Am Set braucht man vor allem Geduld

Bier und Halma sind Volkssport im Oberharz.
  Sankt Andreasberg: Zum fröhlichen Zecher |

Auf Foto-Safari bei den Dreharbeiten zu Harter Brocken 2

St. Andreasberg. Freitagabend, 18.20 Uhr: Pünktlich erreiche ich die Adresse Am Markt. Es geht um Fotos am Drehset von „Harter Brocken 2“. Wenn ich Glück habe, dann könne ich auch den einen oder anderen Schauspieler kurz sprechen, hatte die Dame aus der Presseabteilung der ARD orakelt.
Die Straße ist abgesperrt. Die ersten Scheinwerfer sind aufgebaut. Alles deutet auf Filmarbeiten hin. Ich stelle mein Auto in der Brauhausstraße ab. Sofort kommt ein Filmmann und weist mich darauf hin, dass ich dort nicht parken könne. Also weiter zum Schwalbenherd. Ich werde an diesem Abend noch viel lernen über St. Andreasberg und seine Straßen.

18.30 Uhr: Der Parksünder-Verscheucher stellt sich als Daniel vor und ist für die Presse zuständig, neben vielem Anderen. Der Kollege von der Goslarschen Zeitung (GZ) ist auch vor Ort, und Daniel macht uns mit den Regeln bekannt. Fotos vom Set jederzeit, Fotos von den Darstellern nur mit deren Einwilligung.
Wir kämen sicher bald zum Zuge, versichert Daniel. Die Dreharbeiten hatten um 13 Uhr begonnen, also stehe man kurz vor der Mittagspause, erklärt er. Nun beginnt das große Warten.

18.40 Uhr: Kein Schauspieler weit und breit, nur running boys, gaffer boys, helping hands und jede Menge Scheinwerfer, Stative und sonstiges Equipment. Also fotografiere ich Scheinwerfer, Stative und sonstiges Equipment.

18.50 Uhr:
Mit dem Kollegen von der GZ übe ich mich in der Disziplin „Orakeln und mutmaßen“. Wir gleichen unser spärliches Wissen ab.
Der erste Darsteller taucht auf. Es ist Lokalmatador Hans-Guenter Scherf. Er spielt wieder den Gastwirt Tony in der Kneipe „Zum fröhlichen Zecher“. Der Name soll wohl ein Scherz sein. Fröhlich und Harz schließen einander aus.
Scherf hat gerade Pause und versorgt uns mit den ersten Informationen. Es sei schon ein dritter Teil in Vorbereitung, weiß er zu berichten.
Er erklärt uns, dass das Haus eins der ältesten im ganzen Ort ist und sogar den großen Brand von 1796 überstanden hat. Dann dreht er ab und überlässt uns unserem Schicksal. Ganz Ex-Bürgermeister plaudert er noch mit einigen Bekannten, die am Set technische Dienstleistungen übernommen haben.

19.05 Uhr: Jetzt habe ich es verstanden. Wenn man am Tag Nachtszenen in einer Kneipe drehen will, dann muss man das Kneipen-Gebäude halt verhüllen, damit es dunkel ist.

19.15 Uhr: Die Sonne verschwindet langsam hinterm Glockenberg, es wird kalt. Die Einheimischen sonnenbaden noch in der Reststrahlung. Die Temperaturen nähern sich derweil dem einstelligen Bereich.
Ich mache eine weitere bahnbrechende Beobachtung: Beim Fernsehen gibt es auffällig viele Raucher.
Ich überlege kurz, ob ich auch wieder anfangen sollte, allein um die Wartezeit zu überbrücken. Doch der Kollege hat nur Gauloises ohne Filter, das will ich mir nicht antun.

19.30 Uhr: Ich habe den Kult-Lada aus der ersten Folge bereits zum dritten Mal abgelichtet. Auch die Filmkulisse der Polizeistation kenne ich aus allen Perspektive, als Bewegung in die Szene kommt.
Daniel ruft „Lunch-Break“. Es ist Drehpause, und die Schauspieler und das Drehteam strömen aus der Kneipe zur Verpflegungsstation. Mittagessen um kurz vor acht, na gut. Mein Arbeitstag ist hoffentlich bald vorbei. Die anderen werden wohl noch bis 23.00 Uhr oder länger arbeiten.
Die Helfer beginnen, die Gebäudeverkleidung abzureißen. Wir dürfen rein und Fotos machen. Hans-Guenter Scherf schlüpft für die Presse wieder in die Rolle des Tonyi. Die Technik hat für dicke Luft am Tresen gesorgt, Fotografieren ist hier nicht einfach. Dort steht ein halbvolles Glas Bier und ein Halma-Brett. Laut Drehbuch sind dies die bevorzugten Freizeitbeschäftigungen im Oberharz.
Eine Phrase, die immer gedroschen wird, wenn vom Harz die Rede ist, lautet “wie aus der Zeit gefallen”. Mit mit Korblampen und Billiardtisch ist diese Kneipe eindeutig aus der Zeit gefalle. Kneipe überhaupt ist aus der Zeit gefallen. Der Harte Brocken ist wohl eine Reise in eine verlorene Zeit, deswegen mögen ihn die Leute so sehr.

19.45 Uhr: Wir stehen wieder draußen und warten, als sich die 1. Aufnahmeleiterin vorstellt. Sie schwärmt vom Ambiente des Ortes und von der Zusammenarbeit.
Aus dem 30-köpfigen Team ist sie die einzige, die schon beim ersten Teil dabei war. Alle anderen bekommen nur Werkverträge. Es gibt lobende Worte über das Ambiente des Ortes, das gefällt der Lokalpresse. Amüsiert erzählt sie, dass die Polizei darafu bestanden hat, deutlich zu machen, dass die echte Polizeistation ganz woanders ist.
Dann bekommen wir noch ein paar “Insider-Infos” zum weiteren Ablauf der Dreharbeiten. Zum Schluss verspricht sie uns, dass die drei Hauptdarsteller gleich für Fotos bereit stehen.

20.00 Uhr: Die Sonne ist fast vollständig verschwunden. Fotografieren wird jetzt schwierig.
Moritz Führmann stellt sich vor. Im Film spielt er wieder den Postboten Heiner und den besten Freund des Helden. Er gerät ins Schwärmen, wenn er vom Harz erzählt. Das gefällt der Lokalpresse. Über einen dritten Teil würde er sich freuen.
Dann kommt auch Hauptdarsteller Stadelmann. Nach sieben Stunden Dreh ist er nicht so gesprächig, verständlich. Wir warten auf die Dame.

20.15 Uhr: Anja Kling ist da. Gegen die kriechende Kälte hat sie einen Mantel übergestreift. Der Kollege von der GZ dirigiert die drei auf der Außentreppe der Polizeistation. Dann macht jeder seine Bilder.

20.20 Uhr: Das Foto ist im Kasten. Ich kann nach Hause fahren. Dort angekommen mache ich mir einen Grog.
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