Der Wahlschein

Kein Buch mit sieben Siegeln


Wir Wählerin und Wähler haben es bei der Kommunalwahl, auf den ersten Blick nicht leicht. Viele Stimmen, das ist im ersten Moment etwas verwirrend. Aber genau das ist ausgesprochen wählerfreundlich.

Im Gegensatz zur Bundestagswahl muss niemand eine Partei oder eine Wählergruppe KOMPLETT annehmen. Vielmehr kann jeder seine Stimme ganz gezielt den einzelnen Bewerberinnen und Bewerbern seines Vertrauens geben. Person geht vor Partei - das macht den Wahlmodus sehr interessant.

So funktioniert's


Bei den Stadtrats- und den Kreistagswahlen haben wir es mit sehr großen Stimmzetteln zu tun. Wir Wähler brauchen davor aber nicht zurückschrecken. Man kann es sich einfach machen und eine komplette Liste einer Partei oder Wählervereinigung ankreuzen.

Besser wählen: Ein wenig mehr Zeit nehmen und quasi einen eigenen Stadtrat oder Kreistag zusammen stellen. Kumulieren und Panaschieren heißen die Zauberworte:

Listenwahl: Auf den Stimmzetteln sind die Wahlvorschläge der Parteien und Wählervereinigungen aufgeführt. Jeder Wähler kann einen Vorschlag unverändert annehmen, indem er ein Kreuz oben auf der Liste macht. Jede Kandidatin oder jeder Kandidat erhält auf dieser Liste eine Stimme - bis die Gesamtstimmenzahl erschöpft ist. Kandidaten, die zweimal aufgeführt sind, erhalten zwei, solche, die dreimal aufgeführt sind, drei Stimmen.

Stimmenzahl: Die Anzahl der Stimmen, die wir vergeben dürfen, entspricht meist der Zahl der Mandate. Sie schwankt bei den Gemeinderatswahlen zwischen acht (bei Gemeinden bis 1000 Einwohnern) und 80 in der Landeshauptstadt München. Bei den Kreistagswahlen hat der Wähler entweder 50, 60 oder 70 Stimmen - je nach Größe des Landkreises. Wieviele Stimmen Sie haben, steht oben auf dem Stimmzettel. Diese Zahl dürfen sie keinesfalls überschreiten!

Kumulieren/Panaschieren: Wie stelle ich mein persönliches Kommunalparlament zusammen? Nehmen wir an, auf Ihrem Stimmzettel steht: "Jeder Wähler hat 24 Stimmen." (Stadtratswahl Schrobenhausen). Dann dürfen Sie maximal 24 Stimmen auf einzelne Kandidaten verteilen. Einzelnen Bewerbern dürfen Sie eine, zwei oder drei Stimmen geben. Das nennt man kumulieren. Dabei müssen Sie sich nicht an eine bestimmte Liste halten. Sie können vielmehr panaschieren, indem Sie Kandidaten von verschiedenen Listen auswählen.

Streichen: Eine weitere Möglichkeit ist, Kandidaten zu streichen. Das empfiehlt sich, wenn man eine Parteienliste ankreuzen möchte, aber eine konkrete Person (oder mehrere) nicht in der Kommunalvertretung haben möchte.

Reststimmen: Wer nicht alle seine Stimmen auf einzelne Kandidaten verteilen oder schlicht auf "Nummer sicher" gehen will, kann zusätzlich eine Liste ankreuzen. Wenn ein Wähler zum Beispiel noch acht Stimmen "übrig" hat, bekommen die ersten acht auf der Liste aufgeführten Kandidaten je eine Stimme. Mit diesem Verfahren kann jeder Wähler sicherstellen, dass keine Stimme verloren geht.
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