Offene Türen beobachten die aktuelle Entwicklung mit Sorge

Bereits im November des letzten Jahres hat der Verein „Offene Türen – internationaler Treff“ fünf Forderungen für den Umgang mit Asylsuchenden in Schrobenhausen aufgestellt. Zwar hat am 8. Januar einmalig ein runder Tisch getagt, aber weder die dortigen Beschlüsse noch die Forderungen der Offenen Türen wurden bislang umgesetzt.

„Wir sehen die aktuelle Entwicklung mit großer Sorge“, warnt der Vorsitzende Joachim Siegl, „ statt sozialverträglicher, dezentraler Unterbringung in kleinen Einheiten, soll jetzt ein Containerdorf am Stadtrand errichtet werden.“ Während in den umliegenden Gemeinden in den Landkreisen Aichach-Friedberg und Pfaffenhofen überwiegend gute Erfahrungen mit der dezentralen Unterbringung gemacht wurden, wird hier in Schrobenhausen ein sozialer Brennpunkt geplant, der weder den Asylsuchenden noch der einheimischen Bevölkerung gerecht wird.
Wir können nicht erkennen, dass ernsthaft Alternativen gesucht wurden. Eine geplante Informationsveranstaltung für potentielle Vermieter hat nie stattgefunden. Der Verweis auf die Aktivitäten des Landratsamts reicht uns bei weitem nicht aus. Vor allem wenn man das Ergebnis betrachtet. Der Brunnenhof wird mit fadenscheinigem Hinweis auf Immissionsschutz abgelehnt, die leerstehenden Zimmer in der landkreis-eigenen Landwirtschaftsschule spielen ohne wirkliche Begründung plötzlich keine Rolle mehr. Der Umgang mit den möglichen Alternativen legt den Verdacht nahe, dass die Container-Lösung längst beschlossene Sache ist, obwohl absehbar ist, dass sie für ein gedeihliches Zusammenleben mit den Asylsuchenden die schlechtesten Bedingungen schafft. Warum sich die Stadt nicht massiver gegen diese Gefährdung des sozialen Friedens wehrt, bleibt für uns unverständlich. Auch wenn die Unterbringung in die Zuständigkeit des Landkreises fällt, sollte sich die Stadt im Vorfeld für sinnvolle Lösungen einsetzen. Ansonsten wird sie sich mit dem Ärger, den ein Ghetto am Stadtrand mit sich bringt, auseinandersetzen müssen.
Bereits im November haben wir darauf hingewiesen, dass die Zeit bis zur Ankunft der ersten Flüchtlinge genutzt werden sollte, um die Bevölkerung umfassend zu informieren und mögliche Unterstützung zu koordinieren. Wir rechnen - ähnlich wie in den Umlandgemeinden - mit einer großen Bereitschaft, die Not der Flüchtlinge zu lindern und mit Rat und Tat zur Verfügung zu stehen. Immer wieder melden sich bei uns Menschen, die ihre Mithilfe oder Sachspenden anbieten. Wir vertreten weiterhin die Ansicht, dass es Sache der Stadt wäre, solche ehrenamtliche Hilfe zu koordinieren und zu unterstützen. Stattdessen äußert der Bürgermeister in einem Anschreiben an die Teilnehmer des Runden Tischs die Ansicht, dass es nichts zu tun gäbe, solange keine Flüchtlinge in Schrobenhausen angekommen sind.
Hier widersprechen wir entschieden. Wenn Flüchtlinge kommen, brauchen sie sofort Unterstützung. Deshalb unterstützen wir als Mitveranstalter eine Fortbildungsveranstaltung der Schrobenhausener Kolpingfamilie für ehrenamtliche Asyl-Betreuer, die voraussichtlich am 2. Mai stattfinden wird. (Interessenten melden sich unter vorstand@offene-tueren.net) Absehbare Probleme werden nicht durch Abwarten kleiner, sondern dadurch, dass man sich aktiv darauf vorbereitet. Dass die Stadt sich hier wenig vornehm zurückhält und uns Ehrenamtlichen die ganze Last der Aktivitäten aufbürdet, finden wir mehr als bedenklich.
Von einer dezentralen Unterbringung, die – anders als die Lagerunterbringung - nachbarschaftliche Unterstützung aktiviert profitieren alle Beteiligten, die Flüchtlinge, die Bevölkerung und auch die Kommune. Das kann man am Beispiel Hohenwart sehr gut beobachten. Dort hat der Bürgermeister das Anliegen zur Chefsache gemacht und sich massiv engagiert. Eine vergleichbare Prioritätensetzung vermissen wir in Schrobenhausen schmerzlich. Wir fordern die Verantwortlichen nochmals auf, sich für eine sozialverträgliche Unterbringung und eine gute Vorbereitung stark zu machen und so für ein friedliches und harmonisches Miteinander zu sorgen. Wer heute zusieht, wie Probleme geschaffen werden, der wird morgen ein Vielfaches an Aufwand treiben müssen, um sie zu lösen.
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