Katastrophales Whitney Houston Konzert in München
Nachdem ihr neues Album "I look to you" hochgelobt wurde, hat sich Whitney Houston aufgemacht, um ihre Fans auf einer Welttournee zu begeistern. Nach dem gestrigen Konzert in der Münchner Olympiahalle muss man sich jedoch fragen, ob sie nicht vielmehr dazu gedrängt wurde, um die Kasse klingeln zu lassen. Der Preis einer Eintrittskarte mittlerer Preisstufe betrug über 95 Euro. Dafür erwartete man zu Recht eine gute Show und eine fitte Sängerin.
Über die beiden Vorgruppen ist folgendes zu sagen. Der erste Sänger wäre auch für den Einsatz bei einer Familienfeier geeignet gewesen. Das Paar, was danach eigene Kompositionen zum Teil mit ihren Gitarren vortrugen, war dagegen hörenswert und hatten offensichtlich Talent.
Dann trat die Diva des Musikgeschäftes auf. Euphorisch wurde sie von vielen begrüßt. Wer hat die vielen Hits wie "Saving all my love for you", "How will I know" und den fetzigen Rhytmus von "I wanna dance with somebody" nicht im Kopf? Nicht zu vergessen der Film Bodyguard, den sie mit Kevin Kostner drehte und der ihren Song "I will always love you" zum Welthit machte.
Jedem war bereits vor dem Konzert klar, dass die Jahre auch an Whitney Houston nicht spurlos vorübergegangen sind. Niemand hätte sich aufgeregt oder geärgert, wenn ihre Stimme nicht mehr so klar, die Töne nicht mehr so lang und der Tanz nicht mehr so schwungvoll gewesen wäre.
Doch was uns gestern geboten wurde, war eine wahre Katastrophe.
Vieles deutete darauf hin, dass Whitney Houston nicht Herr ihrer Sinne war und der Verdacht liegt nahe, dass sie getrunken oder sich anderweitig vernebelt hatte. Stammelnd lief sie immer wieder über die Bühne, rief ein "I love you" oder "God bless you" in die Menge, raufte ihre Haare, damit sie ihr ins Gesicht fielen. Sie starrte oft vor sich auf den Boden und redete konzeptlos über ein Lied oder über ihre Beziehung zu Michael Jackson. Oft machte es den Einschein, als wolle sie nur den Beginn des nächsten Liedes herauszögern. Schwer schnaufte sie nach ein zwei Worten, beinahe als hätte sie Asthma.
Gesungen hat sie im Grunde keins ihrer Lieder, vielmehr war es ein Sprechgesang, den sie zwischendurch mit lauten Schreieinlagen aufpeppte. Oft blitzte hier noch ihr Talent durch und man wurde an ihr früheres Können erinnert. Das Publikum schien zum Teil dafür überaus dankbar zu sein.
Teils waren es gar keine Lieder sondern nur ein wirr zusammengewürfelter Selbstdialog, bei dem ihr manchmal nichts mehr einfiel.
Die schönen alten Hits, auf die man sich gefreut hatte, wurden von ihr derart verfremdet und abgehackt in einer anderen Tonart gesungen, dass man oft erst in der Mitte des Liedes "seinen" Hit erkannte. An mitsingen war im Traum nicht zu denken, da keine Melodie entstand, der man hätte folgen können.
Ständig zupfte sie an ihrer Kleidung und verschwand zum ersten Wechsel dann mit langen wirren Erklärungen und etwas unentschlossen hinter der Bühne. Die Band gab in der Pause ihr Bestes, war aber offensichtlich auch irritiert, als Whitney zu ihrem Einsatz nicht wieder auf der Bühne erschien. So sang die Backgroundchor schließlich alleine einen ihrer großen Hits.
Zwischendurch wischte sich Whitney Houston oft ihr nasse Gesicht mit einem weißen Tuch ab, das sie dann bei einem Lied herumwedelt, bis sie es schließlich übermütig hochwarf. Es landete auf dem Boden, von wo sie es wieder aufhob, auf den Tisch legte und sich damit bei nächster Gelegenheit wieder abwischte. Einmal puderte sie sich dort, mitten auf der Bühne und mit dem Rücken zum Publikum, ausgiebig ihr Gesicht. Das waren alles sehr befremdende Aktionen. Im Grunde rechnete man nur noch damit, dass sie auf der Bühne stolperte und hinfiel.
Ein "Highlight" des Abends war, dass sie von einer Frau und guten Freundin faselte, die sie so liebe und die bei ihr sei und die aber nach Hause müsse, weil sie einen kleinen Sohn habe und er ihre Mama brauchte und man das ja verstehen müsse.... und dann kam eine völlig unbekannte Dame auf die Bühne und es gab ein großes überschwengliches Herzen. Die Band schien völlig überracht und schaut sich ratlos an, als Whitney die Frau zum Keyboard führte, damit sie für sie singen sollte. Schnell besorgte ein Crewmitglied auch für Whitney einen Stuhl, die sich ermattet niederlies. Diese Einlage war offensichtlich überhaupt nicht geplant gewesen.
Bei der Zugabe hielt sie das Mikrophon dann eigentlich nur noch als Dekoration in der Hand und bewegte sich ein wenig mit den 4 Tänzern über die Bühe. Lediglich ein paar Tönchen krächzte sie noch ins Mikro.
Trotz alledem hat ein Großteil des Publikums noch begeistert geklatscht. Die rosarote Brille dieser Fans muss aus Panzerglas sein. Man wollte es aber auch in der Tat kaum glauben, was sich dort oben auf der Bühne abspielte.
Nichts hätte man diesem großen Star, der schwere Zeiten hinter sich hat, mehr gegönnt als ein tolles Comeback.
Zwischen die Wut über die hohen Kosten für das Konzert kommt die Trauer, dass man sowas den Fans und vielleicht auch der Sängerin zumutet.
Aber der Stern ist vom Himmel geholt worden, demontiert. Furchtbar schade!
::::: nachträglich ergänzt, aber wichtig :::::
Ich möchte noch ergänzen, dass ich Whitney Houston alles Gute wünsche und hoffe, dass sie ihr Glück findet und vielleicht in kleinerem Rahmen und weniger Leistungsdruck wieder ihr großes Können beweisen kann, denn dass noch immer viel in ihr steckt, konnte man trotzdem erahnen.
Rest in Peace, Whitney. Sie haben dich zerstört.


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