An der Peiner Fuhse lebten die Fosen

Ungefähres Siedlungsgebiet der Fosen um Peine
 
Frame - Typ Stederdorf
Die Fosen (auch Foser / lateinisch: Fosi) waren ein kleiner, nur von Tacitus erwähnter germanischer Stamm im Westen Mitteleuropas. Der Rom-Dekadenz-Kritiker, Moralist und bekannte Redner Tacitus, der in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts lebte und wirkte, widmete sich insbesondere den römische Versuchen die Germanen zu unterwerfen, die er keinesfalls mit dem Desaster der Varusschlacht beendet sah. Seine Beschreibungen über Germanien und die germanischen Stämme gelten als zuverlässige Quelle, hinsichtlich der Lebensweise der Germanenstämme.
Um die Zeitenwende waren die Fosen wohl von den westlich benachbarten Cheruskern abhängig, deren bekanntester Vertreter Arminius war, der Varus um das Jahr 9 eine vernichtende Niederlage im Raum Kalkriese beifügte, wo er die Truppen des einstigen Verbündeten in einen Hinterhalt gelockt hatte. Zum deutschen Nationalhelden und Befreier verklärt, gab man ihm Ende des 19. Jahrhundert den Namen Hermann der Cherusker, und errichtete ihn ein Monumental-Denkmal am Teutoburger Wald, was historisch jedoch keinen Hintergrund hat.
Das Siedlungsgebiet der Fosen wird als Gegend östlich des Cheruskergebietes bis westlich der an der Elbe siedelnden Germanenstämme beschrieben. Tatsächlich beinhaltet dieses Gebiet zentral den Lauf unserer Peiner Fuhse, die es grob von Nord (Raum Celle) nach Süd (Raum Salzgitter) teilt. Feldbegehungen und Ausgrabungen in der Region Peine belegen seit Jahrzehnten ferner die Vorliebe der Germanen an Gewässern zu siedeln, wie der Archäologe Thomas Budde erst kürzlich durch Kartierung der Fundplätze beweisen konnte. Manche Forscher sehen sogar die offensichtliche sprachliche Verbindung zwischen Fosen und Fuhse. Eine natürliche Ostgrenze des Siedlungsgebietes könnte die Oker gebildet haben, die einen ählichen Verlauf wie die Fuhse hat.

Germanenschmiede im Peiner Land

Natürliche Erzvorkommen im Raum Adenstedt/Bülten versorgten nachweislich die Rennöfen der Fosen im Raum Peine (Eisenzeitliche Siedlungen am Trentelmoor). Frühgeschichtliche Schlackenfunde gibt es aus vielen aufgelassen Siedlungen. Es ist durchaus denkbar, dass dieser kleine Stamm hier schon eine frühe Form von Spezialisierung lebte, der schlichtweg durch natürliche Gegebenheiten bedingt war. Insbesondere in der kaiserzeitlichen Siedlung westlich von Stederdorf waren schon in den 1950er Jahren eiserne Waffenteile geborgen worden (Foto germanische Speerspitze Typus sogen. Frame). Den germanischen Schmieden wurden bekanntermaßen ja sagenhafte Wunderkräfte nachgesagt; sie genossen daher großes Ansehen unter den Stammesangehörigen.
Im Verlauf des 1. Jahrhunderts verloren die Fosen jedoch an Bedeutung und wurden schließlich von den expandierenden Angrivariern assimiliert. Der Niedergang der Cherusker zog auch die Fosen mit sich. Funde und Befunde auf germanischen Siedlungsplätzen der römischen Kaiserzeit u.a. in Stederdorf und Berkum deuten auf gewaltsame Zerstörungen der Gebäude hin (Niederbrennen), die einst durch bisher noch unbekannte Aggressoren verursacht wurden.

Stichwort Fuhse:

Südlich von Lengede mündet linksseitig der große Bach in die hier in nördliche Richtung fließende Fuhse. Zwischen Woltwiesche und Klein Lafferde, nordwestlich von Lengede, wendet sich der Lauf wieder nach Westen. Hier mündet linksseitig der aus südwestlicher Richtung kommende Osterbach. Bei der Festung Steinbrück wendet sich die Fuhse dann wieder nach Norden. Nordwestlich der Ortschaft mündet rechtsseitig die Große Lafferder Riethe und linksseitig der Krummbach. Nach der Einmündung des Auebachs südöstlich von Adenstedt ändert die Fuhse erneut ihre Richtung und fließt ein kurzes Stück Richtung Nordosten. Dabei durchfließt sie Ilsede und nimmt westlich von Klein Ilsede die Beeke auf.
Südlich der Stadt Peine mündet rechtsseitig die Pisser aus Richtung Schmedenstedt. Anschließend durchfließt sie die Stadt, nimmt dabei die Glindbruchschölke auf und wendet ihren Lauf wieder nach Nordwesten. Ihr weiterer Weg führt sie nördlich an Vöhrum und südlich an Eixe vorbei. Südlich von Abbensen mündet linksseitig die aus Westen zufließende Katje Fuhse. Nordöstlich von Dollbergen nimmt die hier wieder in nordöstlicher Richtung fließende Fuhse das Schwarzwasser auf.
In der Nähe der Eltzer Wassermühle besteht eine etwa 400 m lange Verbindung zur Erse, die sich hier der Fuhse bis auf 300 m Luftlinie genähert hat. Über diese Verbindung kann bei Hochwasser zur Vermeidung von Überschwemmungen in Uetze Wasser der Fuhse abgeschlagen werden. An dieser Stelle wendet sich der Lauf der Fuhse auch wieder nach Westen und erreicht nach einer kurzen Wegstrecke Uetze. Rund einen Kilometer nach Verlassen des Ortes erreicht der Fluss den Staatsforst Fuhrberg. Auf dem Weg durch den Laubwald bietet die Fuhse ein Bild, das dem ursprünglichen, vor dem Ausbau bestehenden recht nahekommt.
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