SoVD wanderte wieder auf historischen Spuren durch Ronnenberg

  Der Sozialverband Ronnenberg hatte wieder zur Wanderung durch Ronnenberg eingeladen. Hans Mentner hatte sich mit Hilfe von Dokumenten, die der Historiker Matthias Biester freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat, eine interessante Strecke ausgesucht. Der Auftakt war der Besuch der Michaeliskirche. Dazu hatte der Küster, Herr Geiwen, extra die Kirche geöffnet. Das Bauwerk ist eine der ältesten Kirchen im Calenberger Land und wurde mehrfach umgebaut. Der genaue Herstellungszeitraum lässt sich nicht nachweisen. Sie wird urkundlich erstmals 1291 erwähnt. Der Vorgängerbau war die romanische Bonifatiuskapelle, die bereits 1078 nachgewiesen wurde, also zur gleichen Zeit, wie der Ort Runiberc. Unter der Leitung des Hof-baurates Conrad Wilhelm Hase aus Hannover wurde die Michaeliskirche 1876 erheblich umgebaut. 1965 wurde sie renoviert und 2005/2006 erneut restauriert. Die Kirche war der Mittelpunkt des Ortes, um den die Höfe und Gebäude dicht gebaut wurden. Am 14. Mai 1713 zerstörte eine schreckliche Feuersbrunst in kürzester Zeit 90 Gebäude. Diese Katastrophe wurde von einem Jungen verursacht, der gleich nach dem Brand in das Amtsgefängnis auf dem Calenberg bei Schulenburg gebracht und zu ewiger Kerkerhaft verurteilt wurde. Durch das Feuer wurden u.a. auch alle Pfarrgebäude, das Primariatswitwenhaus sowie alle Kirchhöfnerstellen vernichtet. Das Diakonatpfarrwitwenhaus, also das Haus der Witwe des zweiten Pfarrers, wurde nach 1713 wieder aufgebaut und ist heute das älteste Wohngebäude in der Stadt Ronnenberg. Neben diesem Haus wurde 1734 von der Familie von Grote ein Fachwerkbau errichtet, der später vom Heimatforscher Georg Meyer erworben wurde und der dort 1901 die erste Volksbank in Ronnenberg errichtete. Der Ronnenberger Geistliche Burchard Beneken beschrieb im Jahre 1794 die Ronnenberger als äußerst streit- und prozesssüchtig. Es würde schon die geringste Beleidigung oder der kleinste zugefügte Schaden ausreichen, um sie zur Obrigkeit und zur gerichtlichen Klage zu treiben. Der Ronnenberger würde lieber seinen letzten Heller hergeben, als auch nur einen Fingerbreit nachzugeben. In dieser Hinsicht wäre Ronnenberg das böseste Dorf im ganzen Amte Calenberg.
Auf dem Weg zur Pausenstation bei dem Ehepaar Sawien erzählte HM, dass die umliegenden eingepfarrten Dörfer eigene Bereiche auf dem Ronnenberger Kirchhof hatten, auf denen sie ihre Toten beerdigen konnten. Zu diesen Wegen zählten u.a. der Weetzer Kirchweg und der Rolover Kirchweg. Die Gemeinde Linderte benutzte lange Zeit den Weg über das Gut Bettensen, das dem damaligen Gutsbesitzer von Grote gehörte. Dieser stellte jedoch einen Schlagbaum auf und erlaubte die Durchfahrt erst, sobald man das sogenannte Sperrgeld bezahlt hatte. Das führte 1734 zum Eklat, als der Halbmeier Hoppe aus Linderte mit seinem Brautwagen und Fuhrleuten das Sperrgeld nicht zahlen wollte und deshalb den Schlagbaum einfach aufbrach. Daraufhin wurde den Lindertern eine weitere Benutzung des Weges verboten. Diese fuhren dann über Vörie und überquerten den Mühlenhof des Wassermüllers. Aber auch der untersagte den Lindertern 1746 die Benutzung des Weges. Am 1. Dezember 1746 wandten diese sich an den Ronnenberger Superintendenten Gesenius, weil bereits zwei verstorbene unbeerdigt in ihren Häusern lagen. Nach längerem Hin und Her durften letztlich die Linderter ihre Toten auf dem eigenen Kapellenhof beerdigen.
Nach dem Aufglühen im Garten des Ehepaares Sawien wanderten die Teilnehmer
dann zur Lütt Jever Scheune. Das Ehepaar Walde hatte schon den Kaminofen gut angeheizt, sodass es nicht lange dauerte bis alle bei einem Becher Glühwein sich wieder aufgewärmt hatten. Bei dem einen Becher blieb es natürlich nicht, vor allem deshalb nicht, weil auch die Schmalz- und Sülzbrote hervorragend schmeckten. Mit großem Beifall wurde dann Manni mit seinem Akkordeon begrüßt. Renate Mentner hatte sich die Mühe gemacht und etliche Lieder kopiert, sodass alle auch mitsingen konnten. Eine Polonaise durch den Saal animierte einige dazu, auch noch das Tanzbein zu schwingen. So ging dann ein fröhlicher Nachmittag zu Ende.
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