VBZ Osterode: Was macht das Stroh im Brot?

Osterode am Harz: VBZ OHA | Was macht das Stroh im Brot?
Wie man Stroh zu Gold spinnt

Osterode ein/kip) Die Verbraucherzentrale Osterode teilt mit: Der Zusatz von Fasern aus dem Halm des Weizens, also Stroh, in Backwaren ist Methode, Lebensmittel vollwertiger scheinen zu lassen als sie sind. Bei einer Marktüberprüfung von Backwaren in Hannover fielen vier Erzeugnisse mit dieser Zutat auf. Zum Teil wurden diese Produkte als besonders ballaststoffreich (und somit gesund) beworben. Dass der Einsatz dieser Strohfasern auch zu einem höheren Wasseranteil im Brot und somit mehr Gewicht beiträgt, scheint dabei mehr als ein zufällig positiver Nebeneffekt für die Hersteller zu sein.

Vollkornbackwaren sind natürlicherweise ballaststoffreich und gelten als vollwertig und gesund. Trotzdem werden sie von vielen Verbrauchern lieber links liegen gelassen. Grund: Misch- und Mehrkornbrote sind oft weicher, saftiger und milder im Geschmack. Damit Verbraucher herkömmliche Backwaren mit geringem oder ohne Vollkornanteil nun ohne schlechtes Gewissen genießen können, werden sie von einigen Herstellern künstlich mit Ballaststoffen aufgepeppt. Die verwendeten faserigen Ballaststoffkonzentrate werden z.B. aus den Halmen des Weizens gewonnen – sind also technologisch aufbereitetes Stroh! Die Verwendung des Stroh-Extraktes hat neben der Ballaststoffanreicherung den Vorteil für den Hersteller, dass die Fasern zusätzlich Wasser binden. Dies führt zwangsläufig zu mehr Saftigkeit, einer erhöhten Teigausbeute und somit mehr Gewicht des Brotes.

Bei einer Überprüfung in Hannover sind vier Erzeugnisse mit Weizenhalmfasern in der Zutatenliste aufgefallen. Diese loben auf den Verpackungen teilweise den Vorteil eines hohen Ballaststoffgehaltes aus: Mehrkornbrötchen „Vital & Fit“, das Toastbrot und das Sandwichbrot „Balance active" von der Harry-Brot GmbH sowie die Mehrkornbrötchen „Vital & Fit“ von Goldähren Brotland GmbH. Der Anteil Weizenstrohfaser vom Toast und dem Sandwich macht mit 1,5 Prozent rund ein Viertel des Ballaststoffgehaltes aus (Durchschnittlicher Ballaststoffgehalt pro 100 Gramm: 6,8 Gramm). Bei den Mehrkornbrötchen gibt es gar keine Angabe, wieviel „Stroh im Brot steckt“. Mit der Auslobung der Weizenhalmfasern: „Die sieht man nicht und schmeckt man nicht, sie machen Balance activ jedoch so ballaststoffreich wie ein Vollkorn-Sandwich/Toast“ entsteht für den Verbraucher der Eindruck, dass Weizenhalmfaser eine besonders wertvolle Zutat ist. Das stimmt jedoch nicht. „Auf den Inhalt, nicht auf die Werbung kommt es an.“ kommentiert Brigitte Ahrens der Verbraucherzentrale. „Der Vorteil bei der Verwendung von Vollkornmehlen im Gegensatz zu Weizenfasern ist neben dem natürlich hohen Ballaststoffgehalt auch der Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen“.

Die Verbraucherzentrale fordert daher eine genaue Kennzeichnung der Weizenhalmfaser auf der Verpackung. Schon aus der Verkehrsbezeichnung sollen Verbraucher erkennen können, um welches Brot es sich handelt. Aus dem „Weizenbrot mit 14 Prozent Vollkornanteil“ muss ein „Weizenbrot mit Vollkorn, Sonnenblumenkernen, Leinsamen und Weizenstrohfaser“ werden. Die tabellarische Darstellung unserer Ergebnisse finden Sie unter:
www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de/stroh-im-brot-tabelle
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1 Kommentar
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Andreas aus Niedersachsen aus Laatzen | 15.05.2014 | 00:42  
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