Der Retter wurde so ganz nebenbei „50“ - und gilt derzeit als Geretteter

Damit gibt man dem Retter den Auftrag sich zu bewegen!
 
Heide/Holstein (Jan. 1986)

Der Retter wurde so ganz nebenbei „50“

Wir kommen aber zu spät
– räusper –
etliche Minuten zu spät
– macht aber nichts; das fällt bei dem Besitzer des Retters kaum ins Gewicht.
Diesem Besitzer ist es mit dem Ehren von ehrwürdig Älter-Gewordenen ohnehin nicht ganz so wichtig.

1950 kam das erste Stück seiner Gattung auf diese Welt.
Zunächst noch in einer sehr schwachen Ausgabe als „VT95“
und tat seinen unerbittlichen Schrei
– „BRRRRÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖÖT“ -

Jedes seiner Lebenszeichen tat den Menschen in seiner Nähe in den Ohren nicht unbedingt gut – Brrruuummmmm - und das in verschiedenen Tonlagen je nach Stimmung und Belastung.

Er sollte der große Retter sein und wurde doch in vielen Gegenden seines Erscheinens nur der langweilige Totengräber, der das Siechtum der zu rettenden allein nicht verhindern konnte.

Stellen wir uns den Nürburgring vor und wir erklären den Trabi zum Retter all der Rundfahrstrecken vor. Der Trabi fährt verlässlich seine Runde, aber die Streckenpflege wird weiterhin absolut unterlassen. - Wer da wohl wen retten müsste.

Ganz reizende Menschen gaben dem Retter Kosenamen wie „Ferkeltaxe“, „Blutblase“; ja sogar „Roter Blitz“ tauchte da und dort mit ironischem Lächeln auf.

Fünfzig Jahre wurde er 2010 alt, der „Retter der Nebenbahnen“. Gerettet wurden von ihm nur wenige Bahnen. Auch erstreckte sein Einsatzgebiet sich ganz und gar nicht auf die sogenannten Nebenbahnen. Ich erinnere mich gerne an die rasanten planmäßigen Fahrten von Hannover nach Wolfsburg (und umgekehrt) – Selbst die planmäßigen Fahrten auf der Schwarzwaldbahn gehören für mich zu den unvergesslichen Touren mit dem SCHIENENBUS.
So manchen Tfz-Führer (Lokführer passt hier ja nun wirklich nicht!) sehe ich noch vor mir, wie er im heißen Sommerlicht mit einer simplen gewaltigen Plexiglas-Scheibe als Blendschutz in dem Brutkasten des Triebwagens vor sich hin schwitzte.

Das besondere dieses Triebwagens war der zu ihm passend konstruierte Beiwagen und dann auch der Steuerwagen; alles in Leichtbau- oder (sollte man besser sagen?) Sparbauweise .

Zu den eigenwilligsten Erlebnissen mit den roten Bussen auf Schienen gehört die Beobachtung auf der Ende der 1960er Jahren noch in Betrieb befindlichen (echten, geradezu klasssischen) Nebenbahn Celle – Plockhorst. Aufgrund der Tatsache, dass man diese Nebenbahn in Wirklichkeit nie retten wollte, wurde sie so sehr auf Verschleiß gefahren, dass kurz vor der Stilllegung der Strecke im „oberen“ Teil der Bahnhofsgleise kein das Umrangieren des Beiwagens mit Maschinenkraft nicht mehr möglich war. Die dazu notwendige Weiche war außer Betrieb gesetzt und gesperrt. Also mussten der „Lokführer“ und der „Schaffner“ den Anhänger („Beiwagen“) von Hand von Gleis 1 auf Gleis 2 schieben, damit die Blutblase die Rückfahrt nach Celle damit antreten konnte.

Von 1950 bis 1962 wurden von den beiden Baureihen VT95 und VT98 etwas über 900 Exemplare gebaut; dazu rechnen muss man korrekterweise noch eine große Zahl von Lizenz-Bauten für private Bahnen. In der mir verfügbaren Literatur wird von insgesamt etwas 3300 Triebwagen, Steuerwagen und Beiwagen gesprochen.
Eine besondere Rolle spielen dazu die bei der DDR-Reichsbahn entwickelten Triebwagenzüge („Ferkeltaxen“).

Inzwischen gehören diese kleinen „Roten Brummer“ längst zur echten Rarität auf dem gesamt-deutschen Schienennetz. Für eine sommerliche Schwitztour bei einer Sonderfahrt zahlen die Fahrgäste heute sogar einen Museumszuschlag und führen keine Beschwerde wegen der nicht vorhandenen Klimaanlage.

Die Geschichte dieser Zuggattung ist sehr umfangreich und hat recht viel Facetten zu bieten. Dazu gehört eine Sonderbaureihe, die mit einem Zahnrad-Antrieb ausgestattet war.
Dazu gehört auf der einachsige Fahrrad-Transport-Anhänger, er wurde in nur geringer Stückzahl gebaut und war nur wenige Jahre in Aktion zu finden.
Dazu gehört die Besonderheit, dass auf der Basis dieses Triebwagens auch Baudienst- und Streckenprüffahrzeuge. Auch letztere sind aktuell auf den Schienen Deutschlands anzutreffen.

Nach meinem Kenntnisstand gibt es im Eigentum der DBAG nur noch einen vier oder fünf-Wagen-Zug, der im Saison-Verkehr eingesetzt wird. Der Zug verkehrt unter dem Namen "Ulmer Spatz" im Raum Ulm.

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6 Kommentare zum Beitrag
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Jürgen Schindler aus Dessau am 02.01.2011 um 23:39 Uhr  
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Christel Pruessner aus Springe am 02.01.2011 um 23:46 Uhr  
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