Ausflugstipp: Der Wasserbaum in Ockensen
Salzhemmendorf: Ockensen |
Phänomen aus Bequemlichkeit oder Naturschauspiel?
106 Jahre ist er alt - und ein echtes Phänomen. Wer den Wasserbaum im Salzhemmendorfer Ortsteil Ockensen das erste Mal sieht, staunt. Eine Laune der Natur? Nein, eher ein von Menschenhänden erschaffenes Naturschauspiel, von dem sowohl die freie Internet-Enzyklopädie Wikipedia (www.wikipedia.org/wiki/Wasserbaum_Ockensen) als auch der Ockenser Carneval-Verein (www.ocv-ockensen.de) berichten.
Der Wasserbaum, der südlich von Salzhemmendorf am Fuße des Iths liegt, sieht in der Tat aus wie ein hohler Baumstamm, der einige Meter in die Höhe ragt - aus ihm sprudelt unablässig klares, kaltes und sehr kalkhaltiges Wasser. Dass er wie ein hochgewachsener Baumstumpf wirkt, liegt an den Moosen - sie haben ihn in vielen Jahren überwachsen.
Doch die Entstehung des Wasserbaums geht laut OCV Ockensen auf den Sägemüller Hermann Meyer zurück. Meyer baute ihnen zufolge im Jahr 1904 im Dorf ein Sägewerk auf. Er benötigte für seinen Betrieb die Wasserkraft - und wollte die Quellen aus dem Ith nutzen. Da er seinen Betrieb nicht über ein Mühlrad aufrecht erhalten wollte, so berichtet der OCV, installierte er in seinem Werk eine Turbine, mit der er Strom erzeugte.
Weil er einen gleichmäßig starken Wasserdruck brauchte, legte er einen Stauteich an, der etwa 250 Meter hinter dem Sägewerk am Ithhang lag. Diesen Teich gibt es bis heute. Da der Turbinendruck abhängig vom Füllstand dieses Teichs war, musste Meyer anfangs laut OCV immer den Hang hinauflaufen, um nachzusehen, ob der Teich ausreichend gefüllt war. Weil ihm dies lästig wurde, erschuf er den Wasserbaum - einst angeblich nur eine quadratische Röhre aus Holzbrettern, unter der im Erdreich ein Überlaufventil verborgen lag. Kam genug Wasser vom Ith herunter, sprudelte das Wasser gut sichtbar aus der Röhre. So konnte er, so berichtet es der Verein, schon von seinem Haus aus sehen, ob genug Wasser für den Betrieb seines Sägewerks vorhanden war.
Von der einst vermutlich so nüchtern anmutenden Überlaufventil-Konstruktion ist heute genauso wenig geblieben wie von dem Sägewerk. Stattdessen hat sich die Natur ihr bemächtigt - und übt zumindest auf mich einen ungeheuren Zauber aus.
Wer noch genauer nachlesen möchte, wie der Wasserbaum entstand und warum, sucht am besten die Homepage des OCV unter www.ocv-ockensen.de auf und wählt den Menüpunkt "Geschichte". Dort gibt es einen ausführlichen Bericht inklusive Liedtexten über den Wasserbaum.
Ich war bereits vor Jahren das erste Mal dort und kann von diesem Ort nicht lassen. Es ist ein faszinierender und reizvoller Besichtigungspunkt, der sich gut und gern mit einem kleinen Ith-Spaziergang auf dem Kamm verbinden lässt. Wie gut man vom Wasserbaum hochwandern kann, weiß ich allerdings bisher nicht. Bisher bin ich aus Bequemlichkeitsgründen um den Ith herumgefahren - mit dem Auto. Auto-Cruising-Freunden kann ich diese Strecke allerdings warm ans Herz legen - es fährt sich unglaublich nett dort, wenn man Zeit hat. Auf dem Kamm gibt es bei schönem Wetter jede Menge Klettersportler zu sehen - darüber hinaus findet man auf dem Ith, genauer auf den Ithwiesen, einen Segelflugplatz von der Luftsportvereinigung Ithwiesen (www.lsv-ith-eschershausen.de), bei dem man - höfliche Distanz vorausgesetzt - und bei korrekter Witterung die Starts und Flüge der kreisenden Segler im Minutentakt verfolgen kann.
Fahrtinfos: Der Routenplaner von google.maps schlägt von Hannover-Mitte bis nach Ockensen drei Routen vor: die B3 über Hemmingen, Pattensen und Nordstemmen, die B217 über Ronnenberg, Wennigsen, Springe und Coppenbrügge oder die B3/B1 über Laatzen, Pattensen, Nordstemmen und Elze. Egal, welche Strecke Ihr wählt, Ihr müsst im Idealfall eine Stunde Fahrzeit einplanen - die Fahrtzeitschätzungen differieren von Hannover-Mitte aus zwischen 57 und 58 Minuten. Die Anschrift für den Wasserbaum lautet (wie sonst): Am Wasserbaum, in Ockensen/Flecken Salzhemmendorf.
Am Ende noch ein paar Impressionen von meinem ersten Besuch in Ockensen, der - unschwer zu erkennen - im Sommer war.
Schaut mal hin - es lohnt sich, wie ich finde.
Beste Grüße,
Petra Zottl





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