Siegfried Born: Kritik an israelischer Offensive in Gaza Antisemitismus?

Zur Kundgebung gegen militärischen Einsatz Israels.
Linke-Jugend Solid ruft auf, zu protestieren -
Reflexartig wird vor Antisemitismus und Judenhass gewarnt

Kritische Anmerkungen in dieser Sache von Siegfried Born:

Ich bin der Meinung, dass wir Deutschen den Mut haben sollten, die militärischen Aktionen Israels gegen die Menschen im Gaza-Streifen deutlich zu kritisieren, ohne gleich Angst haben zu müssen, von anderen als Antisemit oder gar Judenhasser bezeichnet zu werden. Dabei dürfen wir natürlich nie außer Acht lassen, dass wir Deutschen es waren, die sechs Millionen Juden bewusst in den Tod geschickt haben und diese Gräueltaten nie vergessen. Dennoch: Jetzt zu schweigen und die israelische Politik gut zu heißen, hieße, sich ebenfalls schuldig zu machen. Es ist völlig richtig und auch wichtig, sich zu Wort zu melden und die Bombardierungen sowie den Raketenbeschuss Israels gegen die palästinensische Bevölkerung zu geißeln. Aber es darf auch nicht der Eindruck entstehen, als seien die israelischen Militärs allein an dieser zurzeit sehr eskalierenden Situation Schuld. Auf Aktionen folgen Reaktionen. Wenn es stimmt, was wir den Medien entnehmen konnten, waren drei junge Israelis offenbar von Hamas-Aktivisten getötet worden, woraufhin Israel einen palästinensischen Jungen bei lebendigem Leib verbrannt hatte. Beide Taten sind in höchstem Maße menschenverachtend und sehr schlimm.

Schlimm ist auch die Tatsache, dass jegliche Kritik gegen Israel sofort als Antisemitismus oder Judenfeindlichkeit ausgelegt wird und auch die Presse sich kaum um Objektivität in dieser Sache bemüht. Während dem Staat Israel immer und immer wieder, gerade auch von unserer Bundesregierung, bescheinigt wird, sich „wehren“ zu dürfen und zu müssen, werden die politischen Kräfte im Gaza-Streifen als die hässlichen Judenhasser hingestellt, die ihre Kinder schon dazu anleiten, irgendwann einmal mit einem Sprengstoffgürtel in Tel Aviv in einen Bus einzusteigen und diesen zu zünden, wenn möglichst viele israelische Menschen den Bus bestiegen haben. Sicherlich werden beide Sichtweisen irgendwie mehr oder minder zutreffen.

Was wir jetzt brauchen ist aber militärische Zurückhaltung auf beiden Seiten: Keine Raketen mehr aus dem Gazastreifen auf israelischen Boden und keine Bombardierungen und Raketenbeschießungen von israelischem Boden gegen das palästinensische Volk. Und schon gar keine israelischen Bodentruppen, die jetzt einmarschiert sind und einen Häuserkampf begonnen haben.

Ich will ja gerne glauben, dass die israelische Führung zum Waffenstillstand bereit ist, aber mit Benjamin Netanjahu an der Spitze schwindet mein Glaube. Und auf der anderen Seite sind es die radikalen Hamasführer, die lieber in Kauf nehmen, von einer Rakete der Israelis getroffen zu werden und den Tod zu finden, als die Waffen schweigen zu lassen. Zudem kommen die ultrarechten orthodoxen Juden, die zu keinerlei Zugeständnissen ihren Nachbarn gegenüber bereit sind und sogar ihre Siedlungen dort errichten, wo sie nicht bauen dürfen. Übrigens sind dies die gleichen Menschen, die in der Knesset durchsetzen wollen, dass es in Bussen zwei Einsteigetüren gibt, um die männlichen von den weiblichen Fahrgästen strikt zu trennen.

Die Demonstration in Essen verstehe ich als Wachrütteln gegen das Töten von Menschen sowohl durch israelische Militärs als auch durch Aktivisten der Hamas und nicht als äußerliches Zeichen des Antisemitismus. Dass es jetzt zu Trittbrettfahrern kommen wird aus dem Lager der Neonazis und der Islamisten, ist ganz klar. Sich jetzt aber zu verstecken und als Deutscher besser nicht an der Demo teilzunehmen, halte ich für falsch.

Siegfried Born

Bürgerreporter:in:

Dietrich Stahlbaum aus Recklinghausen

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