Fliegen - Sehnsucht und Verwirklichung!

Der Autor mit dem Ultraleichtflugzeug des LSV Seligenstadt-Zellhausen e.V. auf Tour
 
Hochalpine Pisten in den französischen Alpen sind für das flinke Fluggerät kein Problem!
 
In wenigen Stunden von Südhessen ans Meer.... Im eigenen Flugzeug!
Begonnen hat für mich alles 2010 mit dem gezielten Besuch der Open Airport Veranstaltung in Zellhausen:

Damals war ich noch, wie man so schön sagt “Fußgänger“ aber mit dem angesagten Wunsch, unbedingt UL- Pilot zu werden!

Wenn man vom Flugmodell Club Heusenstamm absieht, war das für mich der erste „ richtige Verein“, in dem ich nun Mitglied wurde. Von der ersten Ausbildungsstunde an, saß ich nun auf dem linken Pilotensitz.
Auch wenn es nur der Himmel von Zellhausen war, fühlte ich mich jetzt wie im 7. Himmel. Bald war gezieltes geradeaus fliegen, Kurven, Kreise oder Achten kein unüberwindliches Problem mehr. Ich hatte sozusagen Blut geleckt. Ein Fluglehrer war natürlich immer dabei, erklärend und korrigierend. Mit den weiteren Stunden wurde es dann anspruchsvoller. In der kommenden Zeit der Vorbereitung auf den ersten Alleinflug wurde mir bewusst, wie sehr meine beiden Lehrer Vicky und Jörg an mir arbeiten mussten um mich im wahrsten Sinne des Wortes zum Etappenziel zu führen.

Ich gewann ganz neue Einsichten: Durch meinen Beruf als Kameramann beim Hessischen Rundfunk war ich zwar dienstlich sehr viel mit dem Flugzeug gereist und habe auch oft begeistert aus dem Helikopter gefilmt, aber die unmittelbare Heimat aus niedriger Höhe hatte ich so intensiv und unmittelbar vorher selten wahrgenommen. Es sind bis heute ständig neue Entdeckungen und Erkenntnisse unseres Lebensraumes die einen wesentlichen Teil der Faszination Selbstfliegen für mich ausmachen.

Aber auch ein gänzlich anderer Punkt hat mich fasziniert, was war mir so vorher gar nicht bewusst gewesen ist: Fliegen im Verein ist Gemeinschaftsarbeit!

Im Segelflug sowieso, aber auch im Motorflug. Neben dem Flugschüler sitzt der Fluglehrer und am Boden braucht es den Flugleiter. Bei jeder Übungsstunde und das ehrenamtlich, also ohne Kosten für den Schüler. Genau wie die ausgiebige Theorie- Schulung in den verschiedenen Fächern zur Winterzeit,
Das ein Verein für ein einzelnes Mitglied einen solchen Service leistet war für mich ungewohnt und überhaupt nicht selbstverständlich dies nötigt mir erheblichen Respekt und Dank für diese Leistung ab.

Der erste Alleinflug ist dann für alle Flugschüler ein bedeutender Schritt zum Ausbildungsziel. Ich habe alle Schulungsstunden mit Freude erwartet und gehörig genossen, aber mit dem ersten Alleinflug und dem gesteigerten fliegerischen Selbstbewusstsein kam auch das permanente Bewusstsein der alleinigen Verantwortung im Flug. Also noch sorgfältiger prüfen, planen, vorbereiten, Szenarien durchdenken, aufmerksam sein und permanent dazulernen.

Seit mehr als drei Jahren habe ich jetzt die Lizenz zum Fliegen eines Ultraleichtflugzeuges. Damit habe ich mir einen Traum verwirklicht!

170 Flugstunden stehen heute in meinem Logbuch. Das ist für die alten Hasen im Verein sicher marginal. Für mich beinhalten das aber 170 Stunden Freude und den Spaß in unserer FK9 mit meiner Frau oder anderen Vereinskameraden Neues von Oben zu entdecken.

Eigentlich fahre ich nicht mehr so gerne freiwillig weite Strecken mit dem Auto. Das langweilt mich eher. Dieses kleine Flugzeug dagegen ist für mich und meine Frau ein ideales Reisemittel um z.B. tolle Tagesausflüge zu unternehmen.
Das sind entspannte kürzere Flüge mit langen Aufenthalten am Zielort. Wir nutzen das dann, um Städte zu besichtigen und zu Wandern. Rothenburg ob der Tauber Eisenach mit der Wartburg, Quedlinburg mit seinen vielen grandios restaurierten Fachwerkhäusern, Bad Langensalza berühmt u.A. wegen seiner sieben Parks oder Traben-Trarbach mit seinem unvergleichlichen Flugplatz Mont Royal auf der Moselschleife um nur einige der Destinationen zu nennen, die wir fliegend für uns entdeckt haben.

Ständig sind wir auf der Suche nach neuen Zielen. 2015 wollen wir in jedem Fall den Osten der Republik weiter für uns erschließen. Alles was kulturell und landschaftlich etwas zu bieten und einen Landeplatz in der Nähe hat, kommt für uns in Frage. Magdeburg, Meißen, Mecklenburgische Seenplatte, Peenemünde und die Ostsee sind dieses Jahr Ziele, die wir erreichen wollen.
Wegen der beschränkten Zuladung der vereinseigenen "FK-9" sind Mehrtagesreisen, die unseren Aktionsradius erheblich erweitern würden, verlockend aber auch anspruchsvoll zu planen. Solche Unternehmen müssen logistisch sehr gut vorbereitet werden. Da haben wir noch wenig ausprobiert.
Bei meinem letzten Tannkosh-Besuch ( ein Jammer, dass es dieses Treffen nicht mehr gibt!) gab es unfreiwilliger Weise eine solche Situation: Vor der Rückreise musste ich 2 Tage in Tannheim auf besseres Wetter warten. Ein Risiko wollte ich auf keinen Fall eingehen. Meine ganze Aufmerksamkeit galt nur noch der Wettervorhersage. Dank der telefonischen Wetter und Routenberatung durch Vereinsmitglied Mark Juhrig habe ich mich dann in Abstimmung mit ihm im Zick Zack-Kurs, immer den Regen- und Wolkenlöchern folgend, über die Schwäbische Alb nach Norden durchgerungen. Nach einer Zwischenlandung in Heubach ging es dann nach Westen ins Rheintal und schließlich zwischen den niedrigen Wolken quer über den Odenwald nach Hause. Der Flug unter diesen Bedingungen war für mich ganz klar eine Herausforderung aber gleichzeitig auch ein wunderbares und unvergessliches Erlebnis.

Das Bewegen des ULs in der Luft gelingt mir nun nach 3 Jahren Flugpraxis mit deutlich größerer Gelassenheit. Auch bei etwas ruppigeren Verhältnissen fühle ich mich sicher im Umgang mit dem Flieger. Eigentlich bin ich gerne vorsichtig und defensiv. So wie ich das auch beim Autofahren pflege, möchte ich das verstärkt auch beim Fliegen umsetzen.

Was ich in der Ausbildung gehört habe, versuche ich eins zu eins in meinen Flugalltag umzusetzen. Adrenalin gehört nicht zu dem, was ich unbedingt benötige. Eine gut ausgeführte gründliche Flugvorbereitung ist jetzt das, was mich einen Flug beruhigt und ohne unnötige Unsicherheiten durchführen lässt. Das gilt umso mehr, je weiter weg und unbekannter das Ziel ist. Und wenn ich so drüber nachdenke, fallen mir immer mehr Ziele ein, die auf uns warten:
Hohenems im Vorarlberg (weil da die ganze Verwandtschaft meiner Frau wohnt),
überhaupt, die Alpen (nach unserem Zugspitze Flug und einer phantastische Alpeneinweisung in Südfrankreich mit Vereinsfluglehrer Jörg Vogel zusammen), oder am anderen Ende, die Nordseeinseln sind immer einen Besuch wert. Wenn das Wetter 2015 einigermaßen mitspielt, werden sicher einige der Traumgespinste wieder Realität für mich!

Dieser tolle Bericht stammt von Reinhard Burgheim, Ultraleicht Pilot und Mitglied im Luftsportverein Seligenstadt-Zellhausen e.V.!

Mehr Informationen zum Ultraleichtfliegen findest du unter segelfliegen-zellhausen.de!
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