Schicke - Schacke un de Räubers

Peine: Schicke - Schacke | Das Peiner Original "Schicke - Schacke", bürgerlicher Name Karl Kaufmann, war meiner Großmutter in Peine noch gut bekannt . Karl starb im Oktober 1907 im Alter von 69 Jahren.

Er war ein breitschultriger, baumlanger Kerl und hatte Holzpantoffel an, eine Kiepe auf dem Rücken und ein rotes Tuch um den Hals geknotet. So kannten ihn damals alle wenn er durch die Dörfer kam, die Kinder tanzten dann um ihn herum und forderten ihn auf:
"Karl, snorke mal," so schnarchte er wie ein Bär.
Und sein donnerndes Niesen klang wie "Schicke - Schacke".

Man nahm es Karl nicht übel, wenn er bei Bauern auftauchte und seine riesige Pranke zum Schnorren aufhielt. Als er sich einmal von einem Eixer Bauer mit seiner vollen Kiepe verabschiedete, sagte der zu ihm :
"Nu mak aber unnerwegs keine Geschichten, Karl. Da sind Räubers inne Gegend ewesen, wenn dä dik krieget, nehmet se dik dat Hemd weg !"
"Brr", schüttelte sich Schicke - Schacke, "da mot ik awer lopen."

Eilig hastete er den Eixer Berg hinunter.
Nach einer Weile leuchtete der Mond auf seinen Weg , und der Wind raschelte in Bäume und Büsche. Es hörte sich an als wisperte, flüsterte und raunte da jemand.
Ängstlich blickte Karl sich um, und da weiteten sich vor Schreck seine Augen :

"Räubers, se will mik faten !"
Er hastete schnell durch Vöhrum weiter. Erst als die Eulenburg in Sicht kam, hielt er keuchend an . Doch ein kurzer, ängstlicher Blick zurück, veranlaßte ihn seine Flucht keuchend fortzusetzen.

"Hei will mik faten !" stöhnte Karl entsetzt und mit Schweißperlen im Gesicht , mehrmals rief er: "Räubers, Räubers , helpt mik !"

In Peine auf der Schloßstraße rannte er dem Schuster Jensen in die Arme. Erstaunt schaute er Schicke - Schacke an und sagte:
"Karl , ik glöbe, dik het se in´n Hinnersten schot´n."
"Dä Räubers will mik faten !" , dabei trat er wieder in das Mondlicht.
"Da is hei wedder !" , schrie er entsetzt und machte einen gewaltigen Sprung hinter den Rücken des Schusters.

Schuster Jensen ging nun ein Licht auf , laut lachend sagte er:

"Dä Räuber biste sülmst , Karl."
Er erklärte Schicke - Schacke, daß der Mond seinen Schatten auf den Boden gemalt hätte , und verließ danach lachend den immer noch verdattert drein blickenden Schicke - Schacke.
Der spuckte auf sein Schattenbild und murmelte ärgerlich:

"Dat her ik von dik nich edacht . Dat nächste Mal säuke dik´n annern Hasen ut", drohte er dem Mond. "Stäke dine Lüchte inne Tasche. Dä schall de Deuwel hal´n un den Buern in Eixe ok !"

( in Ausschnitten von Eduard Aust, erschienen im Heimatspiegel Nr.10 der PAZ )

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2 Kommentare zum Beitrag
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Jürgen W. aus Peine am 21.08.2010 um 21:09 Uhr  
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Adolf Stephan aus Peine am 21.08.2010 um 21:20 Uhr  
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