Wolle - ein trauriger Schäferhund braucht Hilfe

Schäferhund Wolle sucht ein neues Zuhause
 
Mit seinen acht Jahren ist Wolle noch recht verspielt
 
Der mächtige Deutsche Schäferhundrüde wiegt gut einen Zentner

Wolle sitzt im Wohnzimmer und weint. „Das macht er in letzter Zeit immer wieder“, meint sein Pflegefrauchen und schaut traurig auf den mächtigen Deutschen Schäferhund. „Doch es ist ja auch kein Wunder, dass er jetzt trauert.“

Der Schäferhund kann den Tod seines geliebten Frauchens noch nicht fassen

(Sehnde) Wolle hat vor wenigen Tagen sein Frauchen verloren. Acht Jahre lang war das Mensch-Hund-Team unzertrennlich gewesen und auch dann, als die Frau krank wurde und als klar war, dass es für sie keine Heilung mehr geben würde, wich ihr der brave Rüde nicht von der Seite. Nun ist Wolles Besitzerin gestorben, doch der Hund versteht scheinbar nicht, dass sie für immer aus seinem Leben verschwunden ist. „Komm, wir gehen in den Garten, da kommst Du bestimmt wieder auf andere Gedanken“, fordert Frau H. den Schäferhund auf. Gehorsam trottet er hinter ihr her, hinaus an die frische Luft. Der Frühling, der sich mit zweistelligen Außentemperaturen, ausgelassenem Vogelgezwitscher, aus der Erde drängenden Krokussen und verlockenden Düften, die für Menschennasen nicht wahrnehmbar sind, ankündigt, scheint Wolles Stimmung tatsächlich gleich zu heben. Nach einer ausgiebigen Schnüffeltour kommt er mit einem Ball im Maul auf uns zugetrabt und fordert uns zum Spielen auf. Dies ist der Tag, an dem wir Wolle persönlich kennen lernen.

Tierärztin schaltete Tierschutzverein ein

Die behandelnde Tierärztin hatte den Verein Netzwerk Mensch-Tier e.V. kontaktiert und uns im Namen der Hinterbliebenen von Wolles Besitzerin um Hilfe gebeten. „Das ist ein wirklich tragischer Fall“, hatte sie gemeint. „Es wäre wunderbar, wenn Sie hier eine schnelle Lösung für die Menschen und für den Hund finden könnten.“ Wie es in solchen Fällen üblich ist, ließen wir uns von der Tiermedizinerin zuerst über Wolles Gesundheitszustand aufklären. Er habe eine Schäferhund-Keratitis, eine Erkrankung der Hornhaut des Auges, die bei Deutschen Schäferhunden häufig vorkomme, informierte uns die Tierärztin. Jedoch schlage bei dem Rüden die Behandlung mit Augentropfen und Salbe, die er sich problemlos verabreichen lasse, gut an. Auch habe sie eine Schilddrüsenüberfunktion festgestellt, doch auch diese sei mit Tabletten einfach zu therapieren. Auf unsere Frage, wie sie Wolles Verhalten in ihrer Praxis beurteile, meinte sie: „Der ist so ein lieber Kerl. Er lässt alles mit sich machen – Untersuchungen, Impfungen – er hat noch nie geknurrt, lässt sich überall anfassen und bleibt stets freundlich, auch wenn´s mal unangenehm für ihn wird.“

Seniorin ist mit dem großen Rüden überfordert

Als nächstes nahmen wir Kontakt zu Frau H. auf. Sie ist die Mutter von Wolles verstorbenem Frauchen. Frau H. ist weit über 80 Jahre alt, lebt mit ihrer betagten, gemütlichen Cairn-Terrier-Hündin in einem Haus auf dem Lande und lud uns gleich ein, Wolle einmal persönlich kennen zu lernen. Am Wohnzimmertisch erzählt uns Frau H., dass sie schon ihr Leben lang Hunde gehabt habe. „Mein Mann und ich haben mal versucht, ohne Vierbeiner auszukommen, aber nach ein paar Wochen hab ich zu ihm gesagt dass ich entweder verrückt werden würde oder sofort wieder einen Welpen haben wolle. Und seit dieser Zeit war ich nie mehr ohne Hund.“ Ihre Kinder hätten die Liebe zu den Hunden quasi mit der Muttermilch aufgesogen. „Meine Tochter und ihr Mann waren Schäferhund-Fans“, erklärt die Seniorin. Als Wolle damals einzog, war niemandem klar, dass er schon acht Jahre später ohne seine vertrauten Menschen da stehen würde. „Natürlich kann er bei mir wohnen“, sagt die alte Frau, die neben der Trauer um ihre Tochter nun auch noch die Sorge um Wolles Zukunft plagt. Doch sie sei schwer herzkrank und müsse immer wieder ins Krankenhaus. Für ihren Cairn-Terrier ist in solchen Fällen gesorgt – die Nachbarn kümmern sich dann um die kleine Hündin. Doch den riesigen Wolle, der gut und gerne 50 kg auf die Waage bringt, will keiner der Nachbarn bei sich aufnehmen. Und auch den täglichen Spaziergang mit Wolle traut sich die Seniorin nicht zu. „Der hört zu Hause auf mich wie eine Eins, der hat einen prima Grundgehorsam“, schildert Frau H. die Problematik. „Doch wenn er draußen auf einen anderen Rüden trifft oder eine Katze direkt vor seiner Nase über den Weg läuft, dann kann ich ihn nicht mehr halten. Dazu bin ich jetzt einfach zu alt und meine Kräfte reichen nicht mehr aus, um Wolle ordentlich zu bewegen.“

Ehrenamtliche Gassigängerin als Engel in der Not

Um dem großen Schäferhund ein wenig von der Bewegung zukommen zu lassen, die er für seine körperliche Fitness und sein psychisches Gleichgewicht so dringend braucht, konnte das Netzwerk Mensch-Tier für ihn eine Frau finden, die über genügend Wissen zum Thema Hund und die Fähigkeit verfügt, Wolle zu handeln. Sie holt den Rüden jetzt bei Frau H. regelmäßig ab, um mit ihm spazieren zu gehen und kann nur Gutes berichten: „Der benimmt sich bisher wirklich vorbildlich, zieht nicht an der Leine und reagiert sofort, wenn ich ihn anspreche“, berichtet die Gassigängerin, die ihre Dienste Wolle zuliebe im Ehrenamt zur Verfügung stellt. Einem anderen Hund sind die beiden auf ihren ausgedehnten Streifzügen durch die Feldmark leider noch nicht begegnet, so dass noch unbekannt ist, wie Wolle auf fremde Artgenossen reagiert. Doch es ist anzunehmen, dass er Hündinnen gegenüber als Charmeur auftreten wird – so, wie er es auch bei der Cairn-Terrier-Dame von Frau H. tut - während es sicherlich nicht ratsam ist, Wolle nähere Bekanntschaft mit fremden, potenten Rüden machen zu lassen.

Netzwerk Mensch-Tier e.V. bittet Hundefreunde, sich zu melden

Für Frau H. und Wolle wäre es sicherlich ein ganz großes Glück und ein Lichtblick in ihrer Trauer, wenn sich ein Hundefreund finden würde, der bereit wäre, den freundlichen Schäferhund bei sich aufzunehmen. Wolle, der ein begeisterter Ballspieler ist und Spaziergänge im Grünen liebt, möchte immer ganz nahe beim Menschen sein, Zwingerhaltung kommt für ihn natürlich nicht in Frage. Autofahren kennt der Rüde, mit Kindern kommt er problemlos klar und gegen eine Hündin, die bereits im Haus wohnt, hätte er sicherlich nichts einzuwenden. Nur Katzen mag Wolle nicht. Falls es irgendwo Menschen gibt, die sich vorstellen können, den wunderschönen, freundlichen Schäferhund in ihre Familie zu holen, sollen sie sich einfach bei uns vom Netzwerk Mensch-Tier melden, in dem sie uns eine kurze Mail an netzwerk.mensch-tier@gmx.de senden. Wir werden dann ein unverbindliches Kennenlernen mit Wolle arrangieren.

„Bis sich jemand für ihn findet, kann Wolle, so lange mein Herz mitspielt, hier wohnen bleiben“, meint Frau H. abschließend. Und so schleicht sich der treue Hund jeden Abend, wenn es Zeit wird, ins Bett zu gehen, still in das Zimmer, in dem Frau H.s Tochter zuletzt gelegen hat. „Morgens finde ich ihn dann auf ihrem Bett, in ihre Decken gekuschelt. Das riecht noch nach ihr und so sind die beiden wenigstens in Wolles Träumen wieder vereint.“
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5 Kommentare
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Hannelore Schröder aus Sehnde | 25.02.2014 | 18:05  
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Elena Sabasch aus Hohenahr | 25.02.2014 | 18:27  
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Dieter Goldmann aus Seelze | 27.02.2014 | 00:32  
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Nicole Brünnette aus Wetter | 04.03.2014 | 12:22  
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Heige Kienle aus Sehnde | 23.04.2014 | 16:53  
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