Griechenland ist überall – besonders in Seelze.
Bevor man zu Ratschlägen oder Forderungen zum Bürgerhaushalt kommt, ist zuerst eine Analyse des Problems erforderlich.
Ohne Schuldzuweisungen ist schlicht festzustellen, dass allein geografisch bedingt Seelze anscheinend nur mäßig attraktiv für das Gewerbe ist. Diese Bedingungen lassen sich auch zukünftig kaum ändern. Es ist auch nicht erkennbar, dass ausgerechnet ein Großkonzern seine Zentrale in Seelze ansiedeln wird. Somit ist nicht damit zu rechnen, dass die Einnahmen stark verbessert werden. Über 20 Jahre Wehklagen hat nichts geändert. Soll man jetzt dem Rat und der Verwaltung zu Gute halten, dass sie wenigstens durch das Projekt Seelze-Süd einen Entwicklungsschub erreichen wollten?
Es gab warnende Stimmen, die aber die politische Klasse als unqualifiziert abgebügelt hat. Die Mehrheit im Rat ersetzt die Mehrheit der Bürger; so war es und so wird es wohl auch bleiben.
Auch das Seelzer Rathaus und der Alte Krug wurden den Bürgern als sinnvolle Zukunftsinvestitionen verkauft. Ganz zu schweigen von der Wellnesstherme. Das einzige Ergebnis war die horrend zunehmende, selbstgemachte Verschuldung. Vielleicht gut gedacht, aber schlecht und verantwortungslos gemacht. Selbst bei der Entscheidung über die Wellnesstherme glaubte eine knappe Mehrheit im Rat, auf eine Befragung der Bürgerinnen und Bürger verzichten zu können.
Schon 2006 habe ich unter http://www.u-ohm.de/Seelze_06.htm auf die horrende Haushaltsschieflage hingewiesen und eine Beteiligung der Bürger angeregt. Die Politik hatte dieses Ansinnen (bei vergleichsweise moderater Verschuldung) brüsk abgelehnt. Auf der Seite können Sie sehen, dass schon damals bei totaler Streichung aller freiwilligen Leistungen eine Entschuldung nicht möglich gewesen wäre. Inzwischen hat sich die Lage noch dramatisch verschlechtert.
Alle Vorschläge, die hier von engagierten Bürgerinnen und Bürgern für den Bürgerhaushalt gemacht werden, werden das Grundproblem nicht lösen können. SEELZE IST PLEITE! Wir werden niemals ohne neue Schulden auskommen. Ganz zu schweigen von einer Tilgung der Schulden. Die Zinsen fressen uns auf.
Was ist zu tun?
Abgesehen von den niedlichen Versuchen, über erhöhte Hundesteuern das Problem in den Griff zu bekommen, könnte man sich an den Griechen orientieren: Auch sie haben anscheinend über ihre Verhältnisse gelebt, ohne dass der „kleine Grieche“ unmittelbar daran schuld hatte. Ihnen wurden brutale Einschnitte vorgeschrieben. Von den Griechen erwartet man sogar, dass sie diese Bedingungen erfüllen. Und in Seelze?
Wie wäre in Seelze ein derartiger Zwang zu erreichen? Nicht nur die Ratsmitglieder, die jahrzehntelang aufs falsche Pferd gesetzt hatten, sondern auch die Verwaltungsspitze, die die Therme als Segnung pries, sind für die Erstellung eines brutalen Sanierungsplanes ungeeignet. Diese Personen werden nicht umdenken wollen, weil sie nur durch das Versprechen und Erfüllungen von Wohltaten wiedergewählt werden. Auch die Bevölkerung wird jegliche Einschränkung mehrheitlich wohl für unzumutbar halten.
Jetzt, wo sowieso alles zu spät ist, werden die Bürger gnädig in die Verwaltung des Mangels einbezogen und somit Partner im Chaos. So wollen sich Rat und Verwaltung ein bisschen aus der Verantwortung stehlen. Natürlich werden die Bürger das Problem nicht mehr lösen können.
Seelze müsste längst unter fremder Verwaltung stehen. Nur so kann ohne Angst vor Ansehen- und Pöstchenverlust eine finanzielle Entspannung erreicht werden. Es wäre interessant zu sehen, wie hoch bei uns Volkes Seele kochen würde.
Ganz nebenbei – nur als kleiner Beitrag wegen der persönlichen Verantwortung – könnten alle, die so vehement die Schulden über die Therme hochgejubelt haben, jährlich 1000 € der Stadtkasse als zinslosen Kredit zur Verfügung stellen; natürlich mindestens 20 Jahre lang. Oder, liebe Ratsmitglieder, worin misst man Ihre Verantwortung?
Der Bürgermeister ist nach herrschender Ansicht durch sein massives Werben für die Therme in sein Amt gespült worden. Wäre es da nicht angemessen, wenn er einen Teil seines „erworbenen“ Mehr-Gehaltes für die selbst verursachte Misere dauerhaft spenden würde? Man denke an die Zumutungen, die den Griechen auferlegt wurden.
Anscheinend funktioniert Politik nach dem Motto: „Wählt MICH, dann schaffe ich tolle Einrichtungen, für die IHR dann bis in die Ewigkeit zahlen dürft“.

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