SPD Ortsverein Stadt Ronnenberg informiert sich über Hörbehinderung

Rolf Erdmann erklärt Rudi Heim die Funktionsweise eines Cochlea-Impalantat

Eine volle Aula, viele störende Hintergrundgeräusche aus dem Publikum durch Flüstern, Stühle rücken oder dem Rascheln von Papier. Dieses Szenario macht es schon Normalhörenden schwer, einem Vortrag intensiv und konzentriert zu folgen. Dass dies für über 13 Millionen Deutsche fast unmöglich ist, schilderte eindrucksvoll am vergangenen Donnerstag der Landesvorsitzende des Deutschen Schwerhörigenbundes Niedersachsen -Rolf Erdmann- dem SPD Ortsvereinsvorstand Stadt Ronnenberg.

13,3 Millionen Menschen in Deutschland sind hörbehindert und gehören damit zu der mit Abstand größten Behindertengruppe. Unter Hörbehinderte sind die sehr verschiedenen Untergruppen wie „Schwerhörige“, „Ertaubte“ und „Gehörlose“ erfasst. Schon zahlenmäßig sind diese Gruppen sehr ungleich. So ist in Deutschland ein Mensch von sechs Personen schwerhörig, einer von 400 Personen ist ertaubt und ein Mensch von 1.000 Personen ist gehörlos. Aber auch in ihren Bedürfnissen und Fähigkeiten sind die Gruppen sehr unterschiedlich. Von Geburt an ertaubte Menschen lernen beispielsweise häufig Gebärdensprache, was für Spätertaubte oder Schwerhörige meistens nicht sinnvoll ist. Gemeinsam haben sie allerdings die Anerkennung als Behinderte und müssen so, nach der UN-Menschenrechtskonvention, ihre durch die Behinderung erlittenen Nachteile ausgeglichen bekommen. Bei Veranstaltungen in Ronnenberg wäre dieser Nachteilsausgleich durch die Nutzung einer so genannten FM-Anlage möglich. Mit dieser werden die Induktionsspulen von Hörgeräteträgern und anderen Hörhilfsmitteln angesprochen. „Der in das Mikrophon gegebene Satz landet dann über den Empfänger direkt im Ohr bzw. Gerät des Betroffenen. Dies ist für Menschen mit Hörbeinträchtigung eine tolle Möglichkeit gerade bei großen Veranstaltungen mit vielen Hintergrundgeräuschen trotzdem den Vortrag mitzubekommen“, stellte Rolf Erdmann dar.
Neben akustischen Demonstrationen einer Hochtontaubheit und eines Tinitus gab Erdmann auch ganz praktische Tipps für den Umgang mit Hörbeeinträchtigten. Hierzu zählt zu nächst klares und deutliches Sprechen. Aber auch eine ausreichende Beleuchtung ist wichtig, damit das Ablesen von den Lippen vereinfacht wird. “Unter Hörgeschädigten gibt es eine klare Ansage: Mach das Licht an, ich kann Dich nicht hören“, erklärte Erdmann augenzwinkernd.
„Nach diesem eindrucksvollen Vortrag wissen wir nun besser, was es heißt eine Hörbehinderung zu haben. Wir werden sicherlich diese Problemlage auch in die Fraktion tragen und überlegen, ob im Rahmen der Haushaltsberatung Mittel für technische Hilfen bei Veranstaltungen eingestellt werden können. Das hier Handlungsbedarf besteht, liegt auf der Hand und die von allen Parteien gewünschte Barrierefreiheit umfasst eben mehr als abgesenkte Bordsteine“, sagte der Ortsvereinsvorsitzende Rudi Heim abschließend.
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