Kerzen oder Kerzen - Können LEDs eine Tradition zerstören?

Palma de Mallorca (Spanien): Kathedrale | Bei uns gehört zu Weihnachten das durch keine technische Leistung zu erhaltene Flackern von Kerzen und der Duft des heiß werdenden Wachses. Ohne diese Wahrnehmungen ist es einfach nicht richtig Weihnachten.

Auf Mallorca sind es in der Osterwoche ebenfalls genau diese Elemente, die das besondere Gefühl bei den zahlreichen Osterprozessionen erst komplett macht. Natürlich ist es die besondere, getragene Musik, das Schlagen der Trommeln. Natürlich sind es die Pasos (die Jesus- oder Maria-figuren, die auf großen Tischen reich mit Blumen geschmückt zu Teil barfuß, zum allergrößten Teil auf den Schultern mit Muskelkraft durch die Gegend getragen werden. Das ist mehr als Tradition. Man gehört einfach dazu – zu einer der vielen Bruderschaften, die es seit Anfang des 20. Jahrhunderts gibt und deren Vorläufer schon seit mehr als 400 Jahren in der Osterwoche die Leidensgeschichte erzählen. Dazu gehört auch die besondere Kleidung – die schlichten Umhänge mit dem jeweiligen Wappen der Bruderschaft und die Hüte, die auch das Gesicht verdecken und wie beim Ku-Klux-Klan wie umgekehrte Schultüten aussehen. Sie sollen das Gesicht der Büßer verdecken. Nur bei den Trägern der Pasos zeigen die Hüte nicht steil nach oben. Für einige Büßer ist es bis heute selbstverständlich, dass sie so eine Prozession barfuß und mit dicken, schweren Fußketten begehen. An der größten Prozession, der Donnerstags-Prozession in Palma de Mallorca, nehmen fast 40 Bruderschaften teil.

Das zur Tradition der Setmana Santa - der heiligen Woche.

In diesem Jahr sollte diese Atmosphäre, die durch den Duft und das besondere Licht der Kerzen abgerundet wird, sehr beeinträchtigt werden. Es konnte in diesem Jahr verhindert werden. Aber vielleicht war die letzte, große Donnerstagsprozession, die durch Palma de Mallorca mit Kerzen gegangen ist. Wenige Bruderschaften haben sich schon gebeugt und – haben ihre Kerzen gar nicht angezündet oder durch LED-Lichter ersetzt. Denn: Es hat Beschwerden gegeben. Viele, viele Kinder begleiten die über viele Stunden dauernde Donnerstagsprozession mit kleinen Spachteln oder Wachsballen, mit denen sie bei den Büßern immer wieder von den langen, besonderen Kerzen das flüssige Wachs abnehmen. Natürlich geht mindestens genauso viel daneben und landet auf der Straße. Dieses soll immer wieder zu Unfällen geführt haben. Und darum sollte das Mitführen von Wachskerzen verboten und durch LED-Lichter ersetzt werden. Die Reinigung der Straßen wäre zu teuer! Es konnte noch einmal verhindert werden. Aber wie lange noch? Wird dann der Kerzenduft als künstliche Note mitgetragen – so wie im Supermarkt, wo damit zum Kauf angeregt werden soll? Die zahllosen Kerzen jedenfalls fanden in diesem Jahr auch auf den Pasos eine besondere Beachtung. Möge das Geld für die Reinigung auch in den Folgejahren so da sein, wie das für die Polizeibewachung bei Fußballspielen….
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2 Kommentare
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 03.04.2016 | 22:53  
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Werner Szramka aus Lehrte | 04.04.2016 | 16:42  
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