Pendler brauchen PLAN-B – GRÜNEN fordern Mobilitätsalternativen zum Dauerstau auf der A 3

Bundesautobahn 3 bei Obertshausen
Obertshausen: Anschlussstelle | Zu den Stoßzeiten geht auf der BAB 3 zurzeit gar nichts mehr. Es herrscht, bedingt auch durch Unfälle an der Großbaustelle, Verkehrschaos und Dauerstau. Dann liegt es doch nahe, die BAB 3 "schnellstmöglich" auszubauen. Dies fordern zumindest CDU, SPD und FDP im Kreistag am 28. September 2016 und wortgleich die große Koalition in Obertshausen ein paar Tage später. Nur die GRÜNEN möchten keine nachträgliche Änderung des Bundesverkehrswegeplans 2030 für das Teilprojekt „Autobahnkreuz Offenbach bis Anschlussstelle Hanau“. Dort steht bislang, dass kein vordringlicher Bedarf für mehr Spuren vorliege. Die Mehrheit der Altparteien dagegen will eine Ausweitung von sechs auf acht reguläre Spuren und hofft, die Autofahrer sind durch das Verkehrschaos auf der Baustelle so genervt, dass sie Ausnahme und Regel auf dem Autobahnteilstück nicht unterscheiden können.

Zu den Stoßzeiten können die Standspuren heute schon mitbenutzt werden. Bei einem Ausbau des 9,6 km langen Teilstückes wäre die Autobahn zusammen mit der angrenzenden Umgehungsstraße fast 60 Meter breit und hätte fast die Dimension der Startbahn West. Die Kosten wären gewaltig und fehlten dann für Mobilitätsalternativen im Berufsverkehr. Insgesamt ist für den Bundesverkehrswegeplan 2030 eine Summe von 270 Mrd. Euro eingeplant. Eine Schwerpunktverschiebung zugunsten des motorisierten Individualverkehrs schmälert den Budgetanteil für den öffentlichen Personennahverkehr im Kreis Offenbach. Dagegen sind die Grünen im Kreis und in Obertshausen.

Wie sehen die Fakten aus? Ist der schnellstmögliche Ausbau der Verkehrsader die Lösung der Verkehrsprobleme im Kreis Offenbach? Im Bundesverkehrswegeplan 2030 sieht der Bundesverkehrsminister Dobrinth (CSU) keinen vordringlichen Bedarf, die A3 zwischen Anschlussknoten Hanau und Anschlusskreuz Offenbach auszubauen. Die Einschätzung ist nicht willkürlich getroffen. Fachleute haben einen Kosten-Nutzen-Wert von 2,3 für das Teilstück in Obertshausen errechnet. Anders wird die Situation am Anschlusskreuz Offenbach mit einem Index von >10 bewertet. Dort soll die Autobahn erweitert werden. Es geht also bei der fehlendenden Dringlichkeit der Autobahnverbreiterung nicht um Willkür, sondern um harte Fakten. Daran ändern auch die Prognosezahlen nichts. Bei einer Verkehrszählung im Jahr 2010 wurden 119.500 Kfz/24h plus 13.200/24h LKW gezählt. Die Prognose ist 170.000 Kfz sowie 27.000 LKW pro Tag. Vielmehr müssten echte Alternativen her, meinen die GRÜNEN des Kreises Offenbach.

Würde es durch mehr Autobahnspuren weniger Verkehrsunfälle geben? Nach einer Studie der Polizei würde sich an den Unfallzahlen bei zusätzlichen Fahrspuren nichts ändern, denn die Unfallursachen auf der BAB 3 liegen nicht an der Anzahl der Spuren. Im Gegenteil, das Unfallrisiko würde steigen, denn es wird zu schnell, mit zu wenig Abstand, immer breiteren Autos gefahren. Zudem werden die Spuren immer waghalsiger gewechselt. Wenn es also noch mehr Spuren gibt, steigt auch das Unfallrisiko zusätzlich. Nachdem vor zwei Jahren bei der Spurerneuerung auf der Gegenfahrbahn in Richtung Würzburg viele schwere Verkehrsunfälle zu verzeichnen waren, wurden Superblitzer angeschafft und bislang 25.000 Verstöße gegen das Tempolimit in der Baustelle registriert. Es kracht trotzdem. In nur zwei Monaten über 60-mal, d.h. jeden Tag 1,6-mal.

Was ist mit der Kombination aus zusätzlichen Fahrspuren und neuestem Lärmschutz? Die Autobahn geht direkt an der Wohnbebauung Obertshausens vorbei. An der Autobahn zu wohnen, ist laut. Die vorhandenen Lärmschutzwälle sind alt und gegen den Lärmzuwachs helfen sie nicht. Doch zu sagen, „einen technisch verbesserten modernen Lärmschutz gibt es nur, wenn die Anrainer zusätzliche Autospuren akzeptieren – das ist Erpressung“, meint Obertshausens Grüner Fraktionsvorsitzender Dr. Klaus-Uwe Gerhardt. Mehr Spuren auf der Autobahn bringen zusätzlichen Verkehr, mehr Lärm und mehr Schadstoffe. Sogar bei 100%iger Elektromobilität gibt es die Abrollgeräusche der Reifen weiter.

Die Autobahn ist voll – sind weitere Spuren die Lösung? Welche Mobilitätsalternativen gibt es? Es gibt die Stellungnahme des Kreisausschusses des Landkreises Offenbach, die auf andere Optionen beim motorisierten Individualverkehr zielt. Das sind der Ausbau des regionalen Schienenverkehrs (S-Bahn südlich mit Einbindung des Hauptbahnhofs Offenbach, Verlängerung der S-Bahn bis Dieburg), die Priorisierung des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), sowie eine Schnellbuslinie sowie Radschnellwege von der Stadt in den Landkreis Offenbach. Die Mehrheit des Kreistags Offenbach in Dietzenbach setzt jedoch seinen Schwerpunkt mit der Entscheidung pro Auto anders und spricht sich gegen die Empfehlungen ihrer Ersten Kreisbeigeordneten Claudia Jäger (CDU) aus.

Was ist bei der Verkehrsinfrastruktur der Zukunft noch zu bedenken? Es geht nicht um den Kreis Offenbach allein, sondern um die Verkehrswende, den Klimawandel, die Lebensqualität der Anwohner und auch um soziale Belange. „Schöner Wohnen im Grünen für die einen und schlechter Wohnen im Wohnblock an der Autobahn für die anderen. Das ist keine zukunftsorientierte Perspektive der Verkehrsinfrastruktur und kann nicht das Leitmotiv der Kreispolitik sein“, meint Dr. Gerhardt.
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