15 Jahre wachsam für den „Tag X“

Die Betriebsfeuerwehr des Klinikums Ingolstadt ist bestens ausgerüstet, motiviert und jederzeit wachsam. (Foto: Klinikum Ingolstadt)

Es ist ein kaum vorstellbares Horrorszenario: ein Großbrand in einem Schwerpunktkrankenhaus mit über 1.000 Patienten und noch mehr Mitarbeitern. Eine beängstigende Vorstellung, die aber in all den 26 Jahren seit Bestehen des Klinikums Ingolstadt glücklicherweise nie auch nur annähernd wahr geworden ist. Dennoch: Die Männer der Betriebsfeuerwehr des Klinikums müssen immer damit rechnen, auch wenn ein Großbrand im Klinikum dank der hohen Sicherheitsstandards und der zusätzlichen Sicherheit durch die Betriebsfeuerwehr des Klinikums sehr unwahrscheinlich ist. In diesem Jahr feiert die Betriebsfeuerwehr ihr 15-jähriges Bestehen.

Sie wurde 1993 gegründet. Bereits vorher gab es eine Freiwillige Feuerwehr im Klinikum. Die war aber weniger professionell ausgerüstet und ausgebildet, als das heute der Fall ist. Die Männer trainieren regelmäßig für den Ernstfall und werden jedes Jahr einige Dutzend Male alarmiert.

Einsätze und sogar kleine Brände gab es in den 15 Jahren immer wieder, aber die Männer um den Gruppenführer und kommissarischen Leiter Rudolf Meilinger haben diese immer sofort unter Kontrolle gebracht, bevor sich ein ausgewachsenes Feuer daraus entwickeln konnte. „Denn“, so sagt Rudolf Meilinger, „ganz ausschließen lässt sich das Risiko eines Brandes nie.“

Im Klinikum arbeiten die hauseigenen Feuerwehrmänner in Verbindung mit dem Sicherheitsingenieur und Brandschutzbeauftragten Oliver Marb stets daran, das Brandrisiko weiter zu minimieren. Regelmäßige Brandschutzkurse klären die Mitarbeiter über das richtige Verhalten im Brandfall auf und schärfen das Bewusstsein für die Wichtigkeit rechtzeitiger Brandmeldungen. „Gerade das ist sehr wichtig, denn wenn es brennt, spielt jede Minute eine entscheidende Rolle“, erklärt Meilinger. „Lieber haben wir einen Alarm zu viel als einen zu spät oder zu wenig. Gerade die Möglichkeit, einen stillen Alarm auszulösen, hat dazu beigetragen, die Hemmschwelle zu senken.“

Dabei wird nicht sofort und automatisch die Ingolstädter Berufsfeuerwehr alarmiert, sondern im Zweifelsfall zunächst einmal die Betriebsfeuerwehr des Klinikums. Die ist tagsüber innerhalb kürzester Zeit vor Ort, kann die Lage erkunden und sofort die notwendigen Gegenmaßnahmen ergreifen. Wenn einer der 4.500 Rauchmelder im Klinikum oder ein Mitarbeiter Alarm auslöst, geht das Signal sofort in der Zentralen Leitstelle des Klinikums ein. Innerhalb kürzester Zeit werden daraufhin die Männer der Betriebsfeuerwehr des Klinikums durch die Leitstelle über ein Piepsersystem informiert. Dann geht alles schnell: Sie eilen in die kleine Feuerwehrzentrale im Untergeschoss des Klinikums. Dort befinden sich die Spinde der Mitarbeiter mit den modernen Schutzanzügen und dem Ausrüstungswagen der Männer, ausgestattet mit Schläuchen, Atemschutzmasken, Werkzeugen und anderen Geräten wie der hochmodernen Wärmebildkamera, mit der auch in völlig verrauchten Gängen und Räumen bewusstlose Menschen identifiziert und gerettet und Brandherde gefunden werden können.

In den meisten Fällen handelt es sich glücklicherweise um Fehlalarme – beziehungsweise Alarme, bei denen sich die Situation am Ende als vergleichsweise harmlos herausstellt: Jemand vergisst einen Teekocher auf der Herdplatte oder eine Mahlzeit in der Mikrowelle, ein anderer Mitarbeiter riecht etwas Verbranntes und verständigt die Männer der Betriebsfeuerwehr. Nur sehr selten wurde es wirklich ernst in den letzten fünfzehn Jahren. So wie einmal, als eine Leuchtstoffröhre nach einem technischen Defekt zu brennen anfing. Doch die Männer der Betriebsfeuerwehr waren sofort vor Ort und konnten den Brand unter Kontrolle bringen.

13 gestandene Feuerwehrmänner sind heute in der Feuerwehrgruppe aktiv. Alle verfügen über eine professionelle Ausrüstung mit Wärmebildkamera und modernen siebenlagigen Spezialanzügen, die Schutz bieten und hohe Temperaturen aushalten, und werden regelmäßig im Brandschutz geschult. Den Ernstfall scheuen sie nicht: „Natürlich hofft man, dass es nie soweit kommt, aber wir sind gut darauf vorbereitet“, sagt Rudolf Meilinger.

Derzeit werden drei Nachwuchsfeuerwehrmänner ausgebildet. Das heißt zunächst einmal 140 Stunden Grundausbildung und 50 Stunden „Atemschutzgeräteträgerausbildung“. Hinzu kommen regelmäßige Trainings für den Ernstfall. Demnächst wollen die Männer der Feuerwehr auf einem Übungsgelände auch in echten Brandsituationen üben. „Denn je realistischer das Training ist, desto besser“, so Meilinger. Neue Mitglieder sind stets willkommen, sollten allerdings wegen des Bereitschaftsdienstes in der Nähe des Klinikums wohnen und eine gewisse körperliche Grundfitness mitbringen, denn ein Einsatz in der vollen Feuerwehrmontur mit Atemschutzmaske kann sehr anstrengend sein.

Alle Mitarbeiter der Betriebsfeuerwehr arbeiten in verschiedenen Bereichen des Klinikums, die meisten in technischen Berufen. Im Ernstfall werden aus Technikern, Therapeuten oder Mitarbeitern der Bettenaufbereitung innerhalb weniger Minuten voll ausgerüstete Rettungskräfte, allesamt erfahren und durch viele Einsätze und Übungseinheiten stets für den Einsatz bereit. Die meisten sind in ihrer Freizeit auch Mitglieder von Freiwilligen Feuerwehren. Im Ernstfall weiß jeder, was er zu tun hat. Die Abläufe sind oft geübt und minutiös geplant.

Im Falle eines Brandes ist die Feuerwehr natürlich nicht auf sich allein gestellt, sondern kann auf die Hilfe der Ingolstädter Berufsfeuerwehr bauen. Die ist innerhalb weniger Minuten vor Ort. Bis dahin aber haben sich die Männer der Klinikumsfeuerwehr im Normalfall bereits einen Überblick über die Situation vor Ort verschafft, erste Gegenmaßnahmen eingeleitet und vielleicht sogar den Brand unter Kontrolle gebracht oder gegebenenfalls Evakuierungsmaßnahmen eingeleitet. Sobald die Berufsfeuerwehr eintrifft oder bereits per Funk während der Anfahrt, können sie ihren Berufskollegen Details über die Lage vor Ort mitteilen, den Weg weisen und arbeiten in der Brandbekämpfung eng mit ihnen zusammen. „Ortskenntnis und ein Überblick über die Situation vor Ort ist gerade in einem so großen Haus wie dem Klinikum Ingolstadt sehr wichtig“, erklärt der Brandschutzbeauftragte Oliver Marb. Die gute Kenntnis des Hauses, die sofortige Einsatzfähigkeit und Einschätzung in Alarmsituationen und der Zeitvorsprung vor den Ingolstädter Berufskollegen machen die Feuerwehr des Klinikums so wertvoll.

Auf Teamgeist und Kameradschaft legen die „Floriansjünger“ des Klinikums großen Wert. Die Männer der Betriebsfeuerwehr im Klinikum sind ein eingeschworener „Haufen“ und seit 15 Jahren immer auf das Schlimmste vorbereitet. In diesem Jahr feiern sie Jubiläum – allerdings nicht mit großem Aufhebens, sondern ganz wie es sich für eine Betriebsfeuerwehr gehört: immer bescheiden und im Hintergrund, aber immer zur Stelle, wenn es im echten wie im übertragenen Sinn brennt. Im Klinikum Ingolstadt gibt es nur sehr selten Brände. Und dennoch: Rudolf Meilinger und die Männer der Betriebsfeuerwehr üben weiter für den „Tag X“, an dem es zu einem gefährlichen Brand kommen könnte – und hoffen, dass er nie eintritt.

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