Ja varegg, soichane Hundskrippen! - Boarische Gschichtn und Gedichte

Jochen Nistler (li.) begleitet Robert Gapp (re.) bei seinen Erzählungen und Gedichten mit dazu passenden, heiteren und nachdenklichen Stückerln
 
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Seebruck: Naturwelt Chiemsee | Pressebericht des Naturwelt Chiemsee e.V.

Ja varegg, soichane Hundskrippen!
Boarische Gschichtn und Gedichte

Robert Xaver Gapp zu Gast auf dem Samstagsbrettl


Die Sommerpause für das „Samstagsbrettl“ des Naturwelt Chiemsee e.V. ist endlich vorbei. Alle 14 Tage wird es jetzt wieder in Esbaum bei Seebruck mittags um Elf einen Kunstgenuß geben. Eingeleitet wurde die neue Saison mit dem Regional-Autor Robert Gapp aus Bergen mit seinen Geschichten und Gedichten. Gapp ist Mitglied bei den Chiemgau Autoren e.V. und gab ein Sammelsurium aus seinen beiden Büchern („Da Gagste und i – und andre Lausbuam und Lausdirndl“, „Do waar no ebbs …“ ) und noch Unveröffentlichtem zum Besten. Begleitet wurde er dabei von Jochen Nistler aus Vachendorf und dessen Gitarre. Er hatte passende Stückerl zu den Geschichten rausgesucht. Für das Publikum war die Mischung aus Lausbubengeschichten, Erinnerungen an Wirtshausoriginale, Nachdenkliches und Gesang optimal.

45 Jahre war der Bergener Gschichtl-Schreiber am Chiemgau-Gymnasium in Traunstein. Zuerst als Schüler, dann als Lehrer und zum Ende hin auch noch als stellvertretender Schulleiter. Kaum im Ruhestand, entdeckte Gapp das Schreiben für sich. In Gstadt am Chiemseeufer begann alles vor fünf Jahren mit dem Gedicht „A Ruah geem“, indem Gapp zur Erkenntnis kommt, dass das Hamsterradl jetzt ganz weit fort ist. Wer hätte in dieser lehrkraftlichen Autorität eine Lausbubenkindheit vermutet? Im Unterricht wohl niemand. Wer aber beim Vorlesen der Geschichten aus seiner Kindheit oder etwa den tiefsinnigen und teils hintergründigen Gedichten nicht nur zuhört, sondern auch die Freude über das Erlebte im Gesicht des Mundartautoren erkennt. Der erkennt auch den Lauser. Geboren ist Robert Gapp in Inzell. Seine Eltern zogen aber schon bald nach Bergen, wo der schwäbische Vater das Wirtshaus „Zum Eisenhammer“ lange Zeit führte und im Dorf viel für den Tourismus tat sowie den Club der Alten gründete. Seine Kindheit erlebte Gapp also zu einer Zeit im Wirtshaus und im Bergener Dorf, als man sein Bier noch beim Wirt geholt hat. Getränkemärkte gab es noch nicht. Aber Lohntüten, die oft nicht mehr ganz voll waren, nachdem die Männer auf dem Heimweg beim Wirt eine Rast machten.

Da braucht es nicht mehr viel Fantasie, um sich ausmalen zu können, was der „Gagste und der Gawei“ so alles angestellt und erlebt haben. Gapp erinnerte sich daran, wie sein Spezl Gagste und er beim Flascheneinsammeln einen Apfelbaum abräumten, erzählte in der Geschichte „Oans fiar zwoa“ davon, wie der „Hans“ zuerst sein Gebiß verloren und dann mit Hilfe vom „Sepp“ doch wieder bekommen hat, verteilte kurz darauf ans Publikum Bärendreckschnecken und brachte dazu die Geschichte vom „Ibidumm“ und berichtete schließlich von einer wahren, aber heutzutage schier unglaublichen Begebenheit, die sich seinerzeit im Vachendorfer Gasthaus zur Post zugetragen hatte. Weil ein Tisch in der Wirtsstube wackelte, wurde der „Anderl“ so grantig, dass er kurzerhand mit seiner Motorsäge die Tischbeine bearbeitet hat. Der Tisch wackelte zwar dann immer noch, aber er war ein gutes Stück niedriger. Passend dazu brachte Jochen Nistler das Lied von der „Sonntagsruah“, das am Ende von einer zünftigen Wirtshausrauferei erzählt.

Neben den vielen heiteren Geschichten, gab es aber auch Nachdenkliches. So widmete Robert Gapp dem verstorbenen, langjährigen Wirt der „Bründling Alm“ Toni Maier das Gedicht „Grad omoi no“. Der Toni Maier war dem Robert Gapp ein guter Freund. Er hat die Zeichnungen für sein zweites Buch „Do waar no ebbs …“ freihändig aufs Papier gebracht Dazu gab der Bergener Chiemgau-Autor noch weitere stille Reime zum Grübeln und zum “Stad heem“ frei.

Zum Schluß wurde es aber noch einmal heiter. Mit einem Zeitungsartikel der Süddeutschen Zeitung wunderte sich Gapp über die Forderung mancher Pädagogen nach einer „Porno-Kompetenz“ für Grundschüler und meinte, es sei doch viel wichtiger, wenn den Kindern das „Gfui für die Liab“ beigebracht würde. Dazu erzählte er übers „Spechten“ und wie wichtig es für die kleinen Buben war „das Loch in der Wand“ in der richtigen Größe und der perfekten Höhe zu bohren, um überhaupt etwas zu sehen. Dazu sang Nistler das Liadl von der „Frederika“.

Robert Xaver Gapp hat heuer sein 5jähriges Schreiber-Jubiläum. Er ist begeisterter Mundartdichter und Mitglied bei den Chiemgau-Autoren sowie dem Verein zum Erhalt der Baierischen Sprache. Sein erstes Buch „Da Gagste und i – und andre Lausbuam und Lausdirndl“ ist bereits ausverkauft und nur noch als Hörbuch-CD auf dem Markt. Mit Zeichnungen von Toni Maier kam 2013 das zweite Buch „Do waar no ebbs …“ und gerade im Moment arbeitet Gapp an seinem dritten Buch. Wir wollten wissen, wie es denn heißen wird? Die Antwort „Des woas i no ned“ machts spannend. Gapp erzählte uns auch, dass es mit der Herausgabe noch ein bisserl dauern kann, weil er momentan recht eingespannt ist. Neben dem Schreiben, so haben wir erfahren, ist Gapp viel unterwegs. So liest er beispielsweise ehrenamtlich in Altenheimen und ist auch bei den Chiemgau-Autoren recht aktiv vor.


Weiter geht’s in der Naturwelt Chiemsee am Samstag, 24.10.15, pünktlich um elfe beim Samstagsbrettl als ein großes „Kirchweih-Brettl“. Achten Sie auf die Programmankündigung.

Und wer sich traut, selber einmal bei der Naturwelt seine Kunst zu präsentieren, der kann sich bei Jochen Nistler, Tel.: 0170/3577620 melden

Mehr über den Chiemgau-Autor Robert Gapp gibt es hier: http://chiemgau-autoren.jimdo.com/die-chiemgau-aut...
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