Fröhliches Miteinander der Kulturen im Iltener Begegnungs-Café

  Wer hätte gedacht, dass Ilten jemals so „multikulti“ sein würde… und auch noch Spaß dabei hat? Da bereiten junge bosnische Frauen zusammen mit gleichaltrigen Deutschen riesige Bleche leckerster Pita zu. Da kommen montenegrinische Männer beim Tierschutzverein vorbei und helfen mal einfach so beim Gehegebau. Da gehen syrische Familien los, um irakischen Familien das Leben im Dorf zu erklären. Der einheimische Ingenieur schraubt mit dem asylsuchenden Journalisten Regale an die Wand und Lampenhalterungen in die Decke, während der Iltener Beamte in seiner Freizeit mit den arbeitswilligen Flüchtlingen loszieht und auf der ansonsten vieles abblockenden Behörde eine Arbeitsgenehmigung für sie erwirkt…

Nicht nur Asylsuchende, sondern auch alteingesessene Iltener profitieren vom neuen Miteinander

Entgegen der aller Orten geschürten Ängste vor Überfremdung geschieht in Ilten gerade etwas recht Erstaunliches: Die Menschen kommen sich näher. Und denken Sie nicht, es seien nur hilfsbereite Deutsche, die hier aus ihren Heimatländern geflüchtete Ausländer besser kennen lernen. Nein, es sind gebürtige Iltener oder solche, die teilweise seit Jahrzehnten und länger im Dorf wohnen, die das gemeinsame Engagement für Flüchtlinge zusammenbringt. Etliche haben sich dadurch erst kennengelernt, treiben nun gemeinsam Projekte voran und manche treffen sich mittlerweile sogar privat, weil sie merken, dass sie sich viel zu sagen haben und dass sie einiges Gemeinsame verbindet.

Kirchengemeinde veranstaltet Begegnungs-Café

Auch die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde Ilten beteiligt sich mit einem neuen Projekt am wachsenden „Wir-Gefühl“. Das „Iltener Begegnungs-Café“, das seine Türen erstmals im Januar 2016 öffnete, bietet Menschen aller Herkunftsländer und aller Religionen einmal im Monat die Gelegenheit, sich zwanglos zu treffen und bei Speis und Trank miteinander ins Gespräch zu kommen. Anfangs von einigen Zweiflern noch skeptisch beäugt, war schon das erste Begegnungs-Café ein voller Erfolg. Über 80 Menschen erschienen im Gemeindehaus. Bei der zweiten Veranstaltung im Februar wurde die 100er-Marke locker geknackt, der Zulauf war unglaublich – für die Organisatorinnen und Organisatoren ein Grund zu unbescheidener Freude. Alle langten am international gedeckten Buffet kräftig zu und unterhielten sich prächtig. "Bemerkenswerter Weise gab es keinen einzigen Tisch, an dem ausschließlich Asylsuchende oder nur Deutsche saßen", erzählt Pastor Johann Christophers. Überall hatten sich die Besucher bunt durcheinander platziert. Man unterhielt sich auf deutsch, englisch, französisch, serbokroatisch, arabisch, kurdisch… und wenn gar nichts mehr ging, wurde gestikuliert oder sogar gezeichnet.

Harmonisches Miteinander der unterschiedlichsten Religionen im evangelischen Gemeindehaus

Auf die Frage, ob es für ihn als Muslimen seltsam sei, an einer Veranstaltung in einem christlichen Gemeindehaus teilzunehmen, antwortete der seit Jahrzehnten in Deutschland und seit langer Zeit in Ilten lebende Syrer Ezeldin Mohammad: „Warum sollte das seltsam sein? Wir sind alle Menschen, wir wohnen zusammen in diesem Ort. Als Menschen unterhalten wir uns und als Menschen helfen wir uns gegenseitig, wenn Hilfe gebraucht wird. Da frage ich doch vorher nicht nach, ob einer Christ ist oder Muslim oder etwas anderes.“

Das Miteinander der Religionen und Kulturen wird in Ilten als Bereicherung erlebt

So wie Ezeldin halten es auch viele andere – nicht nur im Begegnungs-Café. Protestanten werden zum Božič, dem serbisch-orthodoxen Weihnachtsfest, eingeladen. Freie Evangelische und Evangelisch-Lutherische begleiten eine Familie von der Elfenbeinküste zur katholischen Taufe ihres Babys. Eine junge Muslima erzählt im Gottesdienst von den Gründen ihrer Flucht. Muslime, Christen und bekennende Atheisten sitzen zum gemütlichen Plausch mit Jesiden am Küchentisch und trinken starken, schwarzen Tee. Während eine alte Frau mit Kopftuch die Namen ihrer Kinder und Kindeskinder wieder und wieder aufzählt und alle lachen, weil diese Namen einfach nicht über deutsche Zungen kommen wollen, stillt im Hintergrund eine junge Frau ihr Baby, obwohl fremde Männer anwesend sind. Alles ist möglich, so lange jeder den anderen respektiert.

Menschen, die Spaß am Miteinander haben, werden noch gesucht

Sollten Sie bei der Lektüre dieses Textes Lust bekommen haben, sich auch ein wenig am „Iltener Miteinander“ zu beteiligen, dann sind Sie herzlich willkommen. Sei es im Rahmen des Begegnungs-Cafés, das jeden dritten Freitag im Monat von 17:30 Uhr bis 19:30 Uhr stattfindet, beim Kaffee- oder Teeplausch während des Deutschlernens bei einer Asylanten-Familie oder beim Anschrauben eines Regales in einer Flüchtlingsunterkunft… Die Iltener Gruppe „Integration und Geselliges“, die sich dem Sehnder ENAS (Ehrenamtliches Netzwerk für Asylsuchende in Sehnde) angeschlossen hat, würde sich freuen, weitere Aktive begrüßen zu dürfen.

Kontakt über das Büro der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Ilten-Höver-Bilm: 05132-6414
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