Der Calenberger-Autorenkreis liest im Rodenberger Museum – ein Rückblick

Rodenberg: Museum | Am Sonntag, den 16.2. trugen fünf Autoren des Calenberger Autorenkreises im wunderschönen Ambiente des Museums in Rodenberg aus ihren Texten vor.

Friedrich Pape, vor mittlerweile 19 Jahren Mitbegründer des Autorenkreises, erzählte in seiner Geschichte von einem Wohltäter, der alljährlich in der Vorweihnachtszeit im Milieu von Wohnungslosen nach der Person suchte, die vielleicht doch noch zu retten war. Mit seinen Mitteln und Beziehungen dachte er, könne er den einen oder anderen noch zu redlicher Arbeit und somit zu Glück und einem bestreitbaren Dasein verhelfen. Tatsächlich wurde er in der Scene belächelt. Schnell wurde er fündig. Der, dem ein besseres Leben gebahnt werden sollte, dachte aber nur an einen kurzen Erfolg und keinesfalls daran, auf Dauer schon am frühen Morgen aufstehen zu müssen. Gegenseitige Grenzziehungen und Überschreitungen der Grenzen schienen in Papes Kopf zunächst erdacht, doch schon bald, schien den Zuhörern der allseits existierende Egoismus bei den unterschiedlichen Interessen der beteiligten Personen in der eher einer Parabel ähnlichen Erzählung auf scheinbar ganz belanglose Weise sehr gegenwärtig.

Die dann von Ursula Kühn vorgetragenen Gedichte und Geschichten mit ihren plötzlichen Wendungen sorgten nicht nur für viel Faszination und neben viel Beifall auch der guten Pointen wegen für ausgelassene Fröhlichkeit bei den Besuchern der Veranstaltung. Ursula Kühn verstand es mit ihren Gedichten Ursache und Wirkung in zwischenmenschlichen Beziehungen auf fabelhafte Weise so schön zu überzeichnen und Konsequenzen aus nicht immer angenehmem Gleichklang in Beziehungen, überraschend in Szene zu setzen.

Karlfried Rose hatte zur ersten Lesung im Rodenberger Museum zwei Geschichten und drei Gedichte mitgebracht, von denen besonders die Geschichte „Nacht der Entscheidung“ auf das gespannte Interesse der Zuhörer traf. Die Hauptperson dieser Kurzgeschichte, der am kommenden Tag seinem langjährigen Freund und technischen Leiter seiner mittelständisches Firma das Kündigungsschreiben überreichen muss, erlebt sich im Traum als Scharfrichter eines mittelalterlichen Gerichtes, der das Todesurteil vollstreckt und den Delinquenten enthauptet. Als am nächsten Morgen der durch einen Schicksalsschlag aus der Bahn geworfene Freund vor ihm steht, erlebt er die Situation des Traumes wieder und weiß, „dass er nun töten wird“.

Der vierte in der Runde, der Rodenberger Uwe Märtens, widmete sich auch Rodenberger Themen in humorvoller Weise. Neben freilaufenden Hunden ersann er auch Variationen zum Rodenberger Lied, die keinesfalls dasselbe schelten, sondern bei Verwendung von Auszügen daraus neue Blickwinkel eröffneten. Mit Aussicht auf das nahende Osterfest trug er kurze Gedichte zu diesem Fest vor und wandte sich danach einigen gesellschaftskritischen Texten, wie zum Beispiel den Empfindungen eines Mobbingopfers aus dem Kollegenkreis. Zum Ende hin schenkte er der Milbe in neunhundertfacher Vergrößerung etwas Zeit und warnte davor, diesen Text am Abend zu lesen ...

Als letzter Autor der Veranstaltung am Sonntagnachmittag beschrieb Harald Malz in seiner skurrilen Kurzgeschichte „Ludwig, Alfred und ich“ eine rotweinselige Séance mit Ludwig van Beethoven und Alfred Brendl, der allerdings noch lebt. Der bekannt e Popphilosoph Richard David Precht sah in der darauffolgenden Glosse nicht immer gut aus.

Danach warf Harald Malz den Blick in ein Konzert und auf das redliche Bemühen einer Zuhörerin, ihr Bonbon möglichst geräuschlos ihrer Tasche, dann der Bonbontüte und nicht zuletzt dem Bonbonpapier selbst zu entnehmen. Eine in seinen Details unschlagbar schöne Erzählung, die die Vorstellung der Calenberger Autoren geradezu genussvoll abrundete. Nach gut zwei Stunden nahmen die Gäste noch das eine oder andere Getränk zu sich und es entwickelten sich anregende Gespräche mit den Autoren. Eine rundum abwechslungsreiche und unterhaltsame Veranstaltung, die die Autoren gern in Rodenberg wiederholen werden.

Texte von den Autoren und weiterführende Informationen zu den Veranstaltungen der Calenberger Autoren finden Sie unter www.calenberger-autorenkreis.de.
0
Information zu Weiterempfehlungen Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.