AHKW-Cup von Borussia Neunkirchen

Wann? 21.12.2013 12:00 Uhr bis 22.12.2013 00:00 Uhr

Wo? Mühlbachhalle, Schiffweiler DE
Schiffweiler: Mühlbachhalle | Go Borussia
- Weihnachtskolumne von Raimund Eich -

Ende der Fünfziger Jahre, ein paar Tage vor Weihnachten. Wir spielten wie immer auf dem Nachhauseweg von der Schule in einer Seitenstraße Fußball. Damals war das noch möglich, weil kaum Autos fuhren. Je zwei Schulranzen, die wir auf den Boden legten, dienten als Torbegrenzung. Hans-Jürgen und ich saßen als Auswechselspieler auf dem Trottoir. Hans-Jürgen durfte eigentlich nur mitspielen, weil er als einziger einen Fußball hatte, einen mit Gummiblase und Lederschnürband versehenen braungelben Lederball, der schon unzählige Male geflickt war und bei jedem Schuss drohte, den Geist endgültig aufzugeben. Und auch ich durfte immer nur dann ran, wenn ein von den Guten nicht mehr wollte oder konnte. Umso größer war mein Ehrgeiz, diesmal allen zu zeigen, dass auch ich ungeahnte fußballerische Qualitäten besaß. Einen relativ festen Schuss hatte ich zwar, nur in Puncto Ballbeherrschung und Treffsicherheit stand es bei mir leider nicht zum Besten. Als ein Mannschaftskamerad schließlich mit verstauchtem Fuß „vom Feld“ humpelte, stand meinem Einsatz nichts mehr im Wege, und den wollte ich unbedingt mit dem Siegtreffer krönen. Also schnappte ich meinem Gegenspieler den Ball weg und stürmte mit Macht vors gegnerische Tor. Aus zirka zehn Metern zog ich dann voll ab. Mit einer tollkühnen Parade wehrte der Tormann den Ball zwar zur Seite ab, aber der schlug dafür laut scheppernd in einem der alten Sprossenfenster des unscheinbaren kleinen Häuschens ein, in dem ein wortkarger bärtiger Sonderling namens Bernhard hauste, der allen Leuten aus dem Weg ging. Der stand auch kurz darauf mit dem lädierten Ball in der Hand vor der Tür.
„Wer war das von euch Lümmeln?“, fragte er. Kleinlaut hob ich die Hand. „Na, dann geht mal zum Glaser und besorgt mir von eurem Taschengeld eine neue Scheibe. Die Maße habe ich euch aufgeschrieben. Morgen um diese Zeit bringt ihr die Scheibe vorbei, den Ball behalte ich so lange als Pfand“, sprach er, drückte mir einen Zettel mit den Maßen in die Hand, machte auf dem Absatz kehrt und war gleich darauf wieder verschwunden. Mühsam kratzten wir unsere letzten Groschen für eine neue Scheibe zusammen. Am anderen Tag machte sich eine Dreimanndelegation, bestehend aus Hans-Jürgen als Ballbesitzer, aus mir als dem eigentlichen Übeltäter und aus dem Torwart als Mitverursacher mit neuer Scheibe auf den Weg zu Bernhard, der uns schon erwartete.
„Gib mal her, mal sehen, ob sie passt“, brummte er. Das tat sie zum Glück. Nachdem er sie mit kleinen Nägeln am Sprossenrahmen fixiert und eingekittet hatte, drückte er uns den Ball, oder besser gesagt, das, was von ihm noch übrig geblieben war, in die Hand. „Hab´ ihn noch zu flicken versucht, aber da war nichts mehr zu machen“, sagte er, worauf Hans-Jürgen ins Leid fiel und immer wieder „Mein Ball, mein schöner Ball“ schluchzte.
„Hab´ ich befürchtet, wartet mal einen Moment“, nuschelte Bernhard und war gleich darauf im Nebenzimmer verschwunden. Ein paar Minuten später kam er zurück mit einem Fußball in der Hand. „Hier, den könnt´ ihr haben, ich brauche ihn nicht mehr“, sagte er und drückte Hans-Jürgen das Leder in die Hand, der sein Glück überhaupt nicht fassen konnte.
„Wo haben Sie denn den auf einmal her?“, fragte ich erstaunt.
„Ist ´ne lange Geschichte. War vor dem Krieg mal aktiver Fußballer. In Kriegsgefangenschaft bei den Franzosen habe ich mal bei einem Fußballturnier mitgespielt. Als Torschützenkönig durfte ich die Pille behalten. War mein ganzer Stolz. Stecken viele Erinnerungen drin, aber jetzt bin ich einfach zu alt für so einen sentimentalen Kram. Kommt doch an Weihnachten mal alle vorbei, dann erzähle ich euch die Geschichte, und ein paar Tricks mit dem Ball kann ich euch auch noch beibringen.“
So viel am Stück hatte Bernhard schon lange nicht mehr gesprochen. Seine Einladung ließen wir uns natürlich nicht entgehen. Bernhard der Sonderling wurde sogar unser Trainer und Betreuer, mit dem uns bald eine generationenübergreifende Freundschaft verband, die uns so manche fußballerische Straßenschlacht gewinnen ließ.
Warum ich Ihnen diese Geschichte erzähle? Nun, weil ich finde, dass das Faszinierende am Fußball nicht nur Tore, Ergebnisse und Erfolge sind, sondern auch Spaß, Leidenschaft und Teamgeist, die Spieler und Zuschauer gleichermaßen miteinander verbinden.
Ich bin mir sicher, dass gerade der AHKW-Cup, sozusagen als fußballerische Kür jenseits zuweilen verbittert geführter Pflichtspiele hierzu einen wichtigen Beitrag leisten kann. Ich wünsche dem Turnier einen sportlichen und fairen Verlauf ... und dem Veranstalter möglichst wenig zerbrochene Fensterscheiben.

In diesem Sinne:

Go Borussia, zusammen steh'n und Siege seh'n,
Go Borussia, wir lassen 1.000 Fahnen weh'n ...
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