Modern Sound[s] Orchestra präsentiert Helden und Legenden in Delmenhorst


Das MSO beim Konzert in Delmenhorst
 
Das MSO bei der Anspielprobe, noch regnet es nicht
Heldenhafte Zuhörer und legendäre Musiker bei einem abenteuerlichen Konzert

(an) Ein solches Open Air-Konzert hatte wohl noch keiner der Teilnehmer miterlebt, bei dem nicht nur die Musiker, sondern auch die Zuhörer, das Wetter und die willkommene Wärme der Scheinwerfer zu den Hauptdarstellern des Abends wurden. Doch der Reihe nach.

Das Modern Sound[s] Orchestra (MSO) war am 23. August 2014 auf Einladung des Delmenhorster Kreisblatts (dk), wie bereits 2013, zu Gast beim jährlich stattfindenden dk-Sommerkonzert auf der Burginsel in Delmenhorst. Das Orchester hatte sich mit dem Veranstalter auf ein Programm mit dem Titel „Helden und Legenden“ verständigt.
Die rund 55 Musiker trafen sich um 13 Uhr in Seelze, um gemeinsam mit dem Bus und einem großen Anhänger für das Schlagwerk nach Delmenhorst zu fahren. Nach zweistündiger Busfahrt erreichte man Delmenhorst. Obwohl der Wetterbericht für den Tag Regen vorhergesagt hatte, ließen Sonnenschein und blauer Himmel in Seelze auf ein trockenes und warmes Open Air-Konzert hoffen, wie auch im letzten Jahr. Hochgekrempelte Hemden und Sonnenbrillen sprachen für den Optimismus! Anscheinend war sowohl im großen Bus als auch im Anhänger nicht genügend Platz, um das gute Wetter einzupacken, denn als das MSO in Delmenhorst ankam, waren bereits große schwarze Regenwolken aufgezogen. Pünktlich zur Anspielprobe fing es dann auch an zu regnen, nein zu schütten. Die Hoffnung auf ein trockenes Konzert blieb aber irgendwie: „Wenn es jetzt regnet, muss es heute Abend beim Konzert nicht regnen“, so die Meinung.

Nach der Anspielprobe wurden die Musiker mit Brötchen und Getränken versorgt, sodass sie sich vor dem Auftritt noch einmal stärken konnten. Zu diesem Zeitpunkt regnete es zwar nicht mehr, es hatte sich aber so stark abgekühlt, dass der eigene Atem in der Luft verdampfte: Man fror im August mit Pullover und Schal! Musiker wissen, dass während normaler Konzerte Scheinwerfer aufgrund ihrer Wärmeabstrahlung nicht sehr willkommen sind. Diese Meinung änderte sich aber schnell bei solch niedrigen Temperaturen bei einem Open-Air Konzert – hier waren die Scheinwerfer plötzlich sehr willkommen! Die Finger froren zwar immer noch, aber es blieb einigermaßen erträglich.

Da das Wetter zunächst trocken blieb, betraten die Musiker pünktlich um 20 Uhr unter dem Applaus der rund 500 Zuhörer die Bühne. Dazu sei gesagt, dass es sich nicht im eigentlichen Rahmen um ein Konzert handelte, sondern eher um ein Picknick mit musikalischer Umrahmung. Die Zuschauer sind dazu aufgerufen, sich mit mitgebrachten Speisen und Getränken selbst zu versorgen. Erfahrene Konzertbesucher bringen zum Teil sogar eigene Tische und Teelichter mit. dk-Verleger Frank Dallmann begrüßte das Publikum und stellte das Modern Sound Orchestra kurz vor (kein Rechtschreibfehler!). Anschließend eröffneten die Musiker unter der Leitung von Henning Klingemann das Programm mit dem Einzug der Gladiatoren von Julius Fucik. Wieder einmal ließ es sich Henning Klingemann nicht nehmen, durch das Programm zu führen, und konnte zu jedem Stück eine Menge erzählen. So wusste das Publikum beim Second Waltz ganz genau, dass das Stück nicht aus der Jazz Suite No. 2 von Shostakovitch stammt. Nach weiteren Stücken wie der Transcendent Journey von Rossano Galante und Children of Sanchez von Chuck Mangione betrat Laura Beuschel die Bühne. Die junge Sängerin, mit der das MSO bereits mehrere Auftritte hatte, gelang es, mit ihrer Interpretation der Habanera aus der Oper Carmen, das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Begeistert spendete es ihr Beifall. Das Stück Das Phantom der Oper von Andrew Lloyd Webber in einem Medley arrangiert von Johan de Meij beendete die erste Konzerthälfte.

Soweit war das Konzert also schon gut verlaufen. Das Publikum war begeistert und es war noch kein einziger Regentropfen gefallen! Dies sollte sich jetzt aber schlagartig zu Beginn der zweiten Hälfte ändern. Was wären auch Helden und wie ergeben sich Legenden ohne Abenteuer?!


Nachdem der zweite Konzertteil mit Pomp und Circumstance von Edward Elgar eröffnet wurde, kam plötzlich Unruhe in das Publikum. Die Musiker konnten sich die Unruhe zuerst nicht erklären, als man jedoch im Halbdunkel sah, dass die Zuschauer Regenschirme und Regenmäntel hervorkramten, hörte man die ersten Regentropfen auch auf dem Zeltdach. Spätestens bei den ersten Tönen zum nächsten Stück Batman von Elfman/Prince waren die großen Regentropfen, die auf dem Zeltdach landeten, wirklich nicht mehr zu überhören, ein feuchtfröhliches Abenteuer begann. Das Publikum harrte aber heldenhaft aus und blieb bis zum Konzertende tapfer sitzen und das bei zeitweiligem Starkregen! Belohnt wurde ihre Tapferkeit mit Beuschels Interpretation von Over the Rainbow von Harold Arlen und mit dem Stück Dragonfight von Otto M. Schwarz, bei dem das Publikum vom MSO ins entfernte (trockene) Liechtenstein mitgenommen wurde. Zum Abschluss des Konzerts ließ das MSO bekannte Melodien von Benny Goodman, arrangiert von Naohiro Iwai, erklingen. Trotz anhaltenden Regens forderte das Publikum lautstark drei Zugaben. Als Zugaben konnte Beuschel noch einmal mit dem Stück Hallelujah von Leonard Cohen glänzen und das MSO mit einem Medley aus berühmten Melodien von Elvis und zum Abschluss mit Thriller von Michael Jackson. Als die Musiker sich dann auch kurzzeitig in den Regen hinauswagen mussten, um ihre Instrumente zu verstauen, verließen die Zuschauer fluchtartig den Konzertplatz.

Nachts, um zwei Uhr, kamen die Musiker erschöpft aber glücklich wieder in Seelze an. Ein solches Konzert von heldenhaften Zuhörern und legendären Musikern erlebt man tatsächlich nicht alle Tage!

http://www.m-s-o.de
http://www.jbo-seelze.de
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