Die kleine Dolli erobert das Gennachmoos
Weideprojekt des Landschaftspflegeverbands Landkreis Augsburg geht heuer ins achte Jahr.
Dolli, derzeit jüngstes Mitglied der Gennacher Gallowayherde, ist etwas ganz besonderes! Schon kurz nach ihrer Geburt am 22. April glänzte ihr Fell beigebraun in der Sonne. „Dieser seltene Farbschlag wird dun genannt, was soviel wie blond bedeutet. In unserer schwarzbraunen Herde ist Dolli die erste Blondine“, lacht Hans Lutz. Seit nunmehr sieben Jahren betreut der Landwirt die Mutterkuhherde mit Stier auf den Extensivweiden im Gennachmoos bei Langerringen im Landkreis Augsburg. Die Robustrasse zeichnet sich durch starke Naturinstinkte, gute Futterverwertung und geringes Gewicht aus. Ideale Eigenschaften für die ganzjährige Freilandhaltung auf den Feuchtflächen. Hinzu kommen die große Friedfertigkeit und die überragende Fleischqualität.
„Unsere Galloways erledigen hier hervorragende Arbeit!“ schwärmt auch Hans Merk, der als Vorsitzender des Landschaftspflegeverbands Landkreis Augsburg die Rinderbeweidung als Teil des Gennachmoos-Projekts maßgeblich mit vorantrieb. “Damals sollten zusätzliche Biotope im alten Niedermoor die Vielfalt erhöhen. Gleichförmig bewirtschaftete Wiesen sollten durch zusätzliche landschaftstypische Lebensräume aufgewertet werden.“ Wichtige Partner fand der Verband bei der Gemeinde Langerringen, die sofort acht Hektar Wiesen einbrachte und beim Landesbund für Vogelschutz, der gut ein Hektar beitrug. Naturschutzbehörden an der Regierung von Schwaben und im Landratsamt sorgten für die notwendige Anschubfinanzierung des Pilotprojekts. Für die Umsetzung vor Ort konnte der Gennacher Hans Lutz gewonnen werden. „Ein Glücksgriff und wichtiges Bindeglied zur örtlichen Landwirtschaft“, wie Merk feststellt. Konrad Dobler, 1. Bürgermeister von Langerringen freut sich besonders darüber, dass das Gennachmoos-Projekt inzwischen weit über die Landkreisgrenzen hinaus bekannt ist und zum Positivimage seiner Gemeinde beiträgt. „So ein einzigartiges charaktervolles Stück Natur wie unser Moos hat nicht jeder!“
Zwischenzeitlich entwickelte sich das Projekt äußerst erfolgreich. Heute bewirtschaftet der Landschaftspflegeverband als landwirtschaftlicher Betrieb allein in Gennach über 14 Hektar Rinderweiden. Auch naturschutzfachliche Erfolge stellten sich ein. „Dass seit sechs Jahren der Weißstorch in Gennach brütet und dass die angelegten Feuchtbiotope Raststation und Anziehungspunkt für verschiedenste Vogelarten sind, wissen die meisten. Auch dass sich der Laubfrosch zurückgemeldet hat, merkt man spätestens in lauen Sommernächten, wenn das Quaken bis ins Dorf zu hören ist “, weiß Werner Burkhart, Geschäftsführer beim Landschaftspflegeverband und Projektmanager. Doch Details sind oft nur den Fachleuten bekannt. Wer kennt schon den Warzenbeißer, jene Langfühlerschrecke, die, lange Zeit verschollen, im Rahmen einer wissenschaftlichen Untersuchung wieder im Moos nachgewiesen werden konnte. Auch die Schrecke profitiert von den Kühen, die durch ihr Grasen mosaikartige Vegetationsmuster entstehen lassen. So besteigt der Warzenbeißer gerne hohe Stängel, um dort im Juli sein monotones Lied zu zirpen: zip – zip –zip. Die restliche Zeit hält er sich aber im kurzen Gras in Bodennähe auf. Ob Mehlprimel, Buntes Laichkraut oder Kiebitz. Jede Art hat ihre speziellen Ansprüche. „Man muss sich ständig das Optimum vor Augen führen. Und das heißt größtmögliche Vielfalt an landschaftstypischen Tieren und Pflanzen. Deshalb werden auch in Zukunft die Biotope nach einem ausgeklügelten Mahd-Weide-System bewirtschaftet“. Zur Pflege gehöre auch, dass Feldgehölze und Hecken geschnitten und Sonderstrukturen wie abgestorbenen Bäume erhalten werden; sie dienen Fledermäusen, Höhlen brütenden Vögeln und seltenen Käferarten zu Fortpflanzung.
„Regelmäßig bekomme ich Anfragen von Interessierten, die sich über das Beweidungsmodell informieren möchten. Doch Weiden sind äußerst dynamische Systeme. Immer gibt es neue Entwicklungen. Ständiges beobachten und schnelles Reagieren sind deshalb der Schlüssel zum Erfolg“ weiß Burkhart. „Zu leisten ist dies nur durch intensive Zusammenarbeit aller Beteiligter – und die funktioniert hervorragend“ bescheinigt Hans Merk zufrieden.
Dolli hat sich zwischenzeitlich mit ihrer Mama und den anderen glücklichen Kühen aufgemacht, den Frühling zu entdecken. www.landkreis-augsburg.de/LPV


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