion“, sagte ich. „Haste das gar nicht mitgekriegt?“
Ludwig kramte eine Packung Zigaretten aus der Tasche und steckte sich eine an.
„Wir haben dich vermisst. War'n echt ne Menge netter Leute da um den Dreck der anderen wegzuräumen.“
Ludwig nahm einen tiefen Zug und sah sich wieder um.
„Wir haben säckeweise Müll gefunden und interessante Erkenntnisse gewonnen.“
Ludwig drehte sich zu mir und sah mich erstaunt an. „Erkenntnisse?“ fragte er brummend. Was kann man denn beim Müllsammeln für Erkenntnisse sammeln?“
Ich machte eine kleine bedeutungsvolle Pause und ließ meinen Blick über den sonnenbeschienenen Deister schweifen.
„Zum Beispiel über Herrn Strothmann und Herrn oder Frau Vodka.“
Ich ließ den Satz ohne eine Erklärung durch die Frühlingsluft fliegen.
„Strothmann und Vodka?“, wiederholte Ludwig. „Kenn ich nicht, obwohl ich doch schon 50 Jahre in Bennigsen wohne.“
Eine Bachstelze landete am Rückhaltebecken um ein ausgiebiges Bad zu nehmen und der Dackel kläffte.
„Die kannte auch niemand von den ganzen Leuten bei der Aktion. Aber jetzt wissen wir zumindest, dass Herr Strothmann wohl täglich nach Pattensen fährt und Herr oder Frau Vodka über den Meyerhofweg am Schwimmbad vorbei die Bahnschranke umfährt.“
Ludwig war nun völlig raus und guckte mich an, wie ne Kuh wenn es donnert.
„Kannst du vielleicht mal ein bisschen deutlicher werden. Vodka ist doch eigentlich ein Schnaps.“
Ich nickte und hob die Augenbrauen.
„Klar, - Strothmann auch“, sagte ich grinsend. „ Bei der Dorf-Aufräumaktion wurde unser Trupp besonders an der Eisenbahnbrücke da draußen im Feld aktiv. Rechts und links der Straße fanden wir sage und schreibe mehr als 50 Minivodkaflaschen, alle von derselben Marke, die irgendjemand offensichtlich täglich aus dem fahrenden Auto schmeißt .Am Ortsausgang Richtung Pattensen lagen im Straßengraben mehr als 70 Strothmann Flachmänner, auch alle vom gleichen Format. Total irre.!“
Ludwig nahm einen tiefen Zug und nickte anerkennend. „Stolzes Pensum.Da hat irgendjemand ein ziemliches Problem.“
Ich nickte. „Sag ich doch. Herr Strothmann und Frau Vodka sollten dringend mal zum Arzt gehen.
Außerdem mach ich mir über die anderen Verkehrsteilnehmer sorgen, wenn Herr Strothmann ihnen entgegenkommt. Der muss doch mindestens dauerhaft sprittig sein.“
Ludwig warf seine Kippe auf den Boden und trat sie aus.
„Tja“, sagte er, zog seinen Dackel unter Bank hervor und stand auf. „Manch einer braucht das eben. Aber dass die die Flaschen alle so in die Gegend schmeißen, das find ich dreist.“
Ich deutete drohend mit dem Finger auf den Boden und grinste
Er rollte mit den Augen und hob die Kippe schnaufend auf. „Okay“meinte er, „aber ist das nicht ein bisschen pingelig?“
3
Diesen Mitgliedern gefällt das:
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.