Ein denkwürdiges Jahr

Der Moderator, Prof. Dr. Jörg Hartung bespricht mit der Vorsitzenden des historischen Museums Linderte den Ablauf der Veranstaltung
 
Wilhelm Stenzel, der Nestor und einer der Lyriker des Calenberger Autornekreises fühlt sich sichtlich wohl nach der Lesung
Ronnenberg: Linderte | Sommerlesung des Calenberger Autorenkreises am 19. Juli 2015

Zum 10. Mal versammelten sich die Mitglieder des Calenberger Autorenkreises Linderte am 19. Juli 2015 zu ihrer alljährlichen Sommerlesung, die im Garten der Eheleute Kühn stattfinden sollte, aber kurzfristig in das historische Museum Linderte verlegt wurde, weil der Wettergott sich nicht zu entscheiden konnte, beständigem Sonnenschein zu liefern.
Die zehnte Sommerlesung kann als kleines Jubiläum bezeichnet werden, weil sie passend ins große Jubiläumsjahr des Calenberger Autorenkreises fällt, der in 2015 sein zwanzigjähriges Jubiläum feiert. Es wird also ein doppeltes Jubiläum gefeiert, wobei das Kleine im Schatten des großen Jubiläums kaum zur Kenntnis genommen wurde. Dabei wird manchmal schon bei kleineren Anlässen der Grill angeworfen!
Nun - wir wurden nach der Veranstaltung doch noch mit Kartoffelsalat, Würstchen und selbstgebackenem Kuchen verwöhnt und so gesehen, hob sich dieser besondere 10. Jahrestag etwas von den "normalen Lesungen" ab.
Jörg Hartung führte leicht und locker durch die kurzweiligen anderthalb Stunden. Dabei fiel auf, das er sich diesmal eine vornehme Krawatte umgebunden hatte. Wer glaubte, das geschah aus Respekt vor dem denkwürdigen Doppeljubiläum des Calenberger Autorenkreises, hatte sich geirrt. Er tat dies, wie er sagte - und dabei schmunzelte er - um endlich im würdigem Rahmen der Zuhörer einen Kontrapunkt zu "Cipras und Varoufakis" zu setzen.
Doch zuvor eröffnete die Vorsitzende des historischen Museums Linderte, Birgit Hildebrand, die Veranstaltung und hieß Gäste und Calenberger Autoren herzlich willkommen.
Die vorgetragenen Texte von Ursula Kühn aus Weetzen, Karla Kühn aus Linderte, Inge Hübner aus Empelde und Harald Malz, Springe, bestanden aus einer Mischung nachdenklich machender Texte, Satiren und u.a. einer launigen Betrachtung der Worte "eigentlich und irgendwie." Auch über die Flugeigenschaften eines fliegenden Klaviers wurde berichtet.
Karla Kühn stand - so wie auf dem Foto sichtbar und nachfühlbar - mit leeren Händen da, als ihr eine Seite ihres Textes fehlte, deren Fehlen die Zuhörer mit Heiterkeit quittierten.
Nichts geht verloren. Abhilfe schaffte der PC von Prof. Jörg Hartung, der in seinem elektronischen Hirn pedantisch alle Texte gespeichert hatte.
Die erhobene Hand von Harald Malz lässt die Vermutung entstehen, es handele sich um eine Gerichtsverhandlung mit Schwurhand. Der Eindruck täuscht. Das Foto dokumentiert lediglich sein Temperament, welches bei seiner Schilderung eines fliegenden Klaviers - genauer eines Flügels - über das Deistergebirge mit ihm durchging...
Anfang und Ende der Lesung wurde eingerahmt durch geschickt ausgewählte lyrische Texte der Autoren Wilhelm Stenzel und Jörg Hartung, der neben seiner Moderation auch die Texte von Wilhelm Stenzel einfühlsam vortrug.
Rund fünfundvierzig Zuhörerinnen und Zuhörer lauschten aufmerksam und konzentriert den Referenten.
Nach dem herzlichen Applaus der Literaturliebhaber wiesen Birgit Hildebrand und Jörg Hartung auf die nächsten Veranstaltungen in der Heimatstube Linderte hin:

Am Sonntag, den 20. September 2015, um 17.00 Uhr liest Wolfgang Nieschalk für den Calenberger Autorenkreis über Leben und Werk von Hermann Löns im historischen Museum Linderte.

Jörg Hartung hob die Veranstaltung anlässlich des 20- jährigen Bestehens des Calenberger Autorenkreises im Hotel Steinkrug am 12. September 2015 um 17.00 Uhr besonders hervor, die auch eine öffentliche Lesung einschließt.

Zum Abschluss hier nun jeweils ein Gedicht von Wilhelm Stenzel und Jörg Hartung, die von hohem lyrischen Gespür und Können der Autoren zeugen und die die Lesung der Prosatexte, wie oben schon angedeutet, mit einem Kranz lyrischer Kunst einrahmten und schmückten.

Wilhelm Stenzel:

Sonnenuntergang am Meer

Meeresleuchte, Wolkenbrände,
Feuermale blau gezinkt.
Nebel grauen, Schleier steigen,
Lichterrausch - die Sonne sinkt.

Abendlicht in hellen Streifen
auf den Wellen treibt es her.
Rausch der Ferne, Sog der Tiefe -
Sonnenuntergang am Meer.


©Wilhelm Stenzel, Barsinghausen, 19.07.2015,



Jörg Hartung:

Im Fluge
Ich liebe es mit Dir zu fliegen
und sei es nur für einen Augenblick.
Die Ewigkeiten lassen sich nicht messen
und passen doch in lebenslanges Glück.

Es ist die Zeit, die uns den Bogen gibt,
die scheinbar den Verstand begrenzet,
Am Ende (Entmutigt) unsre Träume tilgt,
die für die Ewigkeit bestimmt sind.

Doch hoch am Himmel streifen wir,
ganz losgelöst von Erdenschwere.
Es gilt nur Dein Gesicht, der Augen Strahlen,
der Düsen Ton, die Unerreichbarkeit im Nichts.

Und unten wechseln rasch die Bilder,
vom Land auf See, von Berg zu Tal.
Tiefschwarze Wolken uns verhüllen
den Tanz der Nachen auf dem rauen Meer.

Und über uns das Reich der Sterne,
unsichtbar blass im tiefen Blau.
Senkt sich die Nacht, so zeigen sie
die Wege auf zur Ewigkeit.

©Jörg Hartung, Gehrden, 19.07.2015


Texte: Wolfgang Nieschalk

Fotos: Wolfgang Nieschalk
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1 Kommentar
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Udo Runge aus Schwienau | 22.07.2015 | 15:35  
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