Singen geht immer, egal wo man ist...

Gemeinsames Stimmbildungsseminar des Sängerkreis Wohratal und Sängerbund Kurhessen am 23. November in Ernsthausen

"Der Kuckuck war gut und das Warm-Up am Anfang war intensiver als im normalen Chor", erwiderte Niklas Bolz auf die Frage was ihm am Stimmbildungsseminar besonders gut gefallen hatte. Niklas Bolz und sein Freund Jan Fisbeck sind zu ersten Mal bei einem Stimmbildungsseminar dabei. Sie kommen beide aus dem Jugendchor Erksdorf. Niklas ist 16 Jahre alt und singt seit er 3 Jahre alt ist. Er treibt gerne Sport, da man dabei wunderbar Musik hören und vor allem laut mitsingen kann. Sein Opa und seine Mutter singen im Erwachsenenchor. Die Musikauswahl im Erwachsenenchor spielt für ihn eine große Rolle um dort mitzusingen. Er liebt Popmusik. Jan Fisbeck ist 14 Jahre alt und singt seit 1 1/2 Jahren, er spielt Gitarre und ist der Meinung "Singen geht immer, egal wo man ist, man hat einfach Spaß dabei". Er bezeichnet den Jugendchor als eine Art Freundeskreis, in dem man sich trifft und gute Laune haben will.
Beide gehören zu den jüngsten Teilnehmern beim Stimmbildungsseminar am 23. November in Ernsthausen. Die Alterstruktur ist sehr ausgewogen, die Frauen sind ein wenig in der Überzahl. Seit einigen Jahren findet immer Mitte November ein gemeinsames Stimmbildungsseminar für interessierte Sänger(innen), sowie für Chorleiter(innen) des Sängerbundes Kurhessen und des Sängerkreises Wohratal und der Chorleiterschule Marburg statt. Bei der Organisation wechseln sich die Sängerkreise ab. Philipp Imhof, stellvertretender Kreischorleiter, hatte dieses Seminar vorbereitet. Durch intensives Werben in den Chören erschienen in diesem Jahr 110 Interessierte, sogar Sängerinnen aus einem ganz anderen Sängerkreis waren zu Gast. So groß war der Zuspruch noch nie gewesen und die Erwartungshaltung an den Referenten war ebenso hoch. Harald Jers, Referent des Seminars, ist nicht nur Chorleiter einiger namhafter Chöre im In- und Ausland, sondern auch Physiker. Und so macht er nicht nur musikalisch von sich reden, sondern hat Forschungsaufträge in York (England), Stockholm (Schweden) und in Aachen. Sein Schwerpunkt liegt in der Raum- und Chorakustik. Bei seinen Seminaren kombiniert er Physik und Musik sehr anschaulich an verschiedenen Beispielen. Dabei zeigt er zu Beginn den Teilnehmern wie sich die Grundtöne und die Obertöne anhand von verschiedenen Vokalen in Hertz darstellen lassen. Die Seminarteilnehmer werden bei diesem theoretischen Teil mit eingebunden. Ob mit einem Frage/Antwort Spiel oder als Versuchsobjekt. Er erklärt die wichtigsten Grundlagen in einem Chor. Gleiches Tempo, gemeinsames Anfangen und Enden und vor allem soll der Sänger selbst das Problem des Sehens und Gesehenwerden, lösen. Immer wieder zeigt er den Teilnehmern auf, wie wichtig der visuelle Kontakt mit dem Chorleiter ist und wie sehr eine Qualitätssteigerung des Chorgesang nur Konzentration zu erreichen sei. Notenblätter sind beim ihm in erster Line einmal unwichtig, vielmehr soll der Chorsänger gut zuhören, denn: Ein Sänger kann auch nur durch Hören neue Stücke lernen. Im zweiten Teil des Seminars erklärt er an ausgewählten Musikstücken wie sich Mundhöhle und Gaumen auf die Vokale einstellen können. Die Teilnehmer erfahren wie man mit möglichst wenig Kraftaufwand entspannt singen kann. Niklas erklärt es so: "Dass die Zunge arbeiten muss, ohne den Kiefer zu bewegen, fand ich interessant." Und so war die letzte Stunde der Veranstaltung für die Sänger und Sängerinnen der aktivere Teil. Die Musikstücke auf die näher eingegangen wurde, waren alle sehr unterschiedlich, nicht nur in der Sprache, sondern auch im Genre. Niklas und Jan waren sich einig: Ave Maria, ein Stück bei dem die Frauenstimmen "gebetsmäßig" einen Sprechgesang im eigenen Tempo haben und die Männerstimmen die Melodie singen, gefiel ihnen gut. Besonders peppig empfanden die beiden das Volkslied "Kuckuck, Kuckuck ruft's aus dem Wald", denn der Musiksatz wurde in einen Calypso umgewandelt.
Nach dreieinhalb Stunden hoher Aufmerksamkeit und Konzentration ist das Seminar zu Ende und die Teilnehmer können aus der Fülle der Informationen und Übungen das herausfiltern was ihnen wichtig erscheint. Für Niklas sind es die Stimmübungen.
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