Von einem der auszog um das Fliegen zu lernen - Ultraleichtflug im LSV Seligenstadt-Zellhausen e.V.

      Wer hatte noch nie davon geträumt ein Flugzeug selbst fliegen zu können?
Auch ich hatte diesen Wunsch schon als Kind, bin jedoch erst spät im Leben bei den „richtigen“ Fliegern gelandet, sondern habe zu erst einmal fast dreißig Jahre aktiven Modellflug betrieben. Einen kurzen Ausflug zur manntragenden Fliegerei unternahm ich Ende der achtziger Jahre, in Form eines vierzehntägigen Segelflugkurses in Nordhessen. Nach diesem sehr intensiven „Schnupperkurs“ machte ich jedoch mit dem Segelfliegen nicht weiter, da es damals praktisch kaum geeignete Segelflugzeuge für meine Körpergröße von über zwei Metern gab.
Vor einem Jahr flog ich dann eher per Zufall in dem Ultraleichtflugzeug eines Freundes mit und musste feststellen, dass das Raumangebot in einem solchen Flugzeug schon eher mit meinen Körpermaßen zu vereinbaren war.

Kurz darauf folgte eine erfolgreiche Sitzprobe im Ultraleichtflugzeug des Luftsportverein Seligenstadt-Zellhausen e. V. . Sofort verabredete ich mich mit dem Ausbildungsleiter des Vereins. Dieser erklärte mir, dass ich als „Fußgänger“ – so nennt man „nicht Flieger“ in Fliegerkreisen – mindestens 30 Flugstunden auf dem Ultraleicht und eine Theorieschulung für den Erwerb des Ultraleichtscheins benötige. Da man mit dem motorgetriebenen Ultraleicht recht unabhängig Schulen kann, können die Flugstunden auch Abends, nach der Arbeit, an Wochentagen stattfinden. Dies bedeutet ein sehr planbares Vorankommen im Vergleich zur Segelflugausbildung, welche als echter Teamsport, viele Helfer benötigt und daher praktisch nur an den Wochenenden und Feiertagen stattfinden kann.

Der von mir anvisierte Luftfahrerschein für Luftsportgeräte – so heißen Ultraleichtflugzeuge im Amtsdeutsch – rückt in greifbare Nähe, und ich beschließe in den Luftsportverein Seligenstadt-Zellhausen einzutreten um sofort mit der Ausbildung beginnen zu können.
Einige Formalitäten müssen vorher noch erledigt werden, so braucht man zum Beispiel ein Führungszeugnis und eine fliegerärztliche Bestätigung der Flugtauglichkeit.

Im September des selben Jahres nahm ich die erste Flugstunde bei einer Fluglehrerin des LSV Seligenstadt-Zellhausen. Vor dem Einsteigen in das Ultraleichtflugzeug erfolgt zwingend der gründliche Check von Fluggerät und Motor, anschließend wird gegebenenfalls noch getankt. Die sehr leisen Motoren von Ultraleichtflugzeugen verbrennen bleifreies Superbenzin von der Tankstelle und sind nicht auf das wesentlich teurere Flugzeugbenzin angewiesen.

Ich bekomme das abarbeiten der Checkliste vor dem Start erklärt. Meine Lehrerin macht den ersten Start und ich übernehme das Flugzeug kurz nach dem wir eine gewisse Sicherheitshöhe erreicht haben. Es fällt mir nicht schwer das Flugzeug zu steuern, da ich schon Erfahrungen mit Segelflugzeugen mitbringe. Aber auch ein „echter“ Fußgänger wird in der Lage sein das Flugzeug nach einer recht kurzen Zeit dirigieren zu können. Die erste Flugstunde fliegen wir einfach in der Gegend herum, damit ich mich an die Steuerung gewöhne. Nach einer knappen Stunde landet Sie das Ultraleichtflugzeug wieder sicher auf dem Fluggelände in Zellhausen.

Die zweite Flugstunde findet nur wenige Tage später unter Anleitung eines weiteren Ultraleichtfluglehrers statt. Jörg Vogel ist der zweite Fluglehrer von drei Ultraleichtfluglehrern des Vereins.

Beim Start habe ich dieses Mal die Hand mit am Steuerknüppel um die notwendigen Steuerbewegungen zu erfühlen. Danach soll ich einige Platzrunden mit anschließenden Landeanflügen fliegen um mir die Platzrunde einzuprägen. Wir setzen allerdings noch nicht auf, sondern überfliegen die Piste in sicherer Höhe. Doch schon in der nächsten Flugstunde, darf ich die Landung bis zum Aufsetzen fortführen. Jörg greift immer erst kurz vor dem Aufsetzen mit an den Knüppel um mir beim Abfangen Hilfestellung zu geben, da es einige Landungen benötigt, bis man selber das richtige „Timing“ beherrscht. Die nächsten Flugstunden bestehen daher auch ausschließlich aus Platzrunden mit anschließender Landung und ich bemerke, dass Jörg nun nichts mehr berührt, sondern mit der Hand nur noch in der Nähe des Steuerknüppels bleibt, um jederzeit korrigieren zu können.

Nach dem das Landen und Starten schon recht gut klappt, folgen so genannte Notlandeübungen. Der Motor wird in ausreichender Höhe über dem Flugplatz gedrosselt und das Flugzeug muss im Gleitflug zum Aufsetzpunkt gesteuert werden. Dabei ist es wichtig, dass man sich die zur Verfügung stehende Höhe richtig einteilt, damit man auch wirklich die Piste trifft. Weitere Übungen zur sicheren Beherrschung des Luftsportgerätes folgen.

Bereits nach fast genau einem Monat fliegen wir das erste Mal auf einen anderen Flugplatz, es geht nach Gelnhausen. Vor dem Flug muss ich Einiges vorbereiten. Ich suche die Anflugkarte des Zielflugplatzes aus dem Luftfahrthandbuch heraus und zeichne die Kurslinie dorthin in die Luftfahrtkarte ein. Weiterhin bestimme ich Steuerkurs und Flugzeit unter Berücksichtigung von Windrichtung und Stärke. Nach nur zehn Minuten Flugzeit erreichen wir den Gelnhäuser Flugplatz. Ich fliege unter Anleitung von Jörg die Platzrunde und lande sicher auf der dortigen Graspiste. Nach kurzem Aufenthalt geht es wieder zurück nach Zellhausen und ich bin glücklich, dass der erste Überlandflug so gut geklappt hat.

Sechs Tage später bin ich wieder unterwegs. Ein zweiter Fluglehrer soll meine Fähigkeiten vor dem ersten Alleinflug überprüfen. Nach einer Notlandeübung und einer regulären Landung lässt er mich den Motor abstellen und steigt aus, ich soll jetzt das erste mal alleine fliegen. Ich lasse den Motor wieder an und mache meine ersten drei Alleinflüge. Dabei komme ich mir sogar entspannter vor als mit Fluglehrer, da einem niemand mehr kritisch über die Schulter blickt. In den nächsten Wochen folgen hauptsächlich Platzrunden im Alleinflug, da man in vor der praktischen Prüfung mindestens vierzig Landungen im Alleinflug gemacht haben muss.

Ab November verhindert das Wetter weitere Flugstunden aber jetzt fängt ja sowieso die Theorieausbildung an. Als Fächer stehen: Flugfunk, Luftrecht, Meteorologie, Navigation, Technik und weitere Fächer auf dem Programm. Ingesamt wird an rund zehn Wochenenden geschult. Der Unterricht findet zusammen mit den, meist sehr jungen Segelflugschülern statt, da 95% des Stoffes identisch ist. Der Rest wird in einer zusätzlichen Unterrichtseinheit vermittelt. Ende Februar ist der Unterricht abgeschlossen und bereits Anfang März mache ich die Theorieprüfung bei einem Prüfer des deutschen Aero Clubs. Bei diesem Prüfer werde ich auch die praktische Prüfung machen und er Prüfer erklärt mir den groben Ablauf.

Kurz nach der Theorieprüfung beginne ich wieder Flugstunden zu nehmen. Jetzt stehen fünf Überlandflüge auf dem Programm. Zwei davon mit Lehrer zu Flugplätzen, die mindestens 100 Kilometer entfernt liegen. Weiterhin muss ich noch drei Flugplätze im Alleinflug anfliegen. Ende April sind alle Überlandflüge abgehakt. Nun muss ich noch einige Stunden fliegen, um dreißig Stunden Flugerfahrung vor der praktischen Prüfung nachweisen zu können.

Am Wochenende des 23.6. hat der Prüfer Zeit für mich. Leider ist der Samstag komplett verregnet, am Sonntag sieht es jedoch fliegbar aus. Es ist zwar bewölkt aber die Sicht ist gut und es wird kein Regen erwartet. Mit einem Vereinskollegen fliege ich morgens nach Giessen-Lützellinden, da die Prüfung von dort aus beginnen soll. Der Prüfer trifft nur wenige Minuten nach unserer Landung ein.

Der Prüfungsflug beinhaltet alle Elemente, die ein Pilot eines Ultraleichtflugzeuges beherrschen muss: Flugvorbereitung, Check des Luftfahrtzeuges, Durchführung des Fluges und das sichere Beherrschen der Notverfahren. Ich sollte einen Flug von Lützellinden nach Marburg vorbereiten und durchführen. Ein Wegpunkt auf dem Weg nach Marburg war das Segelfluggelände Amöneburg, da dort die Notlandeübungen durchgeführt werden sollten. Auf dem Flugplatz Marburg-Schönstadt sollte vor der Rückkehr nach Lützellinden eine Zwischenlandung stattfinden. Nach etwas über einer Stunde Flugzeit setzte ich das Vereinsultraleichtflugzeug wieder auf der Piste in Lützellinden auf. Nachdem das Flugzeug geparkt und der Motor abgestellt war, gratulierte mir der Prüfer zur bestandenen Prüfung. In der Vereinsgaststätte erledigten wir den notwendigen Papierkram. Bereits am darauf folgenden Mittwoch erhielt ich den Luftfahrerschein per Post vom deutschen Aero Club.

Obwohl die Ausbildung im Verein und nicht bei einer kommerziellen Flugschule durchgeführt wurde, konnte ich bereits nach weniger als zehn Monaten den Flugschein in den Händen halten.
Der Hauptunterschied bei der Ausbildung im Verein liegt darin, dass die Fluglehrer nicht so regelmäßig zur Verfügung stehen können, wie man es in einer Flugschule vorfindet.
Weiterhin wir vom Flugschüler mehr Eigeninitiative erwartet und empfohlen, als in einer Flugschule, was ich jedoch niemals als einen Nachteil empfand.

Fliegen kann man mit dem vereinseigenen Ultraleichtflugzeug des LSV als Flugschüler oder später als Ultraleichtpilot nahezu jederzeit. Es sind vor allem die günstigen Stundenpreise, die im Vereinsbetrieb angeboten werden können, die das Fliegen erst bezahlbar machen.
Es müssen natürlich die entsprechende Wetterbedingungen vorliegen, so dass man im Sommer auch an Werktagen nach der Arbeit noch gut fliegen kann.

Jetzt heißt es „fliegen, fliegen, fliegen“ um die gelernten Fähigkeiten weiter zu verbessern.

Anm: Diesen Text schrieb unser Mitglied Mark Juhrig vor einigen Jahren, die Fliegerei hat Ihn seit daher nicht mehr los gelassen. Mittlerweile ist auch er Fluglehrer für Ultraleicht und Motorflug und engagiert sich aktiv im LSV Seligenstadt-Zellhausen e.V.
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