Der bürgerliche Mittelstand schafft sich ab

(frei nach Sarazzin)

Ich möchte hier nicht mit Statistiken langweilen, die können z.B. im Internet nachgelesen werden, es geht um Beobachtungen im sozialen Umfeld, Entwicklungen die wir täglich erleben.

Regelmäßig wird die Verschlechterung der Lebensbedingungen beklagt, das Einkommen reicht oft nicht mehr fürs Auskommen, befristete Arbeitsverhältnisse erlauben keine Zukunftsplanung. Wir haben uns an Tafeln gewöhnt, bei denen Bedürftige eine warme Mahlzeit bekommen können. Jedes 6.Kind lebt inzwischen in Armut, jede 4. Familie im Raum Hannover an oder bereits unter der Armutsgrenze.

Jeder ist von HartzIV nur eine Kündigung oder Insolvenz entfernt, wer Glück hat bekommt einen Arbeitsplatz der u.U. auf das HartzIV Niveau aufgestockt wird. Wer finanzielle Rücklagen hat muss die erst einmal verbrauchen, Altersvorsorge adè. Bei einem Lohn von 1Tsd. Euro monatlich kann mit 400 Euro Rente gerechnet werden, Altersarmut ist vorprogrammiert.

Statt dieser, politisch gewollten, Zumutung die Stirn zu bieten und aktiv zu werden ist eine merkwürdige Meinungsbildung zu beobachten. Nicht die Verursacher werden aufs Korn genommen, die Opfer sind selbst schuld. Sie ruhen sich in der sozialen Hängematte aus und wollen nur auf Kosten der noch Beschäftigten leben. „Wer nicht arbeitet braucht auch nicht Essen“ wer kennt nicht die Aussage von Herrn Müntefering. Und da man selbst wenig Geld für seine Arbeit bekommt sollen Bedürftige noch weniger bekommen, denn Arbeit soll sich ja lohnen.

Sollen sie doch arbeiten, dann geht’s ihnen auch wieder besser!

Vergessen wird dabei das auf 1 freien Arbeitsplatz 10 Arbeitssuchende kommen, gleichzeitig werden Arbeitszeiten ohne Lohnausgleich verlängert und damit weitere Beschäftigungsverhältnisse vernichtet. Sinkende Realeinkommen sind seit Jahren aktenkundig.

Diese Entwicklung kostet Arbeitsplätze, denn was nicht verkauft werden kann braucht weder produziert, transportiert oder angeboten zu werden. Das gilt auch für Dienstleistungen. Die steigende Anzahl von Privatinsolvenzen und Zwangsversteigerungen sprechen eine deutliche Sprache, Firmeninsolvenzen betreffen nicht nur Tante Emma Läden, auch die Großen sind inzwischen betroffen.

Die Sozialsysteme bekamen ein massives Einnahmeproblem das sich inzwischen zum Ausgabenproblem entwickelt hat.

Aber wenn wir uns dagegen wehren schließen die Firmen hier und gehen ins Ausland, dann sind die Arbeitsplätze auch weg!

Nokia und BenQ schon vergessen? Nur um zwei Beispiele zu nennen. Trotz immenser staatlicher Subventionen zur Erhaltung von Arbeitsplätzen sind sie abgewandert, nicht ohne ihren Beschäftigten vorher Zugeständnisse abzupressen. Die Subventionen haben sie als Gewinn eingestrichen und mitgenommen.

Unterm Strich zahlt der Noch-Mittelstand die Zeche, auch der nimmt seit Jahren ab. Desto unverständlicher ist es mit welcher Vehemenz die Großverdiener vom Noch-Mittelstand verteidigt werden, besteht doch keine Aussicht selbst einmal dazu zu gehören. Im Gegenteil, es wird immer schwieriger den eigenen Lebensstandard zu halten.

Aus Frankreich wollte vor einigen Jahren eine Firma ins Billiglohnland Deutschland abwandern. Kein Problem, hat die Regierung gesagt, nur vorher werden sämtliche Subventionen zurück gezahlt die hier zum Erhalt der Arbeitsplätze geleistet worden sind, dann könnt ihr gehen. Die Firma ist heute noch in Frankreich.

Was hat das nun mit Sehnde zu tun? Die Entwicklung des einstigen Einkaufszentrums Mittelstraße zeigt deutlich den Zusammenhang mit der sozialen Entwicklung der Einwohner.

Es liegt in der Hand jedes Einzelnen die Richtung der sozialen Entwicklung zu bestimmen, und die Änderung der Marschrichtung lässt sich nur von unten nach oben bewerkstelligen. Nur wenn der Unmut deutlich gezeigt wird, bei den Kommunalwahlen angefangen, besteht die Chance. Auf ein Signal aus Berlin zu hoffen und abzuwarten hat sich schon in den vergangenen Jahren als Wunschdenken gezeigt.

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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen am 26.03.2011 um 18:53 Uhr  
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