Azoren – Paradies für Wal- und Delfinbegeisterte

Gewöhnliche Delfine vor den Azoren
 
Vulkan Pico auf Pico
 
Rundkopfdelfin
 
Bela Vista in Lajes
   
Doris Thomas und Camilo Costa (Bela Vista) (Foto: Bela Vista)
   
Doris Thomas (Foto: mit freundlicher Genehmigung)

Immer mehr rückt das Thema „Wale und Delfine“ in den Fokus der Öffentlichkeit. Sei es durch Aktionen gegen Walfang, Demonstrationen gegen die Haltung von Delfinen oder gar durch Kinofilme. In der Vergangenheit war es der mit einem Oscar prämierte Film „Die Bucht“, der den Zusammenhang zwischen Delfintötungen in Japan und dem Handel mit Delfinen für Delfinarien aufdeckte. Im November 2013 läuft in den deutschen Kinos die Dokumentation „Blackfish“ an. Hier wird gnadenlos hinter die Kulissen der vermeintlich heilen Welt des weltweit größten Delfinariumbetreibers geschaut und Dinge aufgedeckt, die vielen Besuchern solcher Einrichtungen sicher die Sprache verschlagen werden. Dass nach dem Film manche ihre Jahreskarten zurückgegeben haben, ist recht vielsagend und macht Hoffnung.

Dabei gibt es auf der Welt so viele Möglichkeiten, die Meeressäuger in freier Wildbahn zu bewundern. „Wo denn?“ mögen sich nun viel fragen.
Einen der möglichen Ort durfte ich zum wiederholten Male besuchen und möchte ihn allen Interessierten wärmstens ans Herz legen: Die Azoren.

Erdgeschichtlich sehr jung bestehen die Azoren aus neun Inseln. Sie gehören zu Portugal und liegen weit draußen im Atlantik, 1369 km vom Festland entfernt. Viele kennen die Azoren aus dem Wetterbericht, wenn vom „Azorenhoch“ gesprochen wird. Daraus sollte man jedoch nicht den falschen Schluss ziehen, dass auf den Inseln immer schönes Wetter ist. Aufgrund der Lage weitab von jedem Festland ändern sich die Witterungsbedingungen manchmal extrem schnell, durch die Position im Goldstrom herrscht jedoch das ganze Jahr eher ein gemäßigtes Klima. Der Sommer ist meist nicht so heiß, der Winter bei Temperaturen um 17 Grad dagegen oft feucht und windig. Das Frühjahr und der Sommer locken mit einer Blütenpracht und der Herbst mit einem herrlich warmen Wasser.

Meine Reise führte mich im September 2013 zuerst zwei Wochen auf die Insel Pico, deren gleichnamiger Vulkan mit 2351 Metern zugleich Portugals höchster Berg ist. Mit 447 km2 ist Pico die zweitgrößte Insel der Azoren. Man erreicht sie entweder über den Flughafen Horta auf der Nachbarinsel Faial, von wo man dann die Fähre nach Pico (Madalena) nehmen muss, oder man landet gleich auf dem kleinen Flughafen von Pico.

Landschaftlich bietet Pico diverse tolle Wandertouren, wobei der Aufstieg auf den Vulkan natürlich als Highlight gilt. Leider habe ich das noch nie in Angriff genommen, da ich meist auf oder im Wasser bin. Der Vulkan ist für die Augen wie ein Magnet. Alleine mit Fotos vom Pico könnte ich mehrere Fotoalben füllen. Die Insel Pico war noch bis 1987 ein Ort, wo die die Wale viel zu befürchten hatten, denn die Inselbewohner jagten, sozusagen nebenberuflich, die mächtigen Pottwale. Die Erinnerung an diese Zeit bewahren Museen in Sao Roque und Lajes. Die Menschen sind dort stolz auf diese Vergangenheit. Da die Walfangzeiten vorbei sind, sehe ich diese Art von Verehrung alter Zeiten relativ gelassen. Die Kenntnisse über die Lebensweise und das Verhalten der Wale kommt nun der Walbeobachtung zugute. So leitet manchmal der gleiche Mann die Walbeobachtungsboote zu den Walen, der früher die Walfänger dirigiert hat. Auch unter den Skippern gibt es einen, der damals noch Wale gejagt hat. Nun strahlt er über das ganze Gesicht, wenn er seinen Gästen die lebenden Walen zeigen kann. Diese Veränderung ist ein großer Hoffnungsschimmer, denn in anderen Ländern wie Japan, Norwegen und Island ist man erst auf dem Weg, um vom Walfang zur Walbeobachtung umzusteigen. Anbieter gibt es jedoch auch dort schon und man sollte diese mit einem Besuch unterstützen. Eines ist nämlich auch klar, die Menschen brauchen eine alternative Einkommensquelle.

Walbeobachtung wird auf Pico in Madalena und Lajes angeboten, letzteres liegt jedoch eindeutig näher an den guten Sichtungsbereichen und ist somit viel effizienter bei den Ausfahrten. Lajes ist klein und hat einige wenige Übernachtungsmöglichkeiten. Ich möchte das Bela Vista empfehlen, da man dort zwischen sehr gepflegten und schönen Hotelzimmern und behaglichen Apartments wählen kann. Allen Gästen steht das schöne Frühstücksbüfett zur Verfügung. Eine Tour zu den Walen und Delfinen kann man dann gleich im Shop des Hotelinhabers Camilo Costa buchen und bekommt als Gast sogar einen Preisnachlass. Es gibt noch zwei andere Anbieter in Lajes, Aqua Acores und Espaco Talassa.
Aqua Acores besitzt zur Zeit drei Boote, das kleinere Zodiac Little Boy, das größere Oceanus mit einer kleinen Bordtoilette und die Jacht Moby Dick. Bucht man bei Camilo über Bela Vista, fährt man ebenso mit diesen Booten hinaus, da die beiden Anbieter zusammenarbeiten.

In den Gewässern schwimmen eine Vielzahl von Wal- und Delfinarten, da das Meer um die Azoren herum noch sehr fischreich ist. Das dürfte auch Grund sein, warum man sich dort nicht vor Haien fürchten muss. Satte Tiere sind in der Regel gegen Menschen nicht aggressiv. Über das Jahr trifft man bei den Azoren bis zu 24 verschiedene Spezies der Meeressäuger, vom riesigen Blauwal bis zu kleinen Delfinarten. Die Azoren sind damit ein Eldorado für Menschen, die einmal Wale und Delfin im Meer bewundern möchten. Garantieren kann man selbstverständlich nichts, denn die Natur ist nun einmal unberechenbar, aber die Chancen für Sichtungen sind an nur wenigen Orten so hoch wie auf den Azoren.

Da die wilden und freien Tiere selbstverständlich nicht in irgendeiner Weise trainiert werden und auch nicht mit Futter angelockt werden, ist jede Tour eine Überraschung und einzigartig. Man muss für sich abwägen, welches Boot man bevorzugt. Jacht oder Zodiac, beides hat Vor- und Nachteile. Aus meiner Sicht sind das folgende:
Jacht: Vorteile
Andere Perspektive von weiter Oben ermöglicht manchmal eine bessere Sicht, insbesondere auf im Wasser dümpelnde Pottwale
Man kann leichter erkennen, wenn ein Tier kurz vor dem Auftauchen ist
Die Bewegungen des Bootes sind deutlich ruhiger, wichtig z.B. für Fotos
Es gibt Toiletten und einen Innenraum.
Man kann herumlaufen.
Nachteile
Die Jacht ist langsamer als ein Zodiac.
Man ist weiter vom Wasser entfernt, Delfine am Boot deshalb ebenfalls mit mehr Abstand
Weniger „Abenteuer“ als eine Fahrt mit einem Highspeed-Boot

Zodiac: Vorteile
Wendig und schnell
Nähe zum Wasser, zu eventuell mitschwimmenden Tieren
Perspektive sozusagen auf Augenhöhe mit der Wasserlinie
Fahrt ist abenteuerlich
Nachteile
Fahrt kann eventuell zu abenteuerlich werden, je nach Wellengang, dann wird es sehr anstrengend und/oder etwas nass und ist nichts für Rückengeplagte
Blickwinkel ist manchmal je nach Situation nicht optimal
Es ist möglich, mit einer Unterwasserkamera vom Boot aus zu filmen und fotografieren

Beide Möglichkeiten sind jedoch wunderbar und absolut zu empfehlen. Und für beides gilt: auf die Kameras aufpassen. Spritzen kann es auf allen Booten.

In diesem Jahr war die Ausbeute an Sichtungen (wieder) extrem gut. Ein Highlight war sicher die Tour mit der Sichtung von 6 verschiedene Arten in 3 Stunden. Ein anderes Highlight war die Tour, bei der wir, gerade den kleinen Hafen von Lajes verlassend, einem Zwergwal begegnet sind. Die kleinste Art der Bartenwale wird immerhin auch noch bis zu 10 Meter lang und leider noch immer von einigen Ländern (siehe oben) gejagt. Um auf Wale oder Delfine zu stoßen, muss man von Lajes aus oft nicht weit mit dem Boot fahren. Das ist eine echtes Plus. Ich habe sogar schon Delfine von Land aus gesehen, mit bloßen Auge wohlbemerkt. Manchmal kommt es aber auch vor, dass man bis an die Südspitze der Insel düst oder bis weit in den Atlantik hinaus, je nachdem, wo einen der Mann im Ausguck (Vigia) hinschickt.

In Lajes trifft man eher naturverbundene Individualreisende oder Gruppen, die eine Naturreise gebucht haben. Auch spirituelle Gäste findet man häufig, da für viele Pico mit dem versunkenen Atlantis in Verbindung gebracht wird. An Bord sind bei den Anbietern in Lajes immer der Skipper und eine zweite Person, in der Regel eine Biologin/ein Biologe. Man erhält an Bord viele Informationen zu den Tieren, oft in zwei Sprachen, manchmal sogar in drei und gelegentlich sogar auch in Deutsch. Unterlagen mit Abbildungen sind bei jeder Fahrt dabei, um den Besuchern die Tiere näherzubringen. In Lajes dürfte man wenig Touristen finden, die noch ein Delfinarium besuchen oder gar denken, Delfine seien große Fische. Insofern finde ich es in Ordnung, wenn dort das Drumherum der Walbeobachtung anders abläuft als auf Sao Miguel, der Hauptinsel, wo man viel mehr Pauschaltouristen findet. Hier sieht man viele Gäste, die „halt mal“ einen Wal oder Delfin sehen wollen, und recht unvorbereitet und ohne Vorkenntnisse eine Bootstour antreten.

In Ponta Delgada auf Sao Miguel hat sich mir dann auch bei Futurismo Whale Watching Azores eine andere Art der Walbeobachtung gezeigt. Der Ablauf ist hier weniger familiär und locker, jedoch nicht minder sympathisch und etwas professioneller. Ich möchte deutlich erwähnen, dass beides, Lajes und Ponta Delgada, für mich absolut stimmig ist, und ich deshalb keinerlei Anlass habe, abzuwägen, was besser oder schlechter sein könnte. Auch in Ponta Delgada werden echte Fans der Meeressäuger begeistert sein. Doch hier finden sicher auch weniger enthusiastische Touristen mit Futurismo den richtigen Anbieter, um ein schönes Erlebnis zu haben. Man kann bei Futurismo zwischen Zodiac, einem kleinen Motorboot und dem für die Walbeobachtung idealen Motor-Katamaran „Cetus“ wählen. Vor- und Nachteile der verschiedenen Boote habe ich bereits oben erwähnt. Eines sei noch ergänzend gesagt, die Delfine lieben den Katamaran. Die Bauweise des Bootes ermöglicht einen außergewöhnlichen Blick auf die begleitenden Delfine. Dass die Meeressäuger das Bugwellenreiten bei Katamaran so lieben, kommt auch manchmal den Gästen zugute, die mit Delfinen schwimmen möchten. Gelegentlich arbeiten dann die Skipper zusammen und der Katamaran lockt die Delfine zu dem Zodiac, in dem die Gäste für das Delfinschwimmen sitzen. Selbstverständlich nur bei entsprechend ruhiger See und ohne Gefährdung von Mensch und Tier. Aber es ist schon lustig, wenn einem gesagt wird: „Schwimm auf den Katamaran zu!“ „Wie bitte?“

Bei Futurismo gibt es eine ausgiebige Einleitung mit Videopräsentation, entweder in einem speziellen Raum am Hafen oder im Innenraum des Katamaran. Es wird auf die Historie des Walfangs eingegangen und auf grundlegende Informationen über die Meeressäuger. An Bord des Zodiacs ist neben dem Skipper immer eine Biologin und auf dem Katamaran, der bis zu 77 Passagiere aufnehmen kann, gleich mehrere fachkundige Begleiter. Es wird sich bemüht, die Begleitung auf die Nationalität der Gäste abzustimmen, um die Betreuung sprachlich zu erleichtern. Der Skipper des Katamaran machte mir bei jedem Fahrtantritt schon im Hafen die erste große Freude, indem er eindringlich darauf hinwies, warum die Haltung von Delfinen falsch sei und das diese Art der Beobachtung, hier in freier Wildbahn, die einzig vertretbare Methode sei, um die Meeressäuger zu bewundern. Viele Gäste horchen auf, und das ist gut so. Auch während der Fahrt wird zwischendurch einiges erklärt, teils über Lautsprecher, teils laufen die Biologinnen herum und gehen auf einzelne Touristen oder Gruppen ein. Immer dabei eine tolle Mappe mit selbst erstellten Abbildungen der Tiere und viel zusätzlicher Information.

Wer sich bei diesen Touren nicht wohlfühlt, dem ist nicht mehr zu helfen.
Apropos wohlfühlen: gegen Seekrankheit empfehle ich Zintona Ingwerkapseln, Coculus Globuli und Akkupressurbänder für das Handgelenk. Einige in der Werbung gepriesene Medikamente helfen zwar auch, machen aber sehr müde. Ich habe gelesen, dass Gähnen ein erste Warnzeichen für Seekrankheit ist. Bestätigen kann ich das nicht, denn trotz viel gähnen ging es mir immer gut, auch ohne Mittel gegen Seekrankheit.
Und wenn einem doch schlecht wird, was halt leider auch passieren kann…das Meer ist beim Zodiac rings herum und auf den größeren Booten werden extra Tüten verteilt, um die Toiletten für den eigentlichen Zweck zu schonen.
Natürlich sollte man sich vor einer Bootstour grundsätzlich nicht den Bauch vollschlagen und auch nicht zu viel trinken, denn auf den kleinen Zodiacs gibt es für 3 Stunden keine Möglichkeit, die Blase zu leeren. Auch auf den größeren Boote mit Toilette ist oft gerade der Gang zur Toilette, wenn man in einem geschlossenen Raum ist, der Auslöser für eine Übelkeit. Fazit: wenn möglich vermeiden.
Eine weitere Tatsache, die von vielen Touristen total unterschätzt wird: es ist auf dem Wasser grundsätzlich viel kühler als an Land. Man reibt sich manchmal die Augen, was die Leute manchmal anhaben.


Welche Arten durfte ich sehen und wie habe ich diese Tiere erlebt?
Die mächtigen Pottwale, die größten Zahnwale, werden bis zu 20 Meter lang. Sie gelten bei den Touristen meist als besonders spektakulär, weil sie in der Regel vor einem tiefen Tauchgang die große Fluke (Schwanzflosse) zeigen. In den letzten Jahren habe ich tolle Aufnahmen machen können und durfte danach sogar einigen Pottwalen einen Namen geben, denn die Fluken werden katalogisiert. In diesem Jahr haben sich die Wale jedoch etwas rar gemacht und auch beim Abtauchen glitten sie meist sehr unauffällig in die Tiefe, was sowohl einige Touristen als auch die Anbieter der Touren enttäuschte. Aber das ist halt Natur. Deshalb findet man in meinem Bericht auch häufig die Worte: meist, für gewöhnlich, in der Regel. Man kann Begegnungen mit Meeressäugern nicht buchen. Man kann eine Tour buchen…und hoffen. Wer glaubt, dass ihm gar ein springender Pottwal geboten werden sollte, der muss seine Ansprüche herunterschrauben. Natürlich springen die Pottwale hin und wieder. Aber ob man dann gerade auf dem Boot, das Boot in Sichtweite des Wales ist, der natürlich ohne Vorankündigung springt, und ob man dann in diesem Moment auch noch zufällig in die richtige Richtung schaut…
Aber auch so viel Glück kann man haben. Pottwale, die neugierig den Kopf aus dem Wasser strecken, die unter dem Boot hindurch tauchen und von denen man dann viele Einzelheiten im wunderbar klaren Wasser sehen kann, Fluken schlagende Pottwale oder neun Tiere auf einmal…das alles ist vor den Azoren möglich.

Die Rundkopfdelfine (Risso’s Dolphins), gehören zu meine Lieblingstieren. Bei der Geburt noch dunkel, werden sie mit dem Alter durch viele nicht nachfärbende Kratzer immer heller und sind am Ende ihres Lebens fast weiß. Einige Tiere schimmern silbern und sind atemberaubend schön. Für Fotografen sind sie absolut dankbare Motive, da man bei den helleren Tieren sehr gut die Schwimmrichtung verfolgen kann und parat ist, bevor sie auftauchen. Das bedeutet gute Chancen für tolle Fotos. Vor meiner Reise hatte ich die verwegene Idee, oder man nennt es gar eine Vision, dass ich mit Rundkopfdelfinen schwimmen würde. Jeder, der sich etwas auskennt, weiß, dass das reichlich unwahrscheinlich ist. Rundkopfdelfine sind eher scheu, nähern sich selten den Booten und sind in der Regel sofort weg, wenn Schwimmer ins Wasser gleiten. Nachdem über die Hälfte meines Aufenthaltes vorbei war und es so aussah, als würde sich mein Wunsch nicht erfüllen, passierte es dann doch.
Nachdem der Skipper meinte, ich sei ohne Flossen zu langsam, borgte ich mir welche bei Camilo im Shop. Um mich nicht noch mehr abzulenken, ließ ich dann aber die Kamera an Bord, als ich ins Wasser ging. Und dann passierte das Unglaubliche….ich paddelte mit angelegten Armen und meinen „neuen Füßen“ den Rundkopfdelfinen entgegen und…sie schwammen nicht weg. Im Gegenteil. Etwa 20 Tiere verharrten vor mir und drehten sich, um mich besser sehen zu können. Von der Situation völlig überrascht, verharrte ich. Noch näher wollte ich von mir aus nicht kommen, dafür habe ich zu viel Respekt vor diesen großen starken Tieren. Und ein silberner wunderschöner jüngerer Rundkopfdelfin steuerte sogar ein wenig auf mich zu und beäugte mich ausgiebig. Einige Minuten durfte ich so diese wunderschönen Tiere in ihrem Element bewundern. Es war absolut ergreifend und ich fühle mich geehrt, dass die wilden Tiere es zuließen und mir soviel Beachtung schenkten. Man ist dort im Wasser ein unbeholfener und kleiner Gast. Das sollte man nie vergessen.

Mit dem Großen Tümmler hatte ich zwei wundervolle Erlebnisse. Vor Lajes blieb eine größere Schule dieser wunderschönen Delfine eine ganze Weile in der Nähe unseres kleinen Bootes. Delfinbabys sprangen aus dem Wasser. Obwohl die Situation für ein Eintauchen ins klare Blau geeignet war, war genau das alles andere als empfehlenswert. Die ganze Gegend war voller Feuerquallen. Also da verzichte man gerne auf ein Bad im Meer. Das war ein wenig ärgerlich, aber die Delfine waren auch vom Boot aus wunderbar zu sehen

Das zweite ganz besondere Erlebnis in diesem Jahr war ein Schwimmen mit Delfine von Ponta Delgada aus. Eigentlich hatte ich vor, mir das Delfinschwimmen nur anzusehen, um mir eine Meinung zu bilden. Doch vorsichtshalber hatte ich für den Fall, dass ich meine Meinung ändern würde, die Badesachen unter meiner Kleidung und den Schnorchel und Handtuch in einer Tasche dabei. Wir fanden schnell eine große Gruppe Tümmler, die sich sehr interessiert zeigte. Zunächst ließ ich die anderen Gäste zweimal in Wasser gehen, bevor ich mich entschloss, ebenfalls mein Glück zu versuchen. Zack zack muss das alles gehen, zumal ich im Gegensatz zu den anderen im Schwimmanzug noch nicht fertig war. Bei einer Wassertemperatur im Herbst von ca. 23 Grad brauche ich keinen Anzug, er ist mir sogar unangenehm. In der Tat ist es jedoch so, dass man sich ein wenig besser geschützt fühlt. Doch an diesem Tag war für mich das Gefühl ganz anders als vorher. Davor hatte ich immer Angst, ins Wasser zu gehen. Witzigerweise keinerlei Angst vor den Meeressäugern sondern von dem anderen Getier im Meer: Haie, Quallen, Barrakudas….
Das Wasser ist von so einer Klarheit, von so einer atemberaubenden blauen Farbe und mit so guter Fernsicht, dass es einem fast unreal erscheint.
Jedenfalls ging ich dieses eine Mal total cool und entspannt und sogar mit Kamera bewaffnet zu den Tümmlern ins Wasser. Ein neues sicheres Gefühl im Bauch, herrlich. Und das sogar, obwohl ich am Tag vorher einen Hammerhai gesehen hatte. Die Azoren sind halt immer für positive Veränderungen gut. Man wächst über sich hinaus.
Witzig war die Situation auch, denn wie oben erwähnt bekam ich die Order „schwimm auf den Katamaran zu“ und ich hatte sicher vor Entsetzen ein großes Fragezeichen im Gesicht. Ich musste dann auch gar nicht zum Katamaran schwimmen, denn die Delfine schwammen direkt an mir vorbei. Sie drehten sogar ab und kamen auf mich zu. Babys waren auch dabei. Es war schlicht genial. Noch ein kleines bisschen und dann hätte man nach ihnen greifen können, was man natürlich nicht tun sollte. Aber die Nähe war absolut fantastisch…und zu meiner riesen Freude, hab ich nicht nur ein Video machen können, sondern wurde meinen Freunden von Futurismo vom Katamaran aus auch fotografiert.

Die Fleckendelfine/Zügeldelfine durfte ich sehr häufig sehen. Oft sausen sie mit den Booten mit und sind auch nicht selten neugierig auf die Schwimmer. Mit den Fleckendelfinen gab es sehr viele schöne Situationen. Einmal ging ich zu ihnen ins Wasser, doch sie schwammen recht weit weg, tief unter mir. Ihnen folgten andere Tiere und als ich sie erkannte, wurde ich unsicher: Thunfische. Sie sahen toll aus. Gott sei Dank recht tief unter mir und damit nicht so groß wirkend. Sie werden ja leicht bis 2 Meter groß. Ich glaube, wären sie auf meiner Höhe geschwommen, wäre ich nicht schnell genug aus dem Wasser gekommen.

Außerdem hatte ich sehr schöne Begegnungen mit Gewöhnlichen Delfine, die diesen einfachen Namen völlig zu Unrecht tragen. Die Färbung dieser Delfine ist wunderschön und alles andere als gewöhnlich. Die quirligen, meist hektisch wirkenden Streifendelfine durfte ich in diesem Jahr leider nur selten und kurz sehen. Die Pilotwale/Grindwale waren in diesem Jahr wenig scheu und ruhten gelassen an der Oberfläche. Zweimal sah ich eine riesige Schule mit Jungtieren. Als der Skipper den Motor ausschaltete, konnte man ihr sehr lautes Schnaufen noch viel besser hören. Einige große Tiere geben dabei noch eine Art Grunzen von sich. Für mich sind die Atemgeräusche der Pilotwale der Inbegriff von „Leben“.
Ein weiteres Highlight meiner Sichtungen waren am ersten Tag die Kleinen Orcas. Während ich sie letztes Jahr bei der Jagd sehen und sogar hören durfte, schwammen sie diesmal mit der Jacht Moby Dick mit und kamen damit dem Boot sehr nah. Sie sind einfach beeindruckend mit ihrem großen schwarzen torpedoförmigen Körper.
Bei meinem Besuch auf den Azoren hatte ich sogar so viel Glück, dass ich mehrmals Sowerby-Zweizahnwale gesehen habe und trotz der Entfernung einige annehmbare Fotos machen konnte. Diese Walart ist sehr scheu und schwimmt so, dass man die Schwimmrichtung nicht im geringsten abschätzen kann.

Neben den Meeressäugern gibt es im Wasser und an Land aber noch sehr viele andere interessante Tiere. Die bedrohte Unechte Karettschildkröte findet man zum Beispiel ebenfalls im Wasser, denn sie zieht mit dem Golfstrom an den Azoren vorbei. Ein wunderschöner Anblick ist es, wenn eine große Gruppe Sturmtaucher auf dem Wasser dümpelt und sich dann, über das Wasser laufend, in die Lüfte erhebt.

Der Bericht könnte noch viel länger sein, denn wer einmal auf den Azoren war, kommt in der Regel aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. Fast alle Touristen sagen, dass sie wiederkommen möchten, und einige Leute sind nach ein paar Besuchen sogar komplett auf die Azoren umgesiedelt.
Für Natur- und Walfans sind es DIE Inseln schlechthin.
Die Sichtungschancen von Meeressäugern sind nahezu bei 100%. Natürlich kann mal eine Tour wegen der Witterung ausfallen und selbstverständlich kann für keine Spezies garantiert werden. Ich habe Touristen erlebt, die zuerst 1,5 Stunden ein Spektakel an springenden Fleckendelfinen und dann noch wunderbar die Rundkopfdelfine gesehen habe, und sich nach der Tour tatsächlich beschwerten, weil bei einer Walbeobachtungstour kein Pottwal gesehen wurde. Soviel Undankbarkeit macht mich wütend.

Für mehr Ruhe, mehr Abenteuerlust und mit der Priorität auf Wandern und Walbeobachtung, empfehle ich Lajes auf der Insel Pico. Für Touristen, die darüber hinaus auch noch ein bisschen shoppen möchten und mehr Trubel vorziehen, ist Ponta Delgada ideal. Außerdem bietet Futurismo bereits im Frühjahr Ausfahrten, wenn die Bartenwale vor der Insel schwimmen.
Pico oder Sao Miguel, beides ist auf seine Art toll!

Wer meinen Blog der letzten Reisen studieren möchte, kann dies unter Blog von Doris Thomas tun.


In meinem Youtube-Kanal findet man diverse Videos zu den Azoren, teils sehr spektakukläre: Youtube Kanal von Doris Thomas
Mein Tipp: meinen Blog und meinen Youtube-Kanal abonnieren, denn in Kürze wird es weitere tolle neue Videos geben

Infos und Links:

In Lajes Bela Vista

Aqua Acores

In Ponta Delgada: Futurismo Whale Watching

Highlights Pico: Youtube
Best Of Sao Miguel: youtube
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5 Kommentare
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Ingeborg Behne aus Barsinghausen | 14.10.2013 | 09:23  
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Gaby Floer aus Garbsen | 15.10.2013 | 06:45  
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Doris Thomas aus Pfaffenhofen | 19.10.2013 | 00:02  
110.996
Gaby Floer aus Garbsen | 19.10.2013 | 06:10  
18.042
Elena Sabasch aus Hohenahr | 30.01.2014 | 19:39  
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