Wenn Steine erzählen - Vor 200 Jahren tobte die Völkerschlacht

  Etwas verwaist steht der große Findling mit der schlichten Datierung 1813 - 1913 seit langer Zeit am Schützenplatz in Peine. Kaum jemand schert sich noch um die Bedeutung des Denkmales, welches jedoch an ein kriegerisches Groß-Ereignis erinnert, das Europa nachhaltig geprägt hat! Der Peiner Buchbindermeister Thomas Will, der ein begeisterter Hobby-Militärhistoriker ist, kennt sich gut aus in der betreffenden Epoche und sagt lapidar: "Das sind Gedenksteine die man in fast jedem Ort zur 100-Jahrfeier der Völkerschlacht aufgestellt hat; die Preußen haben sich damit hervortun wollen, was ihre Rolle in der Verdrängung Napoleons in den sogenannten Befreiungskriegen angeht, dabei waren Truppenverbände besonders auch aus unserer Heimatregion schon vorher aktiv gegen im Kampf gegen Napoleon!"
Vor 200 Jahren, im Oktober 1813 ging Leipzig auf äußerst blutige Art und Weise in die Geschichtsbücher ein. Nie zuvor hatte es eine einzelne kriegerische Auseinandersetzung mit so vielen Beteiligten gegeben. Die Schlacht bedeutete das Ende des Kaisers Napoleon, der bis dahin weite Teile Europas unterworfen hatte. Die französische Herrschaft in Deutschland brach zusammen, die europäischen Machtverhältnisse wurden auf dem Wiener Kongress neu geordnet. Die Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. bis 19. Oktober 1813 war die Entscheidungsschlacht der Befreiungskriege. Dabei kämpften die Truppen der Verbündeten Österreich, Preußen, Russland und Schweden gegen die Truppen Napoleon Bonapartes. Insgesamt waren unglaubliche rund 530.000 Soldaten beteiligt. Bereits im August und September hatten die Franzosen bei Dresden herbe Niederlagen erlitten, woraufhin sie sich nach Leipzig zurückzogen. Bis zum Jahr 1812 war der französische Herrscher Napoleon I. so erfolgreich wie kein Feldherr seit Alexander dem Großen. Auf dem Höhepunkt seiner Macht reichte sein Einflussbereich von Spanien bis zur russischen Grenze im Osten. Doch schon bald regte sich vielerorts Widerstand gegen die Fremdherrschaft.

Schwere Verluste im Russland-Feldzug

Als 1812 Napoleons Bündnis mit dem russischen Zaren Alexander I. in die Brüche ging, war der Niedergang des französischen Kaisers nicht mehr aufzuhalten. Zunächst erlitt er eine bittere Niederlage im Feldzug gegen Russland, die seine Armee besonders im Winter entscheidend schwächte. In den anschließenden Befreiungskriegen (1813 bis 1815) wurde Napoleon schließlich wieder auf französisches Territorium zurückgedrängt. Am Morgen des 16. Oktober 1813 eröffneten die Alliierten schließlich das Gefecht gegen die bei Leipzig eingekesselten Franzosen. Wie erbittert die Kämpfe geführt wurden, zeigt sich am Beispiel des Dorfes Markkleeberg. Vier Mal drängten sich dort die preußischen und französischen Truppen hin und her, bevor der preußische Generalfeldmarschall Friedrich Graf Kleist von Nollenberg schließlich den Ort behaupten konnte. Trotzdem gelang es Napoleon wiederholt dank seiner starken Artillerie, den Gegner zu schwächen. Derart ermutigt, versuchten die Franzosen noch am ersten Schlachttag, die feindlichen Stellungen zu durchbrechen, scheiterten aber. Nachdem der zweite Tag der Völkerschlacht relativ ruhig verlaufen war, bahnte sich am 18. Oktober eine Entscheidung an. Die Alliierten hatten sich zwischenzeitlich verstärkt und waren nun zahlenmäßig drückend überlegen. Als dann auch noch die sächsischen Truppen, die zunächst für Napoleon kämpften, zu den Verbündeten überliefen, war seine Niederlage nicht mehr aufzuhalten. Die französische Armee wurde immer weiter in Richtung Leipzig zurückgedrängt, sodass letztendlich nur der vollständige Rückzug blieb. Da der Ring um die Stadt von den Alliierten nicht vollständig geschlossen war, gelang es dem geschlagenen Napoleon in den Morgenstunden des 19. Oktober, mit einem Teil seiner Armee nach Westen zu entkommen. Wie viele Soldaten in der Völkerschlacht fielen, wird in heutigen Quellen unterschiedlich angegeben. Man geht jedoch von etwa 90.000 bis 120.000 Toten aus.

Freudentaumel am Vorabend des Ersten Weltkrieges

Im Jahre 1913 – genau 100 Jahre später – wurde in Leipzig das 91 Meter hohe Völkerschlachtdenkmal fertiggestellt. Dieses Wahrzeichen wurde an der Stelle errichtet, an der die heftigsten Kämpfe stattfanden und die meisten Soldaten fielen. An vielen anderen Orten in der Provinz Hannover, so auch im Peiner Land, wurden zeitgleich entsprechende Gedenksteine feierlich mit Ansprachen, Gottesdiensten, Fackelzügen und Freudenfeuern eingeweiht.


Fotos:

Repro: Napoleons Rückzug aus Moskau / Ölgemälde von Adoph Northen (1828 - 1876)
Repro: Übersicht auf das Schlachtfeld / Illustration zum 50-Jahr-Jubiläum der Schlacht (aus der: Gartenlaube, Oktober 1863)
Gedenkstein am sogen. Junggesellenzelt in Peine (Findling aus der Eixer Kiesgrube)
Gedenkstein in Clauen
Hinweistafel Clauen
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