Es geht mit und ohne. Aber wie? Eine Satire über unseren Körper, Seite 11

Hatte sich bis jetzt alles nur um das Herz von Adam gedreht so trat nun das, schon lange als ungefährlich vor sich hin kokelnde Hautleiden von Eva in den Vordergrund. Es wurde als Neurodermitis diagnostiziert und jeder Hautarzt erklärte Eva, man könne da nicht heilen, man kann nur lindern. Doch bisher scheiterten all diese Versuche. Bestrahlen, einschmieren, Tabletten, nichts schlug an, im Gegenteil, es wurde immer schlimmer.
Sch... Körper. Was ein eigenmächtiges Ding...
Als dann aber die Füße so dick anschwollen und wegen der austretenden Lymphflüssigkeit alle zwei Stunden die Socken gewechselt werden mussten und der Juckreiz schier unerträglich wurde, ließ Eva nach neuen Wegen suchen.
Sie fand heraus, dass es einen Verein für Neurodermitis Kranke gibt und wurde Mitglied. In der Zeitschrift fand sie die Adresse einer Ärztin, welche sich auf diesem Gebiet spezialisiert hatte und diese Krankheit vorwiegend naturheilkundlich behandelte.
Sie stellte fest das Eva gegen viele Lebensmittel allergisch reagierte und dies mit dem ganz einfachen Test, wie war der Name noch??
Vergessen.
Vergessen??
(Fängt das mit dem Vergessen auch schon an??)
Eva lässt sich das nicht anmerken. Sie sagt: " Dafür zu zweit sein, der Kranke streckte seinen linken Arm seitlich aus und hält dabei das zu testende Material in der Hand. Die zweite Person versucht nun die ausgestreckte Hand herunter zu drücken, jedoch mit viel Feingefühl. Zuvor werden die Kräfteverhältnisse ausgelotet. Ist der Arm schlaff und lässt sich leicht herunter drücken, ist dieses Lebensmittel unverträglich. Kann man den Arm problemlos in dieser ausgetreckten Haltung belasse, ist das Testmaterial verträglich.
Einbildung? Binsenweissheit? Egal. Wenn es hilft ist alles Recht.
Auf diese Weise kann man vielerlei testen. Medikamente, Tierhaare, Kosmetika und Lebensmittel und vieles Andere auch.
Außerdem kamen die Ärztin und Eva überein, den Körper zu entgiften, was eine Homöopathin privat durchführte, weil die Krankenkasse solche Behandlungen nicht bezahlt. Dazu gehörte auch eine Darmsanierung.
OK, sanieren wir halt den Körper, mit alten Häusern tut man es ja auch. Obwohl Eva noch nicht so lange in ( ihrer Hütte) ihrem Körper wohnt, noch keine 60 Jahre, ist er sanierungsreif.
Eva war bereit alles zu tun, um dieses unerträgliche Hautjucken und seine Begleiterscheinungen los zu werden. Inzwischen waren auch in den Innenflächen der Hände Risse entstanden welche bluteten und die Ausübung des Berufes schier unmöglich machten. Was Eva auch anfasste war blutverschmiert. Latexhandschuhe vertrug sie nicht und Baumwollene waren nicht für alles zu gebrauchen. Bei jedem Schritt gab es neue Risse in den angeschwollenen Füßen, sodass der Vertrauensarzt, welcher über die Kuranträge zu entscheiden hatte, nachgab. Zuvor schon hätte sie an die Nordsee gekonnt, doch dieser Kurort war mehr auf die Atemwege ausgerichtet und Eva war der Meinung, wenn diese Kur nichts brachte, würde sie so schnell kein zweite genehmigt bekommen. Eva ließ sich zu nichts überreden was sie in dieser Hinsicht nicht überzeugte. Sie wollte, aufgeklärt durch ihre neue Fachärztin, in die Homöopathische Fachklink nach Villingen-Schwenningen. Das war ihre ganze Hoffnung. Adam brachte sie mit dem Auto dorthin. Er machte sich große Sorgen um seine Eva, und das ließ ihn den Kummer um sein lädiertes Herz fast vergessen. Man höre und staune, Adam fährt wieder Auto!
Kaum war man in der Klinik hatte man das Gefühl, am falschen Ort gelandet zu sein. Gestalten liefen herum, nur mit einem weißen, sterilen Kittel bekleidet, kaum den geröteten Körper mit offenen und verkrusten Wunden verdeckend.
War die Entscheidung wirklich richtig? Später sagte sie ja! Ja! Ja!
Das Zimmer war OK, ein Arzt Termin schon eine Stunde später. Eine sogenannte Anamnese wurde erstellt, die Befragungen zogen sich fast zwei über Stunden hin und sie hatte das Gefühl, die Ärztin weiß nun alles von ihr.
Fast mehr als sie selbst. Eine Neugier legen die ungeniert an den Tag.
Tabuthemen kamen zur Sprache die sie offenlegen sollte. Die arme Eva war noch altmodisch erzogen worden, wo über Sex nicht gesprochen wurde. Weder zu Hause noch in der Ehe.
Bei Adam lag es nicht viel anders, immerhin war er neun Jahre älter als Eva. Frau Doktor meinte, Forschungen hätten zutage gebracht, ein unbefriedigtes Sexualleben würde auch krank machen. Über die Psyche nimmt es Einfluss auf den Körper und die Seele. Sie sei nicht aus purer Neugier an unserem Sexleben interessiert. Sie muss es wissen, sie hat studiert.
Eva musste zugeben dass da wohl so einiges im Argen lag, aber Adam und Eva waren mit diesem Zustand in stiller Übereinkunft zufrieden. Oder war es Adam vielleicht doch nicht? Es wurde ja nie darüber gesprochen also konnte Eva nicht ganz sicher sein. Kam seine Herzkrankheit vielleicht gar davon?
Der Mensch sollte doch mit einem Beipackzettel auf die Welt kommen...

Bürgerreporter:in:

Waltraud Meckel aus Offenbach

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