Mauersegler-Rettung

junger Mauersegler
 
junger Mauersegler
Heute früh bekam ich einen Anruf. Auf einem Balkon beim Ausbildungs-Institut der Polizei in Bork saß seit vorgestern ein Mauersegler und kam nicht wieder weg. Hab den Vogel da abgeholt und zur Wildtierhilfe Waltrop gebracht, wo er als Mauersegler Nr. 15 in guten Händen ist.

Wie sich herausstellte war es ein fast ausgewachsener junger Mauersegler, der wohl bei ersten Flugversuchen dort notgelandet ist (ev. bei Sturm und Regen) und dann nicht wieder hochkam. Mauersegler sind so auf das Leben in der Luft eingestellt, dass ihre Füße zu schwach sind, um von glatter Betonfläche aus hoch zu springen, um genug Luft zum Abflug unter die Flügel zu bekommen. So war dieser dann auch geschwächt und nicht mehr alleine flugfähig.

Mauersegler sind keine Singvögel (also auch keine Schwalben), sondern mit den Kolibris verwandt. Diese beiden Vogelfamilien sind fähig, bei Nahrungsknappheit in eine energieschonende Starre zu gehen, vergleichbar mit einem leichten Winterschlaf. Dadurch hat dieser Mauersegler gut überlebt. Ein junger Singvogel wäre lange verhungert.

Da die Mauersegler z.B. an Dächern in engen Spalten brüten kommt es vor, dass die Jungen zu früh aus dem schützenden Nest kommen. Sie können aus dem Nest fliehen, wenn die Hitze ihnen zu groß wird. Oder wenn ihre Eltern in Schlechtwetterperioden zu wenig Nahrung bringen.

Wie in diesem Fall, wo die Altvögel bei ihrem Jungen nicht landen und nicht starten konnten, weil ihre Beine zu schwach sind, da war es erforderlich, diesen in die Pflege zu bringen.

Generell ist zum Thema Jungvögel zu sagen, dass man sie an Ort und Stelle belassen sollte, wenn man sie scheinbar hilflos vorfindet. Sie werden in der Regel weiter versorgt. Die Natur will vor Freßfeinden schützen. In vielen Fällen, wenn es kurz vor dem Flüggewerden zu einer Störung am Nest kommt, dann flattern die Jungvögel schlicht davon. Das hat den Sinn, wenn ein Freßfeind ein Nest findet, dann kann er nicht gleich die ganze Brut vernichten. Sondern es gibt Überlebende, die weiter von ihren Eltern versorgt werden. Will man so einen Jungvogel zu seinen Geschwistern ins Nest zurücksetzen bewirkt man übrigens genau wieder den Auslösereiz, dass möglicherweise alle im Nest befindlichen weiteren Jungvögel flüchten. Damit wäre der Sache noch weniger gedient.

Zur Versorgung scheinbar verwaister Jungvögel gibt es ein literaturbekanntes Beispiel. Einem Ornithologen wurde ein scheinbar verlassener junger Waldkauz gebracht. Die junge Eule wurde versorgt und zur Nacht in eine Voliere gesetzt. Dort wurden ihre Bettelrufe von völlig fremden alten Waldkäuzen gehört, die sich der Sache annahmen. Und am nächsten Morgen lagen ein paar Dutzend toter Mäuse auf dem Volierendach. Futterspende sozusagen !!!! MERKE ALSO: Hilfsbereitschaft ist nicht erst eine menschliche Erfindung !!!

Eine Bitte dann noch. Aufgefundene Kleinvögel vorsichtig anfassen. Am besten wie im Bild zu erkennen Flügel und Beine locker fixieren, damit der Vogel sicher gehalten wird. Druck auf den Körper kann schwere Schäden am Luftsacksystem verursachen, was der Sache eben nicht dient. Ein Tropfen Wasser mit dem Finger an den Schnabelrand verhindert verdursten. Und nicht gleich falsch füttern, sondern erstmal schlau machen. Ein junger Mauersegler beispielsweise, der mit Haferflocken gefüttert wird, bekommt im Mangel an tierischem Eiweiß Wachstums-Störungen der Federn und ist damit dann unfähig für sein Leben in der Luft. Im Regelfall kann man also sagen: Wer sich nicht auskennt und bei scheinbar hilflos aufgefundenn Wildvögeln keine Hilfe leistet muß kein schlechtes Gewissen haben. Unter Umständen hat er damit genau das richtige getan.

Eine andere Sache sind Vögel, die gegen eine Glasscheibe geflogen sind und dann wie im Koma daliegen. Das ist ein Schock, wie eine Beutetierstarre, wenn z.B. eine Katze eine Maus fängt. Es sind die gleichen Reaktionen, die in der Natur so ausgebildet wurden. Einen Vogel, der irgendwo gegen geflogen ist, am besten erstmal ruhig in eine offene Kiste an einen sicheren Platz stellen, wo er weder intensiver Sonne noch Regen ausgesetzt ist. Wenn es nur diese Erstarrungs-Reaktion ist wird sich der Vogel erholen und abfliegen. Dafür braucht er aber Ruhe. Wird ein Wildtier in diesem Zustand gestresst fällt es automatsch immer wieder in die Erstarrung zurück und kann dadurch umkommen. Auch hier ist weniger also oft mehr.
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8 Kommentare
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Andreas Köhler aus Greifswald | 24.07.2014 | 16:09  
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Willi Günter Glietsch aus Edertal | 24.07.2014 | 16:57  
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Ingeborg Behne aus Barsinghausen | 24.07.2014 | 18:38  
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Wolfgang Fabisiak aus Hemmingen | 24.07.2014 | 18:54  
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Uwe Norra aus Selm | 28.07.2014 | 22:54  
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Annett Stockmann aus Bad Bibra | 15.08.2014 | 22:49  
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