VERLIEBT in einen Augen Blick

Fachwerk Scheue stehend in Nienburg-Vogtei um 1980
 
noch stehend..
Es war eine Zeitungsanonce. Nicht spektakulär, doch reizvoll. Irgendwie ansprechend. Und wir waren ja auf der Suche. Ein zu Hause wollten wir finden. Heimat, Geborgenheit, Rückzugsort.

Wobei-, wir hatten ein Haus, ein sehr modernes, großzügig, ebenerdig für das Alter.
Pflegeleicht. Ein L-Bungalow. Kleines Grundstück, großes Haus, übersichtlich. Rollos. Waren sie geschlossen, drang kein Ton in das Innere, Stille ! Alles TOP. Wir hatten Zeit.

..doch.. nicht romantisch genug, sowie vieles andere,- nicht so recht passend für junge Erwachsene.
Die Idee: Einen Resthof.. ein Haus am Hang.. ein Haus aus den 30igern..eine Scheune am See.... oder ähnliches sollte es sein.
Raus aus dieser empfundenen Leere.
Letzendlich war es eine Kombination: Ein Fachwerkhaus - mal als Wohnhaus- mal als Scheune genutzt. So kauften wir es. Das heißt, wir trugen es innerhalb von zwei Jahren Stück für Stück ab. Steine Balken Scheunentor, Ziegel sortiert und abgestellt, gelagert.
Wartend auf den Wiederaufbau an einem anderen Platz.

Die Suche nach einem geeigneten Ort. Drei Jahre.
Wir schrieben das Jahr 1985.
Eine Annonce in der Hannoverschen Allgemeinen.

Zum Verkauf:
WindmühlenGrundstück mit maroder Windmühle
zu Wohnzwecken ausbaubar.

Aus der Südheide kommend fuhren wir über Pattensen nach Hüpede Richtung Bennigsen. Den Blick über den Ort wandernd sahen wir das Gebäude. Hervorstechend durch seine Unansehnlichkeit. Grau Schmutzig kaputt. Die entsetzden Gedanken wollten uns umkehren lassen. Doch irgend etwas ließ uns weiterfahren. War es der wunderschöne sonnige Winter Morgen? Der Ort der verklärt vor uns lag? Der Ort zur rechten, angelehnt an einem Berg?

Wir bogen ein in die Strasse, dort wo die Mühle stand. Vor uns lag ein verwildertes Grundstück. Überall stakeleten Holunderbüsche.
Das Grundstück war eingezäunt. Wie konnten wir hier herein? Niemand vor Ort.
So gingen wir auf das Grundstück und durch die Mühleneingangstür-, zuerst verschlossen- doch auf wundersame Weise konnten wir hineintreten.
....und waren faziniert von der Balkenkonstruktion. Überall lag Stroh, diverse Materialen etc. herum Stehend an der Eingangstür entdeckten wir eine Treppe nach oben. Vorsichtig stiegen wir hinauf ... wurden gefangen genommen,-
von dem Anblick auf das große total verostete Stirnrad,.. den Eisenteilen dem knarrendem Fußboden, auf dem man balancieren musste um nicht einzusinken.

Zerbrochene Gusseisenfenster. Riesige Löcher im Fußboden, die Balken verfault, Regenpfützen im Gebäude,- hinaufblickend entdeckte ich einen Sonnenstrahl der durch ein zerbrochenens Fenster auf das große eiserne Strinrad in der zweiten Etage flutete. Staub aus dem letzten Jahrhundert- gefangen im Sonnenstrahl ! Und ich schaute direkt auf die Kirchturmspitze.

Plötzlich war alles eins. Verschmelzung mit dem Hier und Jetzt.

Verliebt in einen Augenblick!

Heute schreiben wir das Jahr 2015.

Aus der Südheide kommend fahre ich über Pattensen nach Hüpede Richtung Bennigsen.
Den Blick über den Ort wandernd sehe ich das Gebäude.
Hervorstechend durch die Unvollständigkeit.
Ein fotografisches Gedächnis, wie es einmal war.
Der Bezug zur Realität-, wie es ist, läßt mich weiter fahren. Ich biege in die Strasse ein, wo die Historische Windmühle steht. Grundstücke davor , eingezäunt , Schrott..teilweise aus der Mühle von B., auch Balken aus der ehemaligen Hallermühle Bad Münder.
Grundstücke zur Historischen Windmühle gehörend.
Eiche und Eisen- Der Jahrhundertzaun-

Auf wundersame Weise: Das Eingangstor ist geöffnet. Ich fahre auf den Hof. Gehe durch die Mühleneingangstür. Ein Sonnenstrahl flutet durch das Fenster auf das große Stirnrad in der zweiten Etage .. verliebt in einen Augenblick.... und die Kirchturmspitze ist immer noch zu sehen.
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2 Kommentare
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Dieter Goldmann aus Seelze | 24.01.2015 | 21:06  
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birgit schlange aus Springe | 25.01.2015 | 12:52  
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