Essstörungen nicht in Eigenregie behandeln

Angehörige erkennen die Anzeichen von Magersucht, Bulimie und anderen
Essstörungen meist zuerst. Behandlungen in Eigenregie sind aber nicht
ratsam. Denn hinter diesen Krankheiten stecken oft ernste Probleme.

Seit sechs Monaten verzichtet Meike S. strikt auf kalorienreiches Essen und denkt
nur noch an ihr Gewicht. Die 16-Jährige hat stark abgenommen, alle
Gesprächsversuche wehrt sie ab und sie zieht sich immer mehr zurück. Ihre
Mutter befürchtet den Beginn einer Magersucht und ist ratlos.
„Angehörige bemerken das veränderte Essverhalten und den sozialen Rückzug
meist als erste“, sagt Elke Gravert von der hannoverschen Beratungsstelle der
Unabhängigen Patientenberatung Deutschland (UPD). „Und tatsächlich liegt der
Verdacht auf eine Essstörung nahe, wenn Essen und Gewicht immer mehr das
Leben der Betroffenen bestimmen.“ Der erste Schritt sei dann, offen darüber zu
reden und die Probleme nicht zu verheimlichen. Denn oft stecken ernsthafte
psychische Ursachen dahinter – etwa ein geringes Selbstbewusstsein,
Vernachlässigung oder sogar Missbrauch.
„In so einem Fall ist zudem professionelle Unterstützung sehr wichtig“, so Gravert.
Denn die Erfolgs- und Heilungschancen hängen am Ende stark von der Schwere
und Dauer der Erkrankung ab. Das Problem: Viele Betroffene verstehen nicht,
dass sie schwer krank sind und an Magersucht sogar sterben können.
Trotzdem müssen Familie oder Freunde nicht hilflos zusehen. „Sie können
vielmehr den entscheidenden Anstoß geben, dass Kranke sich am Ende doch
Hilfe suchen“, sagt Gravert. „Eine Möglichkeit ist: die Sorgen um den Anderen
direkt ansprechen.“ In einem zweiten Schritt sei es gut, dass Angehörige sich
genauer über die Krankheit informieren und beraten lassen – sei es direkt vor Ort
in einer Beratungsstelle für Essstörungen, per Telefon oder über das Internet,
wahlweise auch anonym.
Haben die Betroffenen selber den Weg in die Beratung gefunden, wird zunächst
geklärt, ob ihr Essverhalten wirklich gestört ist. Dann vermitteln die Experten
Kontakte zu Hilfsangeboten und Therapiemöglichkeiten. Unterstützen kann der
Besuch von Selbsthilfegruppen. „Seriöse Angebote geben dabei Tipps, wie man
aus der Krankheit aussteigen kann, werden von Fachleuten moderiert und legen
offen, wer hinter dem Angebot steckt“, erklärt die Patientenberaterin.
Der dritte Schritt ist schließlich die psychotherapeutische und medizinische
Behandlung der Essstörung. Das ist oft ambulant möglich und hat den Vorteil,
dass man Angehörige leichter einbeziehen und das Gelernte gleich im Alltag
umsetzen kann. „Eine Ausnahme sind schwierige soziale Umstände oder starke
körperliche Mangelerscheinungen“, sagt Gravert. „Dann kann eine stationäre
Behandlung notwendig sein.“ Die Therapiekosten übernehmen auf Antrag die
Krankenkassen, die Rentenversicherung oder das Sozialamt.
UPD-Tipp: Weitere Informationen zu Essstörungen bekommen Betroffene und
Angehörige bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) über
das Beratungstelefon (0221) 89 20 31 oder unter www.bzga-essstoerungen.de.
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