Fürstbischof Clemens August I. und die Falkenjagd

Der Fürst als Falkner
 
Reiherbeize
Den Aufgang zum historischen Pfarrhaus in Hohenhameln ziert das Wappen des Kölner Fürstbischofs Clemens August I., seinerzeit oberster clerikaler „Verwalter“ des Bistums Hildesheim. Dass jedoch auch eher weltliche Dinge den Kirchenmann faszinierten, zeigen überlieferte Berichte über seine besondere Passion, die sogenannte „Reiherbeize“.
„Über die Kunst mit Vögeln zu jagen“ nannte der Stauferkaiser Friederich II. (1194-1250) sein in sechs Bänden gegliedertes Monumentalwerk über das Wissen der Vogelkunde und der Beizjagd seiner Zeit, das nur in einer Abschrift in der Biblioteca Apostolica Vaticana in Rom erhalten ist.
Bis heute gelten diese Bücher als eines der bedeutendsten Frühwerke der Vogelkunde. Die Jagd mit Greifvögeln (Beizjagd) ist natürlich viel älter und erlebte schon Mitte des letzten, vorchristlichen Jahrtausends eine Blüte in Persien, dem heutigen Iran. Ihrem Wesen nach konnte sich diese Jagdart zunächst nur bei den Reitervölkern des baumlosen, südasiatischen Steppengürtels entfalten. Nach Europa kam das Wissen um die Beizjagd erst mit der Völkerwanderung, und erste gesetzliche Regelungen finden sich bei den germanischen Stämmen etwa ab 500 n. Chr.. Besonders beim Adel und bei kirchlichen Würdenträgern fand diese edle Jagdart rasch Anhänger.

Neben den Landgrafen von Hessen sind vor allem Kurfürst Clemens August I. Erzbischof von Köln (1700-1761) und auch Markgraf Carl Wilhelm Friedrich von Brandenburg-Ansbach (1712 – 1757) zu nennen, in dessen Regierungszeit allein 4174 Reiher gebeizt wurden.
Der Wittelsbacher Fürstbischof Clemens August I. regierte fast vier Jahrzehnte lang u.a. auch das Bistum Hildesheim und wurde aufgrund seiner Luxusliebe zu einem Inbegriff eines klassischen Barock-Fürsten. Sein Mineralwasser bezog er beispielsweise nachweislich aus Bad Pyrmont in individuell mit seinem Monogramm gesiegelten Glasflaschen.
Seine absolute Leidenschaft aber war die Jagd. Bevorzugte Reviere waren der Kottenforst bei Bonn, die Gegend um Uerdingen und Arnsberg, der Hümmling und die Gegend um die Paderborner Residenz Schloß Neuhaus Es wurden alle Arten der Jagd, darunter auch Parforcejagden, Entenschießen oder die Falkenjagd, betrieben. Angeblich als Wiedergutmachung für eine Verletzung, die er dem späteren Bauherrn, dem Freiherren von Hoerde, bei einer Jagd versehentlich zugefügt hatte, finanzierte er diesem den Bau von Schloß Schwarzenraben mit! Er stiftete mit dem „Ordre de la Clemence“ sogar einen eigenen Jagdorden.

Um 1737 betrieb Clemens August auf dem Hümmling mit Vorliebe die sogenannte Reiherbeize. Der Hümmling liegt im nördlichen Emsland und hat einen Abstand von knapp 10 km zur Ems. Die zahlreichen Bäche und Flüsse der Gegend lockten nicht nur die Reiher an, sondern auch deren Jäger! Die größten am Hümmling entspringenden Fließgewässer sind die Ohe, die nach Norden zur Sater Ems fließt, und die Nordradde, die bei Meppen in die Ems mündet.

Höchste Jagdkultur aus Arabien


Durch den Kontakt mit der arabischen Kultur im Zeitalter der Kreuzzüge erhielt die europäische Falknerei neue und wesentliche Impulse. Hier ist auch das Werk von Kaiser Friedrich II. einzuordnen. Bis zum Ende des 17. Jh. War die Beizjagd in Mitteleuropa fest etabliert und wurde vom Adel und den von ihm unterhaltenen Berufsfalknern ausgeübt. Dabei war die Jagd mit den Falken (Wanderfalken) schon aus Kostengründen zumeist dem Hohen Adel vorbehalten, während der niedere Adel meist mit Habichten jagte!

Damen wurden mit „fremden“ Federn geschmückt


Damit die Greifvögel Falken lernten den richtigen „Griff“ anzubringen, mussten sie intensiv trainiert werden. Gejagt wurde auf wildlebende Reiher, wobei die gegriffenen Vögel nicht getötet wurden, sondern nur beringt. Der Ring trug den Namen des Falkners. Wenn Frauen anwesend waren, so erhielten diese vom Falkner die Kopffedern des Tieres als Geschenk. Ein Falkner der einen Reiher beizen konnte erlangte hohes Ansehen. Dieses war umso höher je mehr Ringe der Beute-Reiher bereits trug. Das schwierige an der Reiherbeize ist, dass Reiher sehr schnell steigen und die Falken den Reiher noch übersteigen müssen. Außerdem sind Reiher sehr wendig und eben auch sehr gefährlich.
Ihren Höhepunkt erreichte die Reiherbeize am sächsischen Hof unter Kurfürst Friedrich August II. (1696-1763). Der 1606 gegründete Dresdner Falkenhof wurde 1727 nach Großenhain verlegt. Bereits 1756 fand allerdings die letzte Reiherbeize in Sachsen statt, und 1763 wurde die Falknerei per Dekret aufgehoben.

Flinten contra Falken



Die zunehmende Konkurrenz durch die Jagd mit Schusswaffen führte dann zu einem raschen Niedergang der Beizjagd, die im 18. Jh. als höfisches Spektakel einen letzten großen Höhepunkt erlebt hatte. So konnte auch die prunkvolle Entfaltung dieser Jagdart den weiteren Niedergang der Falknerei in Europa nicht aufhalten. Erst mit der Gründung des Deutschen Falkenordens 1923 erlebte die Jagd mit Greifvögeln in Deutschland eine Renaissance.

Abbildungen:
Der Fürstbischof als Falkner (Mitte 18. Jahrhundert)
Alter Stich „Falke schlägt Reiher“
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2 Kommentare
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Nicole Freeman aus Heuchelheim | 31.12.2015 | 10:12  
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History 4 free aus Peine | 01.01.2016 | 08:14  
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