Dorfteiche in alten Zeiten - Im Winter wurde Eis „gebrochen“

Idylle am alten Dorfteich
Die vielfachen Funktionen die Dorfteiche (auch „Pfuhl“, „Weiher“, „Blänke“, oder „Dorf-Tümpel“ genannt) früher zu allen Jahreszeiten inne hatten, sind uns heutzutage kaum noch bewusst. Diese, der Allgemeinheit dienenden Anlagen, fanden sich früher in fast jeder Ortschaft im Peiner Land, wie beispielsweise der noch existierende ausgeprägt große Dorfteich im alten Ortskern von Stederdorf.
War kein Fließgewässer vorhanden, brauchte man einen Teich. Frauen wuschen auf einem schmalen Steg dort die Wäsche, oder reinigten Schalen und Töpfe, denn das war letztlich einfacher als größere Mengen Wasser zum Hof zu transportieren. Wenn auch oft von Schilf und uralten Weiden gesäumt, musste ein Teil des Uferbereiches der Teiche möglichst stets frei zugängig sein, denn sie dienten im Brandfall auch als Löschwasserteiche. In einer „Eimerkette“ wurde von den Dorfbewohnern und Brand-Helfern das Löschwasser möglichst schnell zum Brandherd weitergereicht.

Schwimmübungen mit Schweinsblasen


Auch die Funktion als Viehtränke („Pferdeschwemme“) musste stets gegeben sein. Den Dorfkindern dienten die Teiche rund ums Jahr als Abenteuerspielplatz. Mit luftgefüllten Schweinsblasen an den Oberarmen hat so mancher unserer Vorfahren dort seine ersten Schwimmübungen gemacht. Die Fauna lockte ebenfalls, denn es wimmelte dort im Frühjahr von Fröschen und ihren Kaulquappen und Geflügel wie Enten, Gänse und Hühner wuselten herum. Im Winter aber, wenn der Teich eine dicke Eisdecke trug, war er jedoch nicht nur für die Jugend interessant, die dort mit Schlittschuhen (ganz früher noch aus Tierknochen) den Eislauf übte.

„Gratis Kühlakkus“ für den Eisschrank

Die Erwachsenen „brachen“ bei strenger Kälte dicke Eisschollen heraus, die sie in die sogenannten Eiskeller schleppten, wo sie mit dämmender Sägespäne bedeckt bis in den Sommeranfang hinein „überlebten“. Als Blöcke konnten sie bei Bedarf für die Kühlschränke entnommen werden. Eiskeller waren ganz oder teilweise unterirdische Bauwerke, die früher zum Aufbewahren von Eis zu Kühlzwecken genutzt wurden, welches aus Teichen oder Seen „gebrochen“ wurde. Mit der Einführung von Kältemaschinen Ende des 19. Jahrhunderts begann die Umstellung der Kühlung auch bei den Großbetrieben und Brauereien. Kleinere Eiskeller wurden aber noch bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet und vereinzelt bis in die 1950er Jahre genutzt.
Die meisten Eiskeller sind inzwischen abgerissen und zugeschüttet, wie eben leider auch fast alle der idyllischen Dorfteiche nicht mehr vorhanden sind, auf die aber noch heutzutage viele alte Straßennamen hinweisen („Teichstätte“, „Teichstraße“, oder auch: „Am Breiten Pfuhl“ in Hohenhameln/Ohlum). Das gilt übrigens auch für die Stadt Peine, deren einst riesiger „Schleusenteich“ lange schon von Schützenplatz und Stadtpark überbaut ist, bzw. dem sogenannten „Heller“, einem alten Fischteich nördlich des Peiner Schlossberges, heutzutage verfüllt unter der Burgstraße.
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Kurt Battermann aus Burgdorf | 11.01.2017 | 17:01  
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