Ende eines Kunstwerks in Seelze-Süd

Acht Jahre lang zierte das Glaskunstwerk "Verbindungswege" der Künstlerin Valeria Sass den Wendekreis im Süden der Delfter Gracht. Gestern wurde es abgerissen.

Im Jahr 2008 wurde das Kunstwerk aufgestellt und polarisierte schon damals. Zu teuer und zu überflüssig erschien das Werk an diesem Ort. Schließlich war zum damaligen Zeitpunkt weder der Straßenbelag im Baugebiet fertiggestellt, noch waren die Bautätigkeiten abgeschlossen. Ein Beet oder gar eine Tafel mit Namen des Werkes oder der Künstlerin suchte man vergebens. Jahrelang stand es ungepflegt am Rand des unbebauten Feldes und wurde hin und wieder von den Anwohnern freigemäht.
So bot es von Anfang an einen traurigen Anblick sowie Anlass zu Spekulationen. Immer wieder konnte man Radfahrer beobachten, die aus der Ferne eine Landkarte vermuteten und schließlich mit Unverständnis und Verwirrung vor dem Kunstwerk standen.
Kinder hatten Spaß, sich durch das aus zwei Glasscheiben bestehende Werk von beiden Seiten gegenseitig mit nur einem Auge oder ohne Mund zu betrachten. Ansonsten fristete es eher ein trostloses Dasein.

Mit dem Ausbau des Grünstreifens wurde um das Kunstwerk auch endlich ein Beet mit einem Findling angelegt. Nun lag es am Eingang zum Spazierweg. Leider bedeutete der steigende Publikumsverkehr auch gleichzeitig den Anfang vom Ende. Immer wieder wurde es mit Steinen beworfen, stumpfen Gegenständen geschlagen, von Baufahrzeugen gestreift, schlicht und einfach von jeglicher Art des Vandalismus zerstört. Schließlich waren die Schäden so groß, dass die Stadt Seelze sich zum Abbruch entschließen musste.

Nach 8 Jahren "Kultur in Seelze-Süd" benötigte der angerückte Bagger nur ca. 20 Minuten, um das mehrere tausend Euro teure Kunstwerk dem Erdboden gleich zu machen und die Reste in einen Abrisscontainer zu verladen. Das Glas stürzte innerhalb von Sekunden klirrend in sich zusammen, lediglich das Fundament widersetzte sich hartnäckig und brachte fast den Bagger zum Kippen. Schließlich siegte aber die Maschine, und alles was bleibt ist ein Bauzaun, der verhindern soll, dass Passanten in das entstandene Loch zu stürzen.

Über Kunst lässt sich bekanntlich streiten, aber irgendwie hatte man sich an den Anblick der "Verbindungswege" gewöhnt. Nun bleibt abzuwarten, wie man die entstandene Lücke füllt. Sicher nicht mit Kunst...

Ach, und falls Sie zu den Menschen gehören, die rätselnd vor dem Werk standen und sich vielleicht immer noch fragen, was es zu bedeuten hatte - hier des Rätsels Lösung: im Hintergrund waren übereinander gestapelte deutsche Zeitungen zu erkennen, während die roten Linien ein Abbild des Autobahnnetzes in Deutschland darstellten. Verbindungswege eben.
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3 Kommentare
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 04.08.2016 | 18:21  
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Anja Schmidt aus Seelze | 07.08.2016 | 23:54  
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 10.08.2016 | 19:22  
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