Ölrausch in Oberg – Vor 150 Jahren flossen die ersten Tropfen

Das Oberger Westfeld
Wenn wir heutzutage per Zapfhahn unser Fahrzeug betanken, sprudelt der Treibstoff im Sekunden-Takt in den Tank. Der Rohstoff Mineralöl stammt meist aus Arabien oder auch der Nordsee, modern eventuell auch bereits durch das umstrittene „Fracking“ gewonnen. Schon die alten Römer hatten ihn bei der antiken Felsstadt Petra entdeckt. Das „Petra-Oleum“ lieferte ihnen den Brennstoff für die Dochte ihrer Öllampen. 1865 bohrte man auch in Oberg nach Öl, allerdings mit geringem Erfolg, denn nach 10 Stunden hatte man gerade einmal einen Eimer voll gewonnen!

„Schmiergeld“ war üblich


Den Durchbruch in Sachen Erdöl im Peiner Land erbrachte dann 1881 eine in 70 m Tiefe eruptiv fündige Bohrung bei Oedesse-Edemissen (Oelheim). Schon Jahrhunderte zuvor hatte man natürliche Ölaustritte (Teerkuhlen) genutzt, doch zumeist zum Schmieren von Achsen (Schmiergeld!) oder auch zu dubiosen medizinischen Zwecken! Schriftquellen belegen diese Nutzung der Oberger Teerkuhlen schon für das frühe 17. Jahrhundert!
1919 gelang dann bei Oberg ein weiterer wirtschaftlicher Fund und auch hier setzte der Ölrausch ein; weitflächige Ölfelder wurden in der Folgezeit ausgebeutet und 86 Tiefbohrungen durchgeführt. Der Band 1 der Oberger Chronik widmet sich auf 30 Seiten diesem spannenden Kapitel der Ortsgeschichte. Selten nur taucht noch Bildmaterial aus dieser Epoche auf, wie diese alten Fotos der Oberger Bohrtürme aus den 1930er Jahren. Bis 1934 gehörten die Anlagen zu den wenigen größeren Erdöllagerstätten Niedersachsens, die in Produktion standen. Der Druck aus 500 Metern Tiefe war bei einem Bohrloch so stark, dass es 85 Tonnen Rohöl täglich ergab, welches teilweise als Fontäne in den Himmel spritzten, was zahlreiche Schaulustige anlockte.


Kriege und Kraftverkehr

Ab 1900 stieg die Zahl der Automobile stetig an. Zuvor versorgten Apotheken die durstigen „Benzinkutschen“; nun aber waren Tankstellen erforderlich. Um die Heere der beiden Weltkriege zu bewegen, waren gleichfalls Unmengen von Treibstoff nötig. Besonders im sogenannten Dritten Reich experimentierte und forschte man daher bezüglich alternativer Energie-Gewinnungsmethoden. Sogar Fahrzeuge mit Holz-Vergaser tuckerten in dieser Zeit über das Kopfsteinpflaster der Städte und Dörfer.
Um 1969 wurden die Förderung eingestellt. Die sogenannten Pferdekopfpumpen nickten noch bis dato ihre Häupter, eine solche steht tatsächlich noch in Oberg.
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