Gedicht Bierode von Gottfried Benn, FAZ v. 25.9.2010
in der heutigen Ausgabe der FAZ, im Feuilleton, wird ein jetzt erst bekannt gewordenes Gedicht („Bier-Ode“) von Gottfried Benn vorgestellt. Es stammt von 1935, als Benn von Berlin nach Hannover umgezogen war. In diesem Gedicht nennt er 2 mal das „Härke-Bier“ als Hannoversche Besonderheiten.
Unter dem Aspekt, dass die hiesige Härke-Brauerei in diesem Jahr das 120-jährige Bestehen feiert ist es doch schon sehr interessant, dass das Peiner Bier bereits 1935 von einem deutschen Dichter „verarbeitet“ wurde.
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Erst habe ich mich gefragt, ob der gute Gottfried jemals ein Härke getrunken haben mag. Dann kam mir aber der Gedanke, die Durstregelung der Einheimischen könnte er, wie es eben so eine Marotte unter Lyrikern ist, in einer Klimax verpackt haben. Das wäre dann eine Art myheimat-Kommentar auf höchstem rhetorischen Niveau und ohne persönlich und beleidigend direkt zu werden.
Schon Benns Autochthon klingt eigentlich sehr hochgestochen, heißt im Grunde aber eigentlich nichts weiter als myheimat. Klimax kommt auch aus dem Altgriechischen und steht für eine rhetorische Stilfigur, eine stufenartige Steigerung von Ausdrücken. So eine "Leiter" nehmen Germanisten, wenn sie bildlich gesprochen den Übergang vom weniger Schmackhaften zum Leckeren in Nebel hüllen, weil sie an der Universität ungern Klartext sprechen.
Also Benns Leiter "Härke, Gilde, Lindener Special, Wülfeler und das Ricklinger Kaiserbier" heißt unter diesem Aspekt nichts anderes als dass Härke die unterste Stufe darstellt und das Ricklinger Kaiserbier auf höchstem Genuss zu betrachten sein müsste. Ergo muss Benn also doch Härke zu sich genommen haben. Ob er es bei sich gehalten oder für Spülwasser gehalten hat, ist leider nicht überliefert.
Doch auf diesem eindrucksvollen Wege lernt man mal den Biergeschmack eines deutschen Dichters und Denkers kennen. Da müssen die Peiner nun nicht gleich traurig sein und mit Bierdeckeln werfen: Vom Kaiserbier redet heute niemand mehr, wenn ich mich nicht irre, während das Härke alle Unbill des unsteten Bierlebens munter überdauert hat und noch keinesfalls in die Hände belgisch-brasilianischer Eroberer gefallen ist. Was sage ich immer: Wer zuletzt lacht, lacht am besten. Denn mal Prost mit einem Härke, lieber Gottfried.
Frühlingszeit.
Es duftet in der Frühlingszeit
in allen Gärten weit und breit,
die Bienen fliegen um die Blüten
und die meisten Vögel brüten.
Steht man staunent...
Der Spatz.
Es flog ein Spatz spazieren
hinaus aus großer Stadt.
Er hatte all die Menschen
und ihr Getue satt.
Er spitzte keck den Schnabel
und pfiff sich...
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