Ein Abend für Willi

Christine Sommer liest aus dem Buch über Willi (Foto: Holm Schüler)
 
Mehdi Noeh Khan bedankte sich bei Christine Sommer und den drei Schülern und überreichte ihnen Präsente (Foto: Holm Schüler)
Am 8. Oktober fand im Fritz-Husemann-Haus ein bunter Abend statt, in dessen Mittelpunkt Willi stand. Willi – sein richtiger Name ist Vilim Vehauc (1938 – 2010) – war Recklinghausens berühmtester Stadtstreicher. Dies lag an seinen Tätigkeiten, die überhaupt nicht in das voreingenommene Bild passen, das sich die meisten Menschen von Stadtstreichern machen. Nachdem Willi – er war Bergmann – unter Tage verschüttet wurde und sich später seine Frau von ihm trennte, machte Willi die Platte, d. h. er wurde obdachlos. Nun fand sich Willi zwar damit ab, draußen zu übernachten, dennoch wurde er aktiv und engagierte sich sehr für seine neue Heimat – Recklinghausen. Vielen Kunden der Innenstadt machte er die Kaufhaustüren auf, ohne zu betteln. Die Menschen bedankten sich für diesen Dienst und gaben Willi Geld bzw. manchmal etwas zum Essen oder zum Rauchen. Dabei fiel er auf, denn Willi roch zwar nach Zigaretten, die er zahlreich rauchte, doch nie nach Alkohol. Dieser Service in der Innenstadt war aber nicht seine einzige Tätigkeit, denn Willi wurde Recklinghausens bekanntester Müllsammler. Sein Tätigkeitsfeld war der Zentralfriedhof im Stadtteil Hillerheide. Hier sortierte und sammelte Willi eifrig Verkaufsverpackungen in hunderten gelben Säcken, die dann von den Mitarbeitern der städtischen Entsorgungsbetriebe abgeholt wurden. Der Umweltschutz lag Willi am Herzen, wobei Willi mehr ein Mensch der Tat als der Worte war. Das heißt aber nicht, dass er nicht seine Ideen einbrachte. Hierzu gehörte u. a. das Anpflanzen von Bäumen in seiner Stadt. Dafür sammelte Willi Kastanien und Eicheln. Neben dem Tabak kaufte Willi mit dem Geld, das ihm die Menschen gaben, auch Erde, damit die Bäume gut gedeihen. Diese Ideen nannte er den Ratsmitgliedern und dem damaligen Bürgermeister Jochen Welt. Für dieses vorbildliche Verhalten wurde Vilim Vehauc am 3. Februar 2012 von der Lokalen Agenda 21 gesondert geehrt, da man posthum nicht den Recklinghäuser Agendapreis verleihen will. Eine Ehrung zu Lebzeiten hätte Willi wahrscheinlich abgelehnt, da er sich nicht in den Mittelpunkt sehen wollte.

Der Abend für Willi bestand aus Lesungen, Filmvorführungen, Reden und musikalischen Darbietungen, denen die zahlreichen Gäste an Tischgruppen in angenehmer Atmosphäre lauschten. Aus dem Buch „Vilim „Willi“ Vehauc Ein Mann ohne Raum, aber nicht ohne Ziel“ lasen die Schauspielerin Christine Sommer sowie Martina Moskau-Ruhnau (SPD-Ratsfrau) und Sieglind Schiwek (Bürgerin aus Hillerheide) – beide schrieben im Buch über ihre Begegnungen mit Willi. Drei Filme, die der WDR über Willi drehte, wurden gezeigt. Drei Schüler der Otto-Burrmeister-Schule, einer Realschule aus dem Stadtteil Hillerheide, lasen ihre Briefe an Willi vor. Bernhard Lübbering (Pfarrer i. R. der Gastkirche) erzählte über seine Begegnungen mit Willi und erwähnte auch die vorangegangenen Gedenkveranstaltungen für Willi. Anschließend überreichte Holm Schüler vom Haus des Kirchenkreises (Evangelische Kirche) Pfarrer Lübbering einen symbolischen Scheck in Höhe von 1000 €, den Einnahmen der bisher verkauften Bücher. Das Geld kommt wie der gesamte Verkaufspreis (das Buch kostet 8 €) dem Projekt „Menschen der Straße“ der Gastkirche zugute. Holger Freitag (Vorsitzender der Ratsfraktion Bündnis 90 Die Grünen) sprach über den Umweltpreis „Der Willi“, der an das Ehrenmitglied seiner Ratsfraktion Vilim Vehauc erinnert. Der Preis richtet sich an Kinder und Jugendliche bis zu einem Alter von 16 Jahren. Er wurde vom seiner Fraktion in diesem Jahr erstmalig verliehen. Zwischen den Wortbeiträgen und Filmen trug die Cellistin Barbara Marreck passende, besinnliche Stücke vor. Zum Abschluss bedankte sich Mehdi Noeh Khan bei Christine Sommer und den drei Schülern und überreichte ihnen Präsente.
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