Im Portrait: Claudia Jung - Vom unterhaltenden Gesang zur politischen Rede

Claudia Jung ist besonders ihre Familie wichtig - mehr als alles andere.
 
Schlagersängerin Claudia Jung kandidiert für die Freien Wähler für den Landtag.
 
Trotz vollem Terminkalender souverän und witzig
Sängerin, Politikerin und Mutter – Claudia Jung ist gleich auf mehreren Bühnen erfolgreich. Seit über zwanzig Jahren gehört sie zu den Top-Stars des deutschen Schlagers. Ihre Hits brachten ihr viele Musikpreise wie die Goldene Stimmgabel, den Fred-Jay-Preis und zweimal den begehrten ECHO. Am 28. September 2008 kandidiert die Schlagersängerin bei der Landtagswahl in Bayern für die Freien Wähler.

Die 44-jährige Künstlerin hangelt sich von einem Termin zum nächsten. Ihr Kalender ist voll. Im März 2008 wurde sie in den Gemeinderat und in den Kreistag gewählt. Von Stress ist bei ihr aber keine Spur. Sie lächelt und wirkt sehr lebenslustig. Seit einigen Jahren engagiert sich die Schlagersängerin in der kommunalen Politik. Aber wieso eigentlich? „So blöd das klingen mag – das ist eine Altersfrage“, erzählt sie munter drauf los. „Seit ich eine Familie habe und auf dem Land lebe, da habe ich mehr Kontakt zu anderen Familien und bekomme viele Probleme mit.“ Der politische Erfolg kam nicht ganz plötzlich: Seit 2000 wohnt sie mit ihrem Mann und ihrer Tochter in Gerolsbach im Landkreis Pfaffenhofen. Claudia Jung wollte ein Teil der Gemeinde werden. Nicht ganz leicht als bekannter Schlagerstar. „Die Skepsis war groß“, erzählt sie. „Nachdem die Menschen hier gesehen haben, dass ich nicht die ausgeflippte Tante bin, haben sie mich als Teil hier angenommen.“ 2002 kandidierte sie zum ersten Mal für die Christliche Wähler Gemeinschaft (CWG) – einer Abspaltung der CSU. Sie verfehlte den Gemeinderat damals nur knapp. Dieses Jahr hat es dann geklappt und schon gilt sie als Hoffnungsträger für die Freien Wähler bei den Landtagswahlen. Unter Druck fühlt sie sich aber nicht gesetzt. „Ich habe in den letzten 25 Jahren auf der Bühne gelernt mit Erfolgsdruck umzugehen.“ Dann fügt sie an: „Mein oberstes Ziel ist, dass die Freien Wähler die 5-Prozent-Hürde knacken und in den Landtag einziehen. Und wenn ich den Sprung auch noch schaffe, dann wäre das natürlich perfekt.“ Nervös wird sie eher bei politischen Reden. Ein ungewohntes Gefühl, dass die erfahrene Sängerin von sich selbst schon gar nicht mehr kennt: „Das ist eine völlig andere Form von Lampenfieber mit dem ich noch nicht umgehen kann.“

Claudia Jung hat ihre politischen Schwerpunkte in Familien-, Bildungs- und Gesundheitsthemen gefunden. Sie setzt sich deswegen für Befreiung von Studiengebühren und für gebührenfreie Kindergärten ein. „Bildung darf nie eine Frage des Geldbeutels sein.“ Als Mutter einer 11-jährigen Tochter bekommt sie mit, wo Handlungsbedarf an Schulen besteht. Allein in dem langen Schulweg von Gerolsbach nach Schrobenhausen sieht die Mutter Besserungsbedarf. Sie fordert mehr Ganztagsschulen „an denen die Kinder erst um 16 Uhr nach Hause kommen, nachdem sie ihre Hausaufgaben mit Betreuung erledigt haben, denn dann wäre Familie wieder Familie.“ Die Familien müssen entlastet werden. Aber auch auf die Probleme anderer hört sie und macht sie zu ihrem Programm.

Claudia Jung wohnt mit ihrer Familie auf einem Bauernhof mit vielen Tieren: Hühner, Pferde, Schweine und mehr. Die Familie lebt aber vegetarisch und deren Tiere enden auch nicht in der Pfanne von jemand anderen. Der Grund aufs Land zu ziehen ist einfach erklärt: In München Tiere zu halten gestaltete sich als schwierig und immer weite Strecken zu ihren Pferden zu fahren strengte auf Dauer an. „Mein Traum war immer selbst was auf dem Land zu haben und schon morgens beim Frühstück die Pferde auf der Weide zu sehen.“

Für die meisten bleibt bei aller Politik Claudia Jung aber die große Dame des deutschen Schlagers – und das wird auch so bleiben. Sie lebt für die Musik und möchte ihre finanzielle Unabhängigkeit bewahren, um mit ganzen Herzen Politik machen zu können. Kürzlich hat sie erst ihren Vertrag verlängert und kann ihren Fans versichern, dass es somit jedes Jahr ein neues Album geben wird. Außerdem wird sie weiterhin ihre Galas und die ein oder andere Tournee machen. Was unterscheidet die Arbeit mit der Musik von der mit der Politik? „Zum FOCUS-Magazin habe ich vor ein paar Monaten gesagt, dass Show-Business und Politik nichts miteinander zu tun haben“, erzählt sie lebendig. „Inzwischen muss ich sagen, dass das doch viel miteinander gemeinsam hat, da man medienpräsent ist und die Öffentlichkeit alles kritisch betrachtet. Der große Unterschied ist aber, dass ein Konzert Balsam für die Seele ist. Da kommen Fans, die mich sehen wollen. Die politische Bühne dagegen ist kräftezehrend, weil man kämpfen muss.“

Ihr Mann produziert ihre Platten. Bei der Frage, wer bei der Musik mehr zu sagen hat lacht sie. „Da geht es um Kompromisse. Es gibt Situationen, wo er beharrt: ‚Das will ich jetzt aber so!’ Und es gibt Situationen, in denen ich ihm erkläre: ‚Kann alles sein, was du sagst, aber ich will das nicht!’ Wenn es um grundlegende Dinge geht, muss der Künstler die Entscheidung treffen. Gerade bei Texten muss ich das auf der Bühne präsentieren und überzeugend darbieten.“

Im Herbst spielt Claudia Jung an der Seite von Sascha Hehn in der ARD-Produktion „Das Musikhotel am Wolfgangsee“. „Von der Schauspielerei träume ich schon seit 20 Jahren“, gibt sie mit strahlenden Augen zu. Das Angebot kam wegen der Politik in einer recht stressigen Zeit, aber da konnte sie nicht nein sagen. Abgedreht ist der Film inzwischen schon. Geplant ist „Musikhotel“ als Mehrteiler mit zwei Folgen pro Jahr in Spielfilmlänge. Das Konzept orientiert sich an Filmen mit Peter Alexander, also eine Mischung aus Gesang und gesprochenen Textpassagen.

Bei all den Terminen bietet sich die Frage an, ob es Grenzen gibt, um mal Ruhe zu haben? „Manchmal muss ich auf Termine verzichten, dann fühle ich mich wie ein Dieb, aber wenn es dazu dient, dass ich mich um meine Familie kümmere, hat das durchaus seinen Sinn“ Dann fügt sie lächelnd an: „Die Familie steht über allem.“


Termine:
24. Oktober das neue Album
28. September Landtagswahl
18. Oktober „Das Musikhotel am Wolfgangsee“, 20.15 Uhr auf ARD, ORF2 und SF1


Link: Musikhotel
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6 Kommentare zum Beitrag
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Ursula Schriemer aus Greifenberg am 19.08.2008 um 22:06 Uhr  
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Helmut Nimsgern aus Günzburg am 20.08.2008 um 10:21 Uhr  
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