Die Mär vom raschen S4-Ausbau: Bahn und Staatsregierung tanzen Pendlern auf der Nase herum

Im Mai kam unter den S4-Pendlern Hoffnung auf. Bayerns Verkehrsminister Joachim Herrmann ließ sich auf eine S-Bahnfahrt von Fürstenfeldbruck nach München in der morgendlichen Hauptverkehrszeit ein. In der anschließenden Pressekonferenz verkündet Herrmann den schnellstmöglichen 3-gleisigen Ausbau der Strecke zwischen Pasing und Eichenau. Jüngst informierte DB Netze und die S-Bahn München über das Ausbauprojekt (SZ, 2.10.2014:). Von einem raschen Ausbau kann überhaupt keine Rede sein! Der Vertreter von Deutschen Bahn kann weder einen Zeitplan, noch einen Kostenrahmen und schon gar keine Finanzierungsperspektive nennen. Was hat eigentlich die von Herrmanns Vorgänger Martin Zeil im März 2012 eingesetzte Arbeitsgruppe die ganze Zeit gemacht? Hat Herrmann den Pendlern wie die lange Kette seiner Vorgänger erneut einen Bären aufgebunden?

Endlose Kette von leeren Versprechungen

Leere Versprechungen sind sich die Pendler der mit 35 Kilometern längsten zweigleisigen Mischverkehrsstrecke im Münchner S-Bahn-Netz zwischen Pasing und Geltendorf gewöhnt. 1997 verspricht Bayern ex-Verkehrsminister Otto Wiesheu in einem Interview mit der SZ, der 10-Minutentakt auf der S4-West würde spätestens 2001 eingeführt. 2004 kündigt Wiesheu den viergleisigen Ausbau plötzlich bis ca. 2009 an, noch vor der Fertigstellung der Zweiten Stammstrecke. Im MVV-Verbundbericht 2006 wird berichtet, daß die Bahn mit der Entwurfs- und Genehmigungsplanung begonnen hätte. Im November 2010 dann die Hiobsbotschaft, der 4-gleisige Ausbau der S4-West ist aus dem Fördertopf des Bundes (GVFG) für S-Bahnprojekte gestrichen worden. Erst nach Protesten von Bürgermeistern und der Bürgerinitiative S4-Ausbau jetzt, welche eine von über 8‘000 Pendlern unterschriebene Massenpetition im Landtag einreichte, wird im März 2012 ein Nutzen-Kosten-Gutachten zum S4-Ausbau veröffentlicht. Obwohl Martin Zeil dieses Gutachten im März 2012 mit dem Titel „Die Tür zum Ausbau ist geöffnet“ präsentiert, werden damit keinesfalls die nächsten Planungsschritte eingeleitet, sondern Herr Zeil setzte eine Arbeitsgruppe ein, welche das Nutzen-Kosten-Verhältnis optimieren sollte.

Hoffnungsträger Joachim Herrmann

Nachdem der neue bayerische Verkehrsminister Joachim Herrmann im Herbst 2013 ins Amt eingesetzt wurde, verbreitete sich die Hoffnung, daß mehr Elan in den S4-Ausbau käme. Eine seiner ersten Amtshandlungen war jedoch, daß er die für Ende 2013 versprochenen Ergebnisse der Arbeitsgruppe auf Frühjahr 2014 verschob. Als im Mai 2014 Joachim Herrmann nach einer S-Bahnfahrt von Fürstenfeldbruck nach München den schnellstmöglichen S4-Ausbau versprach keimte Hoffnung auf, daß die unendliche Geschichte der leeren Versprechungen mit einem absehbaren Baubeginn zu Ende käme. Hermann: "Ich erwarte von der Deutschen Bahn, daß sie rasch einen Zeitplan für den Streckenausbau vorlegt und die Planungen vorantreibt“.

Bahn zeigt jedoch überhaupt keine Eile

Wieder sind fünf Monate vergangen, und noch immer kann die Bahn (DB Netze) weder einen Zeitplan, noch Angaben zu den Kosten geschweige denn zur Finanzierung machen. Auf der letzten Liste zum GVFG 2013-2017 war der S4-Ausbau nicht enthalten, und die neue GVFG-Liste 2014-2018, welche bereits seit August vorhanden ist, wird der Öffentlichkeit vorenthalten. 2019 läuft das GVFG bekanntlich aus, und dann ist der Zug für den S4-Ausbau wohl abgefahren. Harald Strasser von DB Netze ist gemäß SZ-Bericht "...für die Planung der langfristigen Struktur zuständig". Heißt das, daß die Pendler nochmals um 20 Jahre vertröstet werden?

Wenn Joachim Herrmann seine Glaubwürdigkeit nicht verlieren will, muß er nun unverzüglich ein Machtwort gegenüber der Deutschen Bahn sprechen, sonst war seine Presseerklärung vom 13.5.2014 das Papier nicht wert.
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