Segelfliegen, ein Hobby für mich?

Die Ausbildung auf dem Flugplatz Zellhausen beginnt wieder Ende März.
 
Sunsetfliegen des LSV Seligenstadt-Zellhausen e.V. im Vordergrund der Schulungsdoppelsitzer vom Typ ASK-21.
 
Segelfliegen ist Teamsport und schult Sozialkompetenz.
 
Teilnehmer des Teams "Zulu" beim Opa Wolf Pokal.
„Segelfliegen, mehr als ein Hobby.“ Diesen Satz hört man immer wieder, in Zeitungen, auf Webseiten und Broschüren. Aber stimmt das eigentlich? Geht es bei dieser Sportart nur um das Fliegen oder um was geht das eigentlich? Was lerne ich alles in einem Segelflugverein? Und vor allem, was lerne ich durch ihn? Während vorwiegend immer nur das Fliegen an sich beleuchtet wird, wollen wir einmal das Umfeld des Luftsports beleuchten. Es steht außer Frage, dass Segelfliegen oder das Fliegen allgemein noch viel mehr ist, als sich in einem Fluggerät durch die Luft zu bewegen, auch wenn das natürlich am Ende das oberste Ziel darstellt.

Tatsache ist, dass Segelfliegen ein Teamsport ist. Kein Segelflieger kommt ganz alleine in die Luft. Es braucht ein paar Leute, um einen Flieger aus der Halle zu räumen oder aufzubauen. Man braucht einen Windenfahrer und einen Fahrer für das Seilrückholfahrzeug, Starthelfer und natürlich einen Flugleiter, der den Flugbetrieb überwacht. Wenn wir zusätzlich die Segelflugschulung betrachten, brauchen wir Fluglehrer, die die Schulung vom hinteren Sitz oder vom Boden aus durchführen. Kurzum, es geht nicht alleine. Genauso wie man für eine Fussballmannschaft elf Leute plus Trainer braucht, braucht man für unseren Sport ebenfalls ein Team von mehreren engagierten Luftsportlern.

Des Weiteren darf man auch nicht diejenigen vergessen, die sich um die Wartung der Flugzeuge kümmern oder andere Arbeiten auf dem Flugplatz durchführen, wie das Mähen der Landebahn.

Aber aus dieser Tatsache der Vielfältigkeit resultiert auch das große Potenzial dieses Sports. Sehen wir uns die jungen Flugschülerinnen und Flugschüler von 14 oder 15 Jahren an, die meistens zum Jahresbeginn mit dem Fliegen anfangen. Auch wenn des Fliegen, also das aktiv „im Flugzeug sitzen“ erstmal im absoluten Vordergrund steht, so lernen sie automatisch auch Dinge die Andere in diesem Alter nicht lernen. Während der anfänglichen Prozeduren mit Fliegerarzt, Anforderung des Führungszeugnisses und anderer Unterlagen, kann schon mit der Schulung begonnen werden. Fliegen können natürlich nur diejenigen, die fliegerärztlich untersucht wurden und bei denen strafrechtlich keine Bedenken vorherrschen. Vorstrafen- und Verkehrszentralregister werden vorher abgefragt und können eine Ausbildung auch verhindern.

Das Verhalten am Flugplatz ist das erste was der Flugschüler lernt. Wo darf er sich auf einem Flugplatz bewegen, wie muss er sich im Bereich von Segelflugzeugen verhalten, die sich mit Geschwindigkeiten von 80 - 280km/h in der Luft bewegen können und dürfen. Unser Hobby dient natürlich dem Spaß an der Sache, jedoch sind Flugplätze Orte, auf denen man sich aufmerksam bewegen muss. Segelflugzeuge werden an der Winde innerhalb von 3 Sekunden von 0 auf 100 km/h beschleunigt, Fahrzeuge fahren umher und propellergetriebene Motorflugzeuge rollen und starten auf dem gleichen Gelände. Somit müssen die Flugschüler Disziplin mitbringen oder sie schnell erlernen. Das ist jedoch in der Regel kein Problem. Und das Fliegenlernen geht in diesem Alter ziemlich schnell. Nicht selten fliegen Schüler von 14 oder 15 Jahren schon innerhalb der ersten Saison ein 50000€ teures Flugzeug unter Beobachtung eines Fluglehrers alleine. Auch hier gilt die Regel, je mehr Engagement, desto schneller geht’s. Ab 15 Jahren kann in einsitzigen Schulungsmaschinen geflogen werden, je nach Luftraum hunderte und tausende Meter über der Erde, während bereits im nächst höheren Luftraum Verkehrsflugzeuge fliegen.

Die Luftraumgrenzen sind klar geregelt, in Karten verzeichnet und in Navigationsgeräten gespeichert. Luftraumverstöße werden so gut wie immer geahndet und sind vergleichbar mit dem Überfahren einer roten Ampel. Unter Berücksichtigung dieser Fakten wird auch der erste Streckenflug von 50 km zu einem anderen Flugplatz durchgeführt. Der Flugschüler oder die Schülerin muss die gestellte Aufgabe navigatorisch und meteorologisch planen und mit seinem Fluglehrer besprechen. Zu diesem Zeitpunkt besitzt er schon alle theoretischen Kenntnisse, die bereits beim Regierungspräsidium Darmstadt in einer Prüfung abgefragt wurden. Mit 16 Jahren darf dann der Segelflugschein gemacht werden. Die Prüfung besteht aus drei Flügen mit einem Prüfer oder einer Prüferin.

Nach Scheinerhalt steht ein moderner und vielseitiger Flugzeugpark zu Verfügung, vom Segelflugzeug aus den 60ern bis hin zum modernen Leistungssegelflugzeug. Auch wenn die Ausbildung abgeschlossen ist lernt man nie aus. Auf dem Gebiet des Streckenflugs gibt es viel zu lernen und zu entdecken. Wettbewerbe geben den Scheinpiloten die Möglichkeit sich mit anderen zu messen und das Fliegen in Gebirgen, wie den Alpen, ist immer wieder ein Abenteuer, an das man sich langsam herantasten muss. Aber auch der Segelkunstflug als Ode an die Präzision und Koordination.

Immer wieder wird gefragt, ob fliegen gefährlich ist. Man hört dann oft die Antwort, dass der Weg zum Flugplatz das gefährlichste dabei sei. Das mag so stimmen. Morgens die Autobahn A3 auf und ab zu fahren ist wohl tausendmal gefährlicher. Aber im Endeffekt ist dieses Hobby genau so gefährlich wie man es zulässt. Einer der größten Faktoren der Ausbildung ist die Sicherheit. Die Schüler lernen von Anfang an, dass das Fliegen etwas Außergewöhnliches, aber kein Hexenwerk ist. Dass Flugzeuge nicht einfach so vom Himmel fallen. Und sie lernen sämtliche Risiken auf ein Minimum zu reduzieren. Jede Situation wird immer und immer wieder trainiert. Die Schüler lernen mit Seilrissen beim Windenstart umzugehen, sie lernen das Flugzeug in jeder Fluglage unter Kontrolle zu halten und im Fall der Fälle wieder unter Kontrolle zu bringen. Sie lernen sogar das Segelflugzeug auf einem Getreideacker zu landen, was beim Streckenflug übrigens hin und wieder passiert. Das ist entgegen vieler Zeitungsberichte übrigens keine Notlandung, sondern ein ganz normales und vor allem rechtlich zugestandenes Verfahren einen Streckenflug sicher zu beenden, wenn keine Thermik mehr zur Verfügung steht. Segelfliegen ist sehr auf Sicherheit ausgelegt. Machos und Draufgänger haben da keinen Platz. Wie sagt man so schön: „Es gibt alte Piloten und es gibt tollkühne Piloten, es gibt aber keine alten tollkühnen Piloten“. Dieser eher scherzhaft gemeinte Spruch besitzt sehr viel Wahrheit. Risikobereitschaft und Draufgängertum haben hier keinen Platz. Wenn man sich an die Regeln hält ist dieses Hobby genauso gefährlich oder ungefährlich wie Fahrradfahren.

Ein schöner Nebeneffekt für die Flugschüler ist, dass sie gleichzeitig das Autofahren auf dem Flugplatzgelände lernen, während andere im gleichen Alter noch 3 bis 4 Jahre warten müssen. Nicht nur die Tatsache, dass der Führerschein später in der Minimalzeit gemacht werden kann, auch die Blicke der Fahrlehrer sind, laut Aussagen der Schüler, immer wieder interessant, wenn der Fahrschüler in der ersten Fahrstunde gekonnt um die ersten Straßenecken kurvt. Der Flugbetrieb erfordert nun mal, dass die Flugschüler mit unseren Fahrzeugen Windenseile ausziehen, Segelflugzeuge nach der Landung mit dem Rückholauto wieder an den Start schleppen und auch Seltenheiten wie das Traktorfahren erlernen. Mit 15 Jahren machen sie dann den Windenschein und sind auf Flugplätzen befähigt einen LKW zu fahren und mit 280 PS Segelflugzeuge in die Luft zu schleppen. In diesem Alter wird einem im Straßenverkehr noch nicht mal erlaubt einen Motorroller zu fahren, geschweige denn ein Fahrzeug zu führen. Eigenverantwortung und Disziplin eignen sich die Schüler und Schülerinnen in solch einer Atmosphäre ganz automatisch an.

Betrachten wir die Zeit in der Wintersaison, wenn nicht geflogen wird. Die Mitglieder des Vereins machen eine gewisse Anzahl von Arbeitsstunden. Das bringt zum einen sehr viel Spaß mitsich und man lernt zum anderen sehr viel für das spätere Leben. Für Technikinteressierte steht eine Werkstatt bereit. Flugzeuge werden gewartet, repariert und für das kommende Jahr fit gemacht. Die Schüler lernen automatisch den Umgang mit Werkzeug und Maschinen, während der Werkstattleiter mit Rat und Tat zur Seite steht. Das bringt natürlich auch später Vorteile, wenn man einen technischen Beruf erlernen will. Wir reden hier übrigens auch von jungen Mädels, die nicht nur im Flugbetrieb ihren männlichen Kollegen in nichts nachstehen, sondern auch in der Flugzeugwartung engagiert sind.

Auch durch den Theorieunterricht, der mit zur Ausbildung zum Segelflugpiloten gehört, lernt man einiges. Wie fliegen Flugzeuge? Was ist Aerodynamik? Wie funktionieren Benzin- oder Dieselmotoren? Was geht da eigentlich über uns am Himmel wettertechnisch ab? Warum kann der Wind nicht alle sein? Und vor allem – warum fliegt ein Segelflugzeug sogar ganz besonders gut OHNE Wind. Das alles wird den Schülern vermittelt, von ehrenamtlichen Flug- und Theorielehrern.

Es ist immer die Frage wie man es wertet, dass dieses Hobby einem viel gibt, man aber auch einiges an Zeit und Freizeit investieren muss. Gerade heutzutage, wo es ein Überangebot an Freizeitmöglichkeiten gibt und viele Leute ganz viel ausprobieren möchten (und am liebsten alles gleichzeitig) ist es schwierig seinen Schwerpunkt nur auf eine Sache zu legen.

Sicher ist jedenfalls, dass Segelfliegen eines der lehrreichsten Hobbys ist, das schon viele Menschen in ihren Bann gezogen und nicht mehr losgelassen hat.

Man sieht also, dass Segelfliegen mehr ist als nur das bloße Fliegen an sich. Es ist ein bisschen von Allem und es gibt jede Menge zu entdecken und zu lernen.

Wer mehr über die Fliegerei erfahren möchte findet unter segelfliegen-zellhausen.de weitere Informationen.
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Romi Romberg aus Berlin | 20.02.2016 | 13:18  
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