Krankengeld: Stopp nach Aktenlage?

Ungereimtheiten bei der Behandlung können bei der Kasse Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit auslösen. Zum Entscheiden, ob das Krankengeld
gestoppt wird, reichen ihr meist die bisherigen Behandlungsunterlagen.
Patienten können dagegen Widerspruch einlegen und zudem vorsorgen.
Heinz P. hat einen schweren Bandscheibenvorfall. Der 42-Jährige wird
fortlaufend krankgeschrieben, nach sechs Wochen bekommt er Krankengeld.
Einige Zeit später meldet sich die Kasse bei ihm: Man habe seinen Fall geprüft
und sei zu dem Schluss gekommen, dass er jetzt wieder arbeitsfähig sei. Ab
kommender Woche bekomme er kein Krankengeld mehr. Herr P. ist entrüstet:
Wie kann die Kasse ihn für gesund erklären, obwohl sein Arzt ihn bislang als
einziger untersucht und immer wieder krankgeschrieben hat?
„Viele Betroffene denken, dass die Versicherung eine extra Untersuchung
braucht, um die Arbeitsunfähigkeit anzuzweifeln“, sagt Elke Gravert von der
hannoverschen Beratungsstelle der Unabhängigen Patientenberatung
Deutschland (UPD). „Tatsächlich ist die Diagnose meist aber gar nicht der
Grund, warum die Kasse die Zahlungen stoppt.“ Auslöser seien oft vielmehr
Ungereimtheiten im Krankheitsverlauf – zum Beispiel dass Beschwerden
auffällig lange anhalten und kaum oder gar nicht behandelt wurden.
Hat die Versicherung entsprechende Zweifel an der Arbeitsunfähigkeit, kann
sie zur Klärung den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK)
einschalten. Dieser darf Untersuchungsergebnisse und Befunde vom
Patienten oder Arzt anfordern und auswerten. Gravert: „Für die Einschätzung,
ob jemand weiterhin arbeitsunfähig ist, wird also auf bestehende
Behandlungsunterlagen und damit die Aktenlage zurückgegriffen, nur in
Ausnahmefällen wird der Patient nochmal untersucht.“
Gegen die Entscheidung der Kasse kann man Widerspruch einlegen und sich
dazu die Stellungnahme des MDK zuschicken lassen. Der Arzt kann zudem
bei der Versicherung ein medizinisches Zweitgutachten beantragen. „Beides
ändert aber nichts daran, dass das Krankengeld erst einmal nicht
weitergezahlt wird“, erklärt Patientenberaterin Gravert.
Damit Patienten gar nicht erst in eine solche Situation geraten, können sie im
Vorfeld aktiv werden – etwa wenn der Hausarzt nur krankschreibt,
Behandlungen oder eine Überweisung zum Facharzt aber ausbleiben.
Gravert: „Ist das der Fall, sollte man den Arzt dringend fragen, wie es
medizinisch weitergehen soll, vor allem wenn sich die Krankheit länger
hinzieht.“
UPD-Tipp: Mehr Informationen zum Krankengeld finden Patienten im
aktuellen UPD-Spezial unter www.patientenberatung.de/krankengeld.
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