Baumsärge, Hügelgräber und Urnenfelder - Vor 3000 Jahren änderten sich die Bestattungssitten im Peiner Land

 
Ausgeprägtes eisenzeitliches "Scherbennest" im Wandprofil der Kiesgrube Duttenstedt (Notbergung 1989)
Wie die Besiedlung des Peiner Raumes vor gut 3000 Jahren aussah, schilderte der Archäologe Thomas Budde in seinem Vortrag am vergangenen Montag im Peiner Kreismuseum. Budde widmete sich ausführlich der späten Bronzezeit und frühen Eisenzeit; für ihn ein besonderer Zeitraum, denn hinsichtlich der Bestattungsbräuche vollzog sich damals ein Wandel von der Körperbestattung zur Brandbestattung. Während in der mittleren Bronzezeit noch große Grabhügel um eine Zentralbestattung (Körperbestattung) in Baumsärgen aufgeschüttet wurden, wurden am Ende der Bronzezeit durch Einflüsse aus dem Mittelmeerraum die Toten auf Scheiterhaufen verbrannt und die Knochenreste (Leichenbrand) zumeist in Urnen verfüllt und häufig auch auf Hügelgräbern vergraben. Regelrechte Urnenfelder sind ebenfalls reichlich im Kreis Peine nachgewiesen. Die dazugehörigen Siedlungen sind weitaus schwieriger zu lokalisieren, Budde und seine vielen Vorgänger haben jedoch auch diese durch intensive Feldforschung zahlreich nachgewiesen. Etwa zehn Jahre hat der engagierte Archäologe aber nicht nur Äcker abgesucht, sondern auch viele alte Akten gewälzt, um letztlich die relevanten Ansiedlungen des ersten vorchristlichen Jahrtausend eigenhändig zu kartieren. die Zuschauer und auch Dr. Ralf Holländer als Vorsitzender des Peiner Kreisheimatbundes, lobten diese von Budde geleistete "Fleißarbeit".

Man siedelte am Wasser

Das Bildmaterial machte ferner deutlich, dass man einst gern in Hanglage an Wasserläufen siedelte. "Forschungsbedingte Ballungen gibt es natürlich im Nordkreis", so Budde, "auch die Anlage von ausgedehnten Spargelfeldern im 19. Jahrhundert sorgte für viele Funde bei Rietze und Wipshausen". Diese stellte er anhand alter Grabungsfotos und Fundzeichnungen vor. Bei einer Feldbegehung in der Gemarkung Rosenthal "erwischte" er kürzlich einen Sondengänger, den er über sein verbotenes Treiben belehrte. Einsichtig überließ dieser ihm einige Bronzefunde, die sich als südländische und keltische Importe entpuppten, für Budde ist dabei ein fein gearbeiteter Löwenkopf "eine kleine Sensation, er dürfte wohl aus Griechenland stammen". Der Einfluß der expandierenden, benachbarten Kelten zeigt sich aber schließlich auch in der Keramik, die teilweise aufwändige Verzierungen erfährt. Budde zeigte auch gefundene Grabbeigaben, die je nach Geschlecht sehr unterschiedlich sind. Männer wurden häufig mit ihren Waffen bestattet oder verbrannt, Frauen mit Schmuck oder Bestandteilen ihrer Tracht und sogenannten Spinnwirteln (Schwungscheiben zum Spinnen mit der Hand).

Hügelgräber nur noch in den Wäldern vorhanden

Nur in alten, ursprüglichen Waldgebieten sind heutzutage noch Hügelgräber im Landkreis Peine zu finden. Bei Adenstedt im sogen. Odinshain sind geschützte Grabhügel zu besichtigen; sie sind allerdings nur der "traurige Rest" einer einst ausgedehnten Anlage, denn der forschreitende Tagebau machte schon vor vielen Jahrzehnten eine Ausgrabung der bedrohten Grabhügel nötig. Dass die Dokumentation darüber verschollen, ist bedauerte Budde, der ohnehin darauf verwies, dass viele bedeutende Fundstücke aus der Region Peine nicht mehr aufzutreiben sind, bzw. in Braunschweig, Hannover oder Hildesheim lagern.
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