81 Kurzportrait der Frühgeschichte Ronnenbergs

Jümmer vorwärts, Heimatbund Niedersachsen
 
300 Jahre nach der möglichen Erbauung wurde die Kapelle 1073 urkundlich erwähnt
Ronnenberg: Ronnenberg | Im Vorgriff auf die in Vorbereitung befindliche Ortschronik hat der Heimatbund zur Historie Ronnenbergs einen Auszug zur Drucklegung eines externen naturwissenschaftlichen Werkes beigesteuert, Dieses Portrait stellen wir hiermit der Öffentlichkeit vor.
Der Sachverhalt:
Um ein spirituelles Zentrum der Frühgeschichte auf dem Gips Berg, im Volksmund Tempelberg bzw. Kirchenhügel herum siedelten sesshaft gewordene Menschen in weitem Umkreis. Dies vermuten renommierte Wissenschaftler wohl zu Recht, denn der geistige Mittelpunkt hat sich bis in die heutige Zeit als geistliches Zentrum erhalten. Die bronzezeitlichen Hügelgräber in Sichtweite auf dem Benther Berg stützen diese These. Hier fanden die Ronnenberger Priester mit Blick auf den Tempelberg ihre letzte Ruhestätte.
Der Ortsname entstammt der vorchristlich germanischen Zeit, ab der Zeitenwende ist der Ort archäologisch datiert durchgehend besiedelt, begünstigt auch durch die strategisch wichtige Lage an einer Kreuzung alter Heer- und Handelsstraßen der Frühzeit, u.a. der Fernstraße Hellweg vor dem Santforde mit einer dominanten Straßenstation, belegt seit der Zeitenwende bis ins hohe Mittelalter.
Neben der günstigen Infrastruktur gilt die Existenz von zwei frühchristlichen Gotteshäusern der karolingisch-/sächsischen Zeit auf dem Tempelberg in unmittelbarer Nachbarschaft zueinander als weiteres Indiz für die frühe Bedeutung dieses Ortes. Kirchenhistoriker identifizieren die Bonifatius-Kapelle als die älteste Taufkirche des Calenberger Landes, die z. Z. der Christianisierung als Eigenkirche eines Ronnenberger Rittergeschlechtes erbaut und 1073 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Nach dem 30jährigen Krieg abgebrochen, blieben ein dreiteiliges steinernes Portal, drei Kapitelle und Bausteine erhalten, die in die seinerzeit beschädigte Michaeliskirche eingebaut wurden. Kunstsachverständige schätzen das Alter des Portals auf 1500 bis mindestens 1000 Jahre, während die Bauteile als Merowingisch bis Christlich unterschiedlichen Epochen zugeordnet werden. So erklärt sich dann auch die erhebliche Altersspanne.
Ronnenberg war vor Pattensen Filiale und erstes Archidiakonat des Bistums Minden, ist ab 1542 zentraler Schulplatz (mit der ältesten Schule des Calenberger Landes auf dem Kirchenhügel), Kirchengemeinde und ab 1583 auch Sitz eines gleichnamigen Kirchenkreises. (Ronnenberger Inspektion) Gleichzeitig war der Ort dank eines überkommenen Erbes aus heidnischer Zeit ab dem 10.Jh. Gerichts- und Richtplatz sowie Vogtei zunächst der Schwalenberger Grafen, später des Gehrdener Go mit einem Höhepunkt im 15/16. Jh. als das höchste Calenberger Landgericht für 91 Jahre in Ronnenberg residierte. Weiterhin war Ronnenberg Verwaltungszentrum, Mühlenplatz und Begräbnisplatz der Kirchengemeinde. Die umliegenden Kapellengemeinden waren bis ins 19. Jh. über Kirch- und Totenwege mit der Ronnenberger Zentrale verbunden.
Ob Ronnenberg mit dem von Widukind um 530 belegten Runibergun identisch ist, gilt als umstritten. Aber renommierte Wissenschaftler vertreten und begründen diese These. Während es hier an archäologischen Beweisen mangelt, sind für Berichte namhafter Historiker des 19. Jh. über ein Runiberchen um 800 derzeit die Quellen nicht zugänglich. Dass Ronnenberg auch in dieser, allgemein als dunkel bezeichneten Epoche besiedelt war, ist aber hinlänglich belegt.
Spätestens seit dem 10. Jh. jedoch kann sich der Ort dann auch eine authentische Quelle als Runibergun berufen. Dies bezeugt nunmehr der Zeitzeuge Widukind in Übereistimmung mit den Quedlinburger Annalen. Für Ronnenberg gilt daher das Datum der Veröffentlichung der Sachsengeschichte 968 als Beleg der ersten schriftlichen Erwähnung. Ab dem 11. Jh. war Ronnenberg wiederholt auch Konferenzort hochrangiger Potentaten in Reichsangelegenheiten und Verfassungsort elementarer Urkunden.

Karl-Fr. Seemann
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