Schach-Triumph nach doppeltem Stichkampf: Peine hat einen Bezirksmeister!
Christoph Helmer vom Peiner Schachverein konnte sich im Meisterturnier der Bezirksmeisterschaften in Helmstedt nach einem spannenden Turnierverlauf im doppelten Stichkampf um den Titel durchsetzen!
Nach einer komplett unnötigen Niederlage in Runde 5 hatte Christoph Helmer ein wenig Glück, dass keiner der Konkurrenten davon zog. Vor der siebten und damit letzten Runde lagen 6 Spieler gleichauf mit 4 Punkten an der Spitze.
In der Schlussrunde wurde Christoph der taktisch starke Spieler und Vorjahresdritte Michael Othmer (SVG Salzgitter) mit Schwarz zugelost. Es wurde entsprechend scharf gespielt und es kam die Drachenvariante der Sizilianischen Eröffnung auf das Brett. Durch nächtliche Vorbereitung (erst Viertel nach Mitternacht ging der Computer aus) war unser Held Christoph Helmer bestens präpariert. Durch ein Qualitätsopfer von ihm mit Schwarz war die Stellung nach dem Zug b3 bei langer Rochade von Othmer für diesen mit Weiß nicht mehr zu halten. Nach ca. 3,5 Stunden Spiel hatte Christoph eindrucksvoll gewonnen.
Die Konkurrenz schien so zu spielen, dass es keines Stichkampfes bedürfte. Die Partie Poetke - Tennert (beide 4 Punkte) ging in ein remisiges Turmendspiel mit 3 gegen 2 Bauern auf dem Königsflügel. Dies konnte normalerweise nur Remis enden und so kam es dann auch. Diese beiden waren damit aus dem Titelrennen raus.
In der Partie Lothar Olzem - Uwe Twele sah es sehr gut aus für Olzem, die Nr. 1 der Setzliste. Twele (SV Hankensbüttel-Bodenteich) spielte quasi ohne Läufer - der war von den eigenen und dem gedeckten Freibauern von Lothar Olzem (SC Wolfsburg) völlig abgemeldet. Jedoch lief Olzem die Zeit davon. Der Deckungsbauer des wunderbaren Freibauern auf der 6. Reihe ging verloren, dadurch gewann Twele die Partie und kam auf 5 Punkte.
In der Partie Ingo Neumann (3 Punkte) gegen Reiner Buchholz (4 Punkte) durfte Buchholz möglichst nicht gewinnen. Die Partie ging nach taktisch waghalsigen Spielzügen des Weißen in der Zeitnotphase in ein Turmendspiel über mit Mehrbauern für Buchholz. Der eine Randbauer auf der Damenseite wurde gegen den anderen Randbauern auf der Königsseite getauscht. Übrig blieb ein Zentrumsbauer. Der weiße König stand allerdings diesem im Wege. Also Remis?! Leider nicht. Irgendwie konnte Buchholz vom gastgebenden Verein Helmstedter SV den Neumannschen König wegdrängen und gewinnen.
Somit hatten Uwe Twele, Reiner Buchholz und Christoph Helmer 5 Punkte. Es musste also ein Stechen im Schnellschach mit 15 Minuten Bedenkzeit den Titelkampf entscheiden. 1. Partie Twele - Helmer. Zunächst sah es nach besserem Spiel für Christoph Helmer aus, doch aus Respekt vor dem Gegner bot Christoph ein Remis an. Twele wollte dies aber nicht und schlug das Angebot aus. Christoph konnte einen Bauern erobern, Twele entschied sich jedoch für ein Endspiel mit Springer und Turm gegen die Dame. Dabei gewann er auch noch einen weiteren Bauern und der König stand dazu sicher in einer Festung. Der Bauernraub ging leider weiter. Der nächste Bauer fiel aufgrund einer Gabeldrohung des Springers, dem 3. Bauern ging es dummerweise mit demselben Motiv an den Kragen. Plötzlich standen 4 verbundene weiße Bauern, Springer und Turm gegen die einzige schwarze Figur, die Dame. Dennoch entwickelte sich eine „Seeschlange“ (eine sehr lange Schachpartie mit 100 Zügen oder mehr). Die weißen Bauern standen weit hinten. Dauerschach und Doppelangriffe mussten pariert werden, während Christoph auf der Hut sein musste vor eventuellen Springergabeln. Die Zeit lief beiden davon. Uwe Twele übersah zwischenzeitlich, dass sein König im Schach stand, deshalb gab es gemäß den Regeln eine 2-Minuten-Zeitgutschrift für Christoph! Ein Bauer von Twele ging dabei ebenfalls verloren. In der Folge übersah Twele ein Matt durch einen Bauernzug! Hierbei war die Stellung zuvor so, dass durch Pattstellung des schwarzen Königs die schwarze Dame sich hätte opfern können (= Remis durch Patt) oder aber ein Remis durch ewiges Schach erzwingen konnte. Ein weiterer Bauer konnte zurückgeschlagen werden. Bestimmt waren mehr als 120 Züge gespielt, als die Zeit bei Uwe Twele ablief. Christoph hatte noch 18 Sekunden auf der Uhr. Uff! Alle waren nahe dem Herzinfarkt. Helmer blieb also im Titelrennen, Twele war draußen.
2. Folge des Hitchcock-Thrillers: Stichkampf Helmer - Buchholz. Aufbau schwarz: g6, Lg7, Sh6 nach 3 Zügen. Christoph versuchte mit h4 und h5 dies gleich zu knacken. Es kamen h6 und g5 von Schwarz. Alles verrammelt! Christoph startete nun einen 6-Bauernangriff: Bauern von c4-g4 in einer Reihe nebst Bauer auf h5. Imponierend, aber immer noch verrammelt. Lange Rochade von „Superhelmi“, scheinbar unendliches hin- und herlavieren.
Schwarz bekam die halboffene b-Linie, Christoph mit Weiß dafür die offene F-Linie mit Vorposten auf f5 für den Springer. Endlich passierte ein Fehler von Buchholz, der wichtige schwarze Bauer auf d6 ging verloren.
Weiteres taktisches Gemetzel folgte. Helmer verblieb mit Mehrfigur und Mehrbauer im Endspiel, also gab Schwarz auf.
Die Schwerstarbeit hatte sich nun gelohnt! Für Schachspieler untypisch konnte Helmers Vereinskollege Jürgen Garbuszus nicht anders, der Jubel musste raus! Turnierleiter Andreas Klein kam mit dem riesigen Pokal für den Sieger ins Zimmer, ein bezahltes Hotel für die Landesmeisterschaften Anfang Januar gibt es noch oben drauf! Glückwunsch an den ersten und einzigen PSV-Bezirksmeister bei den Erwachsenen!
Jürgen Garbuszus landete im Meisterturnier mit 2,5 Punkten auf Rang 12. Einziger Teilnehmer aus dem Schachkreis Peine im Hauptturnier der Bezirksmeisterschaften war Hans-Jürgen Ebeling vom TSV Edemissen, der mit 3 Punkten aus 7 Runden auf Rang 26 unter den 39 Teilnehmern kam.
Insgesamt hatte sich auch die Teilnahme für die Peiner Jugendlichen gelohnt: Im Jugendturnier der U14 kam Reginald Kasianowski hinter Ewald Fries auf Platz 6. U12-Vorjahressieger Tom Tschirner vom Peiner SV unterlag nur der neuen Bezirksmeisterin Svenja Lamottke von den Braunschweiger SF und wurde mit 6 Punkten aus 7 Runden diesmal „nur“ 2. in der U12. Direkt dahinter und ebenfalls qualifiziert für die Landesjugend-Einzelmeisterschaft (LEM) im nächsten Jahr ist auch Jan Lühmann, der nur gegen Tom verlor und als Einziger der Bezirksmeisterin ein Remis abringen konnte. Peines Anh Huy Nguyen kam punktgleich mit Sema User vom SV Caissa Wolfenbüttel auf Platz 2 in der U10. Die nächste Schachgeneration des Peiner SV ist also auf einem guten Weg!



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